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Politik im Rest der Welt Stullen für die Landwirte
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07:02 19.07.2018
Quelle: dpa
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Brandenburg

Es ist der Sommer unseres Lebens. Warm, trocken, endlose Tage, ganz so, als wollte sich das Wetter für das verregnete Jahr 2017 entschuldigen. Nun leiden nicht mehr wir, dafür aber die Bauern, heftiger als in vielen Jahren zuvor. Maisblätter eingerollt, Weidegras liegt brach, Kartoffeln verkümmern, Ähren bleiben klein. Letztes Jahr ersoff die Ernte, dieses Jahr verdorrt sie.

Was liegt da also ferner, als es den Landwirten noch zusätzlich schwer zu machen? Doch genau das geschieht. Ja, manchmal müssen Bauern nachts ernten. Etwa, wenn Regen droht. Aber jedes Jahr aufs Neue wird ihnen vorgehalten: Nachts gilt die Nachtruhe, dafür gibt’s ein Gesetz, und das ist einzuhalten. Nur in Extremfällen bekommen Landwirte Sondergenehmigungen. Wer soll da bitte geschützt werden? Die Ruhe suchenden Landbewohner, die um 6 Uhr aufstehen müssen, um mit dem SUV zu ihrem Großstadtjob zu rasen?

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Die Klagen sind kurzsichtig. Landwirte machen unser Essen. Sie machen Viehfutter für das geliebte Steak, sie machen das Getreide für unser Brot, die Milch für den Käse. Einen Preisschock müssen wir nicht befürchten: Getreide ist noch genug da, Fleisch, Milch und Gemüse können wir billig importieren. Doch die regionalen Bauern sind auch Unternehmer. Und einige dieser Unternehmen stehen vor dem Aus. Zwei karge Ernten, sie haben es schwer genug.

Lasst die Landwirte arbeiten. Notfalls die ganze Nacht. Wer nicht schlafen kann, der sollte lieber Stullen zum Traktorfahrer tragen, mit Landschinken belegt und frischem Ei. Und einfach mal Danke sagen.

Isabell Prophet ist Autorin und Bloggerin in Berlin.

Von Isabell Prophet

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