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Politik im Rest der Welt Umfrage: Ohne Not in die Notaufnahme
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16:17 09.03.2019
Lassen Sie mich durch, hier kommt wirklich ein Notfall in die Notaufnahme Quelle: picture alliance / imageBROKER
Berlin

Viele Patienten meiden Hausarztpraxen und gehen lieber in die Notaufnahme der Krankenhäuser. Das ergibt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse KKH. Über die noch unveröffentlichte Studie berichtet der „Spiegel“.  

38 Prozent der Befragten gaben an, auch dann in die Notfallambulanzen zu gehen, wenn normale Arztpraxen geöffnet haben. Also tagsüber an Werktagen. Den Grund lieferten sie auch gleich mit: Mehr als 40 Prozent erklärten, dass sie sich in der Klinik medizinisch besser versorgt fühlten als in einer Hausarztpraxis. Viele Patienten wollen zudem lange Wartezeiten in den Akutsprechstunden beim Facharzt vermeiden.

Fast ein Viertel der Befragten gab an, dass es für sie ausschlaggebend gewesen sei, dass sie für den Besuch in der Notaufnahme keinen Termin brauchten. Weitere 13 Prozent erklärten, sie hätten kurzfristig keinen Termin in einer Praxis bekommen.

Ärzte für Notaufnahme-Gebühr

Kliniken klagen seit Jahren darüber, dass Patienten mit Bagatellerkrankungen die Notaufnahmen verstopften. „Der Großteil der Patienten, die in die Notaufnahme kommen, gehört da nicht hin“, sagte der Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, dem RND. „Viele kommen ins Krankenhaus, weil sie keine Lust oder keine Zeit haben, sich einen Termin bei einem niedergelassenen Kollegen zu besorgen.“

Er plädierte auch für eine Notaufnahme-Gebühr. „In vielen anderen Ländern Europas ist so etwas längst üblich. Wenn sich bestimmte Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte dauerhaft entziehen und das System nach Gusto nutzen, wie es ihnen gerade einfällt, muss das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen.“

Wie bei der Werkstattbindung

Am Donnerstag stimmt der Bundestag über das „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab. Das Gesetz soll Abhilfe schaffen im Terminchaos der Arztpraxen und sieht unter anderem Prämien für Versicherte und Mediziner vor.

Wer sich als Patient verpflichtet, grundsätzlich zunächst zum Hausarzt zu gehen, soll von der Krankenkasse Geld zurück bekommen. Das nennt sich dann „Hausarztvertrag“. Darin legen sich Patienten fest, für ein Jahr lang stets denselben Hausarzt aufzusuchen, und nur auf dessen Überweisung hin zum Facharzt zu gehen.

Union und SPD wollen den Kassen vorschreiben, in solchen Fällen die Hälfte der dadurch erzielten „Effizienzgewinne“ an die Mitglieder auszuschütten. Unausgesprochenes Vorbild ist die Werkstattbindung bei der Autoversicherung.

Anreize für Ärzte

Auch Ärzte können Prämien erhalten, wenn sie Patienten schneller einen Termin geben. Die „Terminservicestelle“ der Kassenätzlichen Vereinigung vermittelt ihnen Kranke, die sie innerhalb von vier Wochen behandeln müssen. Schaffen sie es in der ersten Woche, erhalten die Ärzte einen Zuschlag auf die Versichertenpauschale von 50 Prozent. Für eine Behandlung innerhalb der zweiten Woche soll es nach den GroKo-Plänen einen Aufschlag von 30 Prozent geben. In der dritten und vierten Woche wären es 20 Prozent.

Die Aufschläge sollen auch Mehrarbeit für die Ärzte ausgleichen: Nach der Neuregelung müssen sie mindesten 25 statt 20 Stunden Sprechzeit für Kassenpatienten pro Woche anbieten.

Lesen Sie auch: So lange warten wir auf Ärzte und Termine

Von RND/jps/rb/tim

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