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Politik im Rest der Welt Umweltministerin will Tabakindustrie an Reinigungskosten beteiligen
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18:51 18.12.2018
Für die Reinigung von Zigarettenstummeln soll laut Umweltministerin Schulze künftig auch die Industrie aufkommen. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will die Tabakindustrie künftig an den Kosten für die Beseitigung weggeworfener Zigaretten im öffentlichen Raum beteiligen. „Wer Wegwerfartikel wie Zigaretten herstellt, wird künftig mehr Verantwortung für den Müll übernehmen müssen“, sagte die SPD-Politikerin. „So könnte die Zigarettenindustrie zum Beispiel an den Kosten für die Reinigung von Stränden oder Parks beteiligt werden.“ Dafür werde sie sich innerhalb der EU einsetzen – dort war dies als verschärfende Maßnahme zur geplanten Einweg-Plastik-Richtlinie zuerst gefordert worden.

In Städten und Gemeinden im Norden trifft der Vorschlag auf eine positive Resonanz. Und das Kieler Umweltministerium nannte gestern den Vorschlag, die Hersteller für ihre Produkte und die Folgen für die Umwelt in die Pflicht zu nehmen, begrüßenswert. „Kippen im Ortsbild und im Strandsand sind ein Thema“, sagt Martin Scheel, Fachbereichsleiter Allgemeine Verwaltung und Finanzen in Timmendorfer Strand. Der Strand müsse regelmäßig gesiebt werden, um ihn von Zigarettenkippen und anderem Unrat zu befreien. In ihren Strandabschnitten seien die Strandkorbvermieter zuständig für das Aufsammeln der Kippen. Scheel betont: „Eine Arbeit, auf die man verzichten könnte.“

Kippen im Pflaster und in Metallgittern

Auch in der Lübecker Innenstadt verursachen achtlos weggeworfene Zigarettenstummel Mühe und Kosten. „Es ist sehr aufwendig, sie aus dem alten Pflaster zu pulen“, sagt Cornelia Tews, Sprecherin der Entsorgungsbetriebe Lübeck. Seit in öffentlichen Gebäuden nicht mehr geraucht werden dürfe, geschehe dies vor der Tür. Viele würden aber keinen Aschenbecher benutzen, oft landeten die Kippen auch in den Metallgittern, die um die Bäume im Boden eingelassen seien. „Sie da herauszuholen ist sehr zeitraubend.“

Torsten Wendland, Fachbereichsleiter Ordnung der Stadt Mölln, beklagt, „dass gerade im Bereich der Bushaltestellen vermehrt Kippen festzustellen sind. Ansonsten natürlich auch auf allen Gehwegen.“ Die Beseitigung obliege den Anliegern, die Kosten seien „nicht konkret bezifferbar“.

Fakt ist: Zigarettenfilter sind aus Zellulose – ein Kunststoff, der erst nach Monaten oder Jahren verrottet. „Es kann auch länger dauern“, weiß Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Naurschutzbundes (Nabu) Schleswig-Holstein. Die Zellulose sei – besonders bei gerauchten Zigaretten – mit Giften angereichert. Auch im Wasser schade dies den Lebewesen erheblich. „Es gilt, diesen Abfall zu vermeiden, er sollte nicht einfach in der Umwelt landen.“ Die EU hofft, dass die Zigarettenhersteller die Zellulose-Filter durch umweltfreundliche und biologisch abbaubare Alternativen ersetzen.

Hersteller: Vorstoß „absolut unangemessen“

Bei der Zigarettenlobby stößt die Aussicht, erneut zur Kasse gebeten zu werden, aber bislang auf wenig Begeisterung. Es werde kein Unterschied gemacht zwischen herkömmlichen und biologisch abbaubaren Filtern, die man in einigen Marken schon verwende, moniert Oliver Nils Wrede von der Lübecker Tabakfirma Von Eicken. Er weist darauf hin, dass die Firma allein dieses Jahr 100 000 Taschenascher in den Ostsee-Urlaubsorten verteilen ließ, um das achtlose Wegwerfen der Kippen zu verhindern. Angesichts der hohen Tabaksteuer sei es „absolut unangemessen, die Hersteller für die Sauberkeit im öffentlichen Raum in Haftung nehmen zu wollen“.

Schon heute seien Zigaretten stark mit staatlichen Abgaben belastet, 75 Prozent des Preises einer Packung gingen an den Fiskus, bekräftigt Jan Mücke, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes (DZV) in Berlin. „Wir arbeiten daran, dass die Filter schneller abbaubar sind.“ Es gelte, diese Produktinnovation zu unterstützen. Einfach abzukassieren sei der falsche Weg.

Von Markus Stöcklin

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