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Politik im Rest der Welt „Vereine sind etwas sehr Deutsches“
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08:08 11.12.2018
Haci-Halil Uslucan, Vize-Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration Quelle: privat

Herr Uslucan, Migranten engagieren sich nach wie vor deutlich seltener in Vereinen als Deutsche ohne Migrationshintergrund. Woran liegt das?

Nun, Vereine sind schon etwas sehr Deutsches, das Vereinswesen ist hierzulande eben besonders stark ausgeprägt. Und viele Migranten tun sich schwer mit Bereichen, in denen formalisierte Kommunikation eine Rolle spielt. Es gibt eine Art gläserner Decke, auch in Vereinen. Wenn Migranten in einem deutschen Verein Leitungsfunktionen wahrnehmen wollen, werden ihnen oft mangelnde Fähigkeiten vorgeworfen. Solche Erfahrungen ziehen Kreise und führen dazu, dass ethnische Vereine gegründet werden. Das ist zum Beispiel im Sport der Fall.

Viele Vereine sind noch sehr traditionell geprägt. Müssen sie sich mehr für Migranten öffnen?

Ja, das ist die eine Seite. Viele Vereine klagen über Nachwuchsmangel. Wegen des demografischen Wandels müssen sich da einige Abläufe ändern. Und auf der anderen Seite muss sich auch bei den Deutschen mit Migrationshintergrund eine Tradition entwickeln. Die erste Generation ist ins Land gekommen, um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Da war keine Zeit für ein Engagement in Vereinen. Zudem ist die Vorstellung bei Migranten noch wenig verankert, dass aus ehrenamtlichem Engagement auch hauptamtliche Beschäftigungen in dem Feld werden können, dass Engagement also auch gut für die Karriere sein kann.

Heißt das denn, dass Menschen mit Migrationshintergrund sich weniger engagieren?

Nein, sie tun es nur anders. Der Großteil des Engagements findet in Familie und Verwandtschaft statt. Oder bei Muslimen im Rahmen der Moscheegemeinde. Das passiert im Stillen, ohne dass jemand viel darüber redet. Es gibt eine türkische Maxime, die lautet: Das Gute macht man im Verborgenen. Man will auch denjenigen nicht beschämen, den man unterstützt. Im Deutschen gibt es das gegenteilige Sprichwort: Tue Gutes und rede darüber. Das sind die Unterschiede.

Haben Menschen mit Migrationshintergrund weniger „Bürgersinn“ als Deutsche?

Nein, aber es gibt Unterschiede, zum Beispiel bei den Erziehungszielen. Deutsche Eltern sagen über ihre Kinder oft: Sie sollen sich selbst verwirklichen. Türkische Eltern sagen eher: Es soll ein guter Mensch werden. Die einen betonen das Individuelle, die anderen das Kollektive.

Von Jan Sternberg/RND

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