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Politik im Rest der Welt Vorwurf: Folterer kamen mit Kapitänin Rackete nach Italien
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18:58 26.09.2019
Die Kapitänin des Seenotrettungsschiffs „Sea-Watch 3“.
Rom

Drei Männern, denen Folter in libyschen Flüchtlingslagern vorgeworfen wird, könnten mit dem deutschen Rettungsschiff "Sea-Watch 3" der Kapitänin Carola Rackete in Italien angekommen sein. "Wir können das nicht ausschließen, haben aber selbst keine gesicherten Informationen dazu", sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Migranten, die später mit dem italienischen Rettungsschiff "Alex" angekommen seien, hätten ihre Peiniger möglicherweise in Italien wiedererkannt. Die rechtsgerichtete Zeitung "Il Giornale" hatte die Vorwürfe erhoben.

Die Polizei hatte Mitte September mitgeteilt, dass die verdächtigen Migranten in dem nordafrikanischen Land vergewaltigt, gequält oder sogar umgebracht haben. "Die Migranten wurden systematisch schikaniert und Gräueltaten ausgesetzt - durch wiederholte und ständige körperliche Gewalt", heiß es damals in der Mitteilung. Brutale Schläge mit Stöcken, Gewehrschüsse, Elektroschocks gehörten demnach dazu. Die Verdächtigen seien in einem Aufnahmelager in Messina gefasst worden, nachdem andere Migranten Alarm geschlagen hätten. Sie sind laut Polizei am 29. Juni in Lampedusa angekommen - an jenem Tag, an dem die "Sea-Watch 3" ohne Erlaubnis in den Hafen eingefahren war.

Wir können nicht scannen, wer die Leute sind

Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer

Seit Jahren herrschen in Libyen Bürgerkrieg und Chaos. Migranten versuchen, über das Land nach Europa zu kommen. Für viele endet diese Reise in einem Internierungslager.

Hilfsorganisationen weisen darauf hin, dass sie nicht wissen können, wer genau die Leute auf ihren Schiffen sind. "Wir können nicht scannen, wer die Leute sind. Die kommen ohne Pässe", sagte Neugebauer. Folter sei einer der Hauptgründe, warum die Menschen aus Libyen fliehen. Daher sei es durchaus möglich, dass auch Täter auf den Schiffen seien. "Es ist daher sehr wichtig, dass dem nachgegangen wird." Bei der Staatsanwaltschaft in Sizilien war zunächst niemand erreichbar.

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Italiens rechter Ex-Innenminister Matteo Salvini forderte von Rackete umgehend eine Entschuldigung: "Sie hat nicht nur die Gesetze gebrochen und ein Boot der Finanzpolizei gerammt: Am 29. Juni soll die "Sea-Watch 3" von Carola Rackete auch drei Migranten in Italien abgeladen haben, denen Gewalt, Vergewaltigung (...) und Mord vorgeworfen wird." Gegen Rackete wird in Italien seit der Einfahrt in den Hafen wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt.

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RND/dpa

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