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Politik im Rest der Welt Wahl in Görlitz: „Wenn die Leute hoffnungslos wären, wären sie nicht mehr wählen gegangen“
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12:43 15.06.2019
Julia Gabler ist Soziologin und arbeitet am IASS in Potsdam zum Strukturwandel in der Lausitz. Sie ist in Rostock geboren und lebt nach Stationen in Köln, Brüssel, Berlin, Leipzig und Jena seit 2015 mit ihrer Familie in Görlitz. Sie würde „nicht für Geld“ wieder in die Großstadt ziehen. Quelle: privat

Frau Gabler, die ganze Republik schaut auf Görlitz und fragt sich, wie die AfD in Ostdeutschland so erfolgreich werden konnte. Machen Ihnen diese Erfolge Angst?

Natürlich habe ich auch Befürchtungen, dass gesellschaftsfeindliche Positionen an Unterstützung und politischer Legitimation gewinnen. Aber vor allem zeigt sich jetzt ganz neu, wie lebendig die Demokratie in den ländlichen Regionen sein kann. Die Leute sind politisiert. Sie reden und streiten miteinander. Das gab es lange nicht – und darin lag der Kern des Pro­blems.

Wie meinen Sie das?

Hier fehlt die Repräsentationskraft gesellschaftlicher Institutionen. Das Einzige, was vom Staat zurückgeblieben ist, ist die Verwaltung. Alles, was das soziale Gefüge in den kleinen Orten zusammenhält, wurde ins Ehrenamt abgeschoben. Die großen Betriebe wurden abgewickelt, und die kleinteilige Wirtschaft wird nicht gesehen und nicht wertgeschätzt. Wir haben eine Geschichte von Ohnmacht und Entkopplung.

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Das klingt, als hätten Sie die Hoffnung für den Osten, für seine Zukunft, verloren.

Ganz im Gegenteil! Wenn die Leute hoffnungslos wären, wären sie nicht mehr wählen gegangen. Sie haben nicht mit dem ganzen System gebrochen, sondern nur mit einem bestimmten Politikstil. Und es gibt auch keine Sprachlosigkeit durch die Wahlergebnisse, im Gegenteil: Es gibt gerade ein großes Bedürfnis, miteinander zu sprechen. Wir können nicht mehr in unserem gewohnten Fahrwasser bleiben. Die Zeit der Bequemlichkeit ist vorbei.

Wurde also viel in den vergangenen Jahren versäumt?

Mit Sicherheit. Es wurde viel über die Veränderungen gesprochen und über die Defizite. Die Menschen, die hierblieben und den Status quo aufrechterhielten, kamen kaum vor. Vielleicht haben sie aber mehr geleistet als diejenigen, die anderswo neue Herausforderungen suchte Sie haben versucht, in diesen Regionen etwas aufzubauen und das Leben hier aufrechtzuerhalten. Das ist sehr viel wert.

Von Jan Sternberg

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