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Politik im Rest der Welt Zitteranfall von Merkel: Auch Politiker sind mal schwach – und das ist okay
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10:24 19.06.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei dessen Begrüßung in Berlin. Quelle: Sean Gallup/Getty Images
Berlin

Haben Sie am Dienstag auch die Bilder der zitternden Kanzlerin beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin gesehen? Mehr als eine Minute stand Angela Merkel neben ihm und verkrampfte; sie wackelte, biss die Zähne zusammen, wollte irgendwie wieder zu sich finden, den Schwächeanfall überwinden. Und natürlich liefen die Kameras. Ein Orchester spielte die Nationalhymne. Es gab keinen Ausweg.

Es war ein denkwürdiger Moment. Aber nicht, weil man sich Sorgen um die Robustheit der Kanzlerin machen müsste. Sondern weil es eine Chance ist, sich über den öffentlichen Umgang mit den Schwächen von Politikern Gedanken zu machen.

Wer die Bilder Merkels gesehen hat, der sah eine Kanzlerin, die mit all ihrer Kraft dagegen kämpfte, sich hinsetzen zu müssen, den offiziellen Empfang also abbrechen zu müssen. Es ist über die Jahre eine Eigenschaft Angela Merkels geworden, sich öffentlich keine Defizite anmerken lassen zu wollen.

Merkel ist geprägt davon, dass am Anfang Ihrer politischen Karriere vor allem Äußeres an Ihr bewertet wurde. Die eigenartige Frisur, der holprige Redestil. Sie hat im Laufe der Jahre versucht, sich unvorteilhafte Reaktionen abzutrainieren. Sie wollte um keinen Preis Eindrücke der Verletzlichkeit transportieren.

Im Jahr 2012 besuchte sie (wie zuletzt auch) die Bundeswehr in Munster. Vor ihr sollten Leopard-Panzer eine Präsentation ihrer Fähigkeiten abgeben. Merkel entschied sich, anders als andere Spitzenpolitiker, für einen kleinen, kaum sichtbaren Hörschutz. Sie wollte die Bilder verhindern, in denen sie mit großem Geschirr auf den Ohren das Geschehen um sich herum ausblendet.

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Als die Panzer um die Ecke gefahren kamen und einige Testschüsse abgaben, biss sich Merkel auf die Lippen, zuckte kaum sichtbar zusammen – während ihre Kollegen mit dem großen Hörschutz neben ihr vor Lärm in die Knie gingen. Der Biss auf die Lippen – am Dienstag war er wieder zu sehen.

Warum sind Politikern eigentlich keine Schwächen erlaubt? Warum müssen sie perfekt und makellos in der Öffentlichkeit sein? Warum dürfen Sie bei 30 Grad Mittagshitze nicht auch einmal unter Wassermangel leiden? Politiker sind gelegentlich schwach, manchmal sogar krank. Das ist okay so. Ein anderer Umgang damit – das betrifft selbstverständlich auch uns Medien – würde wieder ein wenig von der Menschlichkeit in die Politik bringen, die wir uns so sehr von unseren Mandatsträgern wünschen.

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Von Gordon Repinski/RND

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