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Politik im Rest der Welt Zweite TV-Debatte der Demokraten: Vor allem Joe Biden gerät unter Druck
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07:47 28.06.2019
Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu Beginn der zweiten TV-Debatte. Quelle: Wilfredo Lee/AP/dpa
Miami

Typische Spitzen gegen die Politik der Trump-Regierung, aber auch hitzige Wortgefechte über Hautfarbe und Identität: Bei der zweiten TV-Debatte der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten sind tiefe innerparteiliche Gräben zutage getreten.

Umfragespitzenreiter Joe Biden geriet in der Runde in Miami wegen jüngster Aussagen über seine frühere Zusammenarbeit mit rassistischen Parteikollegen unter Druck. Auch das Alter des 76-Jährigen war ein Thema. Der Gesprächston war gemeinhin schärfer als bei der ersten Debatte mit zehn Bewerbern um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten am Mittwoch.

Am Donnerstag stellten sich zehn weitere Aspiranten einer Diskussion zur besten Sendezeit. Unter ihnen waren vier der fünf Bewerber, die aktuell am besten in Umfragen abschneiden: Neben Biden sind das der Senator von Vermont Bernie Sanders, der Bürgermeister von South Bend Pete Buttigieg und die kalifornische Senatorin Kamala Harris. Die linke Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts hatte bereits an der Debatte am Vortag teilgenommen.

Ein sichtlich verärgerter Biden

Als Höhepunkt der zweiten Debatte galt ein heftiger Schlagabtausch zwischen Harris und Biden. Dieser bekam von der Senatorin harsche Kritik für eine Anekdote zu hören, die er kürzlich bei einer Spendengala in New York zum Besten gab: Er habe einst im Senat mit den als Verfechter der Trennung von Schwarzen und Weißen bekannten Parteikollegen James Eastland und Herman Talmadge zusammengearbeitet, auch wenn er deren Meinungen nicht geteilt habe, sagte Biden. Doch habe es im Gegensatz zum heutigen Politikbetrieb in Washington „zumindest etwas Anstand“ gegeben. „Wir haben die Dinge erledigt bekommen“, hatte er gesagt.

Harris erklärte, Bidens Worte über seine Zusammenarbeit mit den Senatoren seien „verletzend“ gewesen. Er habe Befürworter der Trennung von Schwarzen und Weißen „verteidigt“. Zudem warf sie ihm vor, sich einst gegen die staatlich vorgeschriebene Praxis des „busing“ gestellt zu haben: Diese sah vor, vor allem schwarze Kinder per Bus in Schulbezirke ohne Trennung nach Hautfarbe zu fahren, um deren Integration zu fördern.

Biden wirkte sichtlich verärgert. Harris verzerre seine politische Bilanz, entgegnete er. Er sei damals nicht gegen „busing“ gewesen – nur gegen die erzwungene Durchsetzung durch das Bildungsministerium. Er sei der Meinung gewesen, dass dies Sache der jeweiligen US-Staaten sein müsste. Harris gab zurück: „Es gibt Momente in der Geschichte, wenn Staaten darin versagen, die Bürgerrechte der Menschen zu unterstützen.“

Seitenhiebe auf Bidens Alter

Nach dem Schlagabtausch antwortete Biden nur noch kurz angebunden auf Fragen. Auffallend war zudem, dass der Karrierepolitiker kaum auf seine Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama einging.

Einer der weniger bekannten Bewerber, der kalifornische Abgeordnete Eric Swalwell, landete zudem einen Seitenhieb mit Verweis auf Bidens fortgeschrittenes Alter. „Joe Biden hatte Recht, als er vor 32 Jahren sagte, dass es an der Zeit ist, die Fackel an eine neue Generation von Amerikanern zu übergeben“, erklärte Swalwell lakonisch.

Biden antwortete: „Ich halte noch an dieser Fackel fest.“

Von RND/AP