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Seite Drei „Beim Bosnien-Krieg konnten 300 000 kommen“
Nachrichten Seite Drei „Beim Bosnien-Krieg konnten 300 000 kommen“
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23:21 11.09.2013
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (v. l.), Niedersachsens Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich begrüßen Flüchtlinge auf dem Flughafen von Hannover. Quelle: Fotos: dpa
Hannover

Auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen ist gestern das erste Charter-Flugzeug mit syrischen Flüchtlingen gelandet. Die 107 Männer, Frauen und Kinder gehören zu einem Sonderkontingent von 5000 Syrern, die zunächst für zwei Jahre in Deutschland bleiben dürfen. Sie wurden von Bundesinnenminister HansPeter Friedrich (CSU) auf dem Rollfeld begrüßt. Die Flüchtlinge, die aus Lagern im Libanon kommen, werden in den nächsten zwei Wochen in Friedland bei Göttingen untergebracht und danach auf die Bundesländer verteilt. Schleswig-Holstein wird laut Kontingent 165 Menschen aufnehmen. Innenminister Andreas Breitner (SPD) hat sich aber schon für die Aufnahme von mehr Füchtlingen ausgesprochen. Bis zu 20 000 Syrer sind bereits auf anderen Wegen nach Deutschland gekommen.

Bundesinnenminister Friedrich sagte, Deutschland setze mit der Aufnahme der Syrer ein klares Zeichen an die europäischen Nachbarn, weitere Flüchtlinge ins Land zu lassen. Schon jetzt nehme die Bundesrepublik monatlich zusätzlich rund 1000 syrische Asylsuchende auf. Bis Ende des Jahres würden es etwa 27 000 Frauen, Männer und Kinder sein.

Die Aufnahme von deutlich mehr Syrern in der Bundesrepublik verlangten gestern Oppositionspolitiker und Menschenrechtler. Grünen- Spitzenkandidat Jürgen Trittin sagte, als erstes sollte Deutschland allen hier lebenden Syrern erlauben, ihre Verwandten nach Deutschland zu holen. Damit könnten schon einmal 50 000 kommen. Die Linke sprach sich für eine Öffnung aller EU-Grenzen für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge aus.

Auch die evangelische Kirche dringt auf höhere Aufnahmezahlen. Die Ankunft der ersten Gruppe in Hannover sei zu begrüßen, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. Die Bundesrepublik müsse sich aber auf die Aufnahme weiterer Flüchtlinge vorbereiten.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl bezeichnete den Schutz für 5000 Syrer als „Tropfen auf den heißen Stein“. „Deutschland ist zur Aufnahme von weit mehr Syrien-Flüchtlingen fähig“, betonte Geschäftsführer Günter Burkhardt. „Beim Bosnien-Krieg konnten 300 000 Menschen hierher kommen.“

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach wies indes Vorwürfe zurück, Deutschland tue zu wenig für die Menschen aus Syrien. Die Bundesrepublik biete nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch im Verhältnis zu seiner Bevölkerung etwa doppelt so vielen Syrern Schutz wie der Durchschnitt der EU-Länder.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), appellierte an die Innenminister der Länder, die Asylverfahren für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge zu vereinfachen: „Die Menschen, die hier bereits im Asylverfahren sind, müssen schnell wieder ihre Berufe ausüben können.“

LN