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21:29 28.04.2019
Das Impressum der Internetseite von Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Quelle: dpa
Lübeck

An Universität und Fachhochschule in Lübeck ist man geteilter Meinung.

Damian Zawatzki (23)

Damian Zawatzki (23), 1. Semester Medizinische Ingenieurwissenschaft, Uni: „Sie hat abgeschrieben und das ist jetzt aufgeflogen. Dass sie zurücktritt ist selbstverständlich. Blöd, wenn einem so was als Minister passiert. Aber da müssen für alle die gleichen Maßstäbe gelten. Und gerade die Bildungsministerin darf keinesfalls bleiben, wenn ihr bei einer wissenschaftlichen Arbeit Betrug nachgewiesen wird. Schön, dass sie die Uni gerettet hat – aber das spielt in diesem Fall dann keine Rolle mehr.“  

Dr. Hellwig Bürgel (51)

 

Dr. Hellwig Bürgel (51), Dozent für Physiologie, Uni: „Wir sind Frau Schavan natürlich dankbar, sie hat dafür gesorgt, dass die Uni in Lübeck bleibt. Andererseits ist es ein grobes wissenschaftliches Fehlverhalten, Zitate nicht kenntlich zu machen. So etwas ist kein Kavaliersdelikt. Das geht nicht. Das kann und darf nicht passieren. Sicher, es war auch ein Versäumnis ihrer Uni, dass das nicht schon damals auffiel, als sie die Arbeit abgegeben hat und dass man das durchgehen lassen hat.“

Hannah Post (24)

Hannah Post (24), 7. Semester Medizin, Uni: „Man muss Zitate richtig kennzeichnen, klar. Wenn Frau Schavan das nicht gemacht hat, hat sie etwas falsch gemacht. Aber das machen bestimmt 80 Prozent der Doktoranden. Wenn sie, sagen wir, 60 Prozent abgeschrieben hat, ist die Aberkennung des Titels gerechtfertigt. Wenn es nur 20 Zeilen sind dann nicht. Zurücktreten sollte Frau Schavan auf keinen Fall. Sie arbeitet ja nicht als Wissenschaftlerin, sondern ist Politikerin, und zwar eine gute.“      

Guido Kwast (48)

Guido Kwast (48), Instructional Designer, FH: „Ich will ihre Verdienste nicht in Frage stellen. Aber es geht hier doch nur darum, ob eine Leistung gebracht wurde oder nicht. Wenn der akademische Ausschuss zu dem Ergebnis kommt, es ist ein Plagiat, 

dann ist es so. Egal, ob es sich um eine Ministerin handelt oder einen Angestellten. Wozu braucht ein Politiker überhaupt den Doktor? Wissen Sie, der Doktor sollte kein Namensbestandteil mehr sein. Das würde Begehrlichkeiten bei Politikern verhindern.“    

David Dahnke (

David Dahnke (23)

23), 1. Semester Medieninformatik, FH: „Was für ein Quatsch. Hier geht es doch um Flüchtigkeitsfehler. Das wird nur aufgebauscht. Was soll das, nach so vielen Jahren? Werden bald auch die Abiturprüfungen in Frage gestellt? Nein: Die Frau hat viel geleistet in der Politik und sich einen Namen gemacht. Jetzt kommen andere und wollen sie aus dem Verkehr ziehen. So eine Aktion ist das. Selbst wenn man ihr den Doktortitel aberkennt: Sie sollte keinesfalls zurücktreten.“  

Bianca Tobis (39)

Bianca Tobis (39), Kantinenmitarbeiterin, Uni-Mensa: „Es ist ein Unding. Frau Schavan ist sicher nicht die Einzige, die betrogen hat. Die Dunkelziffer ist bestimmt sehr hoch. Und mehr als ein ,Du, du!’ gibt es meist nicht. Der Rücktritt wäre die gerechte Strafe. Was sie gemacht hat, ist ein Vertrauensbruch. Das kann sich kein Politiker leisten. Und die Uni, gut: die hat sie doch nicht alleine gerettet. Da waren andere beteiligt. Mit dem Doktortitel hat das gar nichts zu tun.“ 

Louisa Bolm (19)

Louisa Bolm (19), 3. Semester Medizin, Uni: „Hat sie die Quellen wirklich absichtlich unterschlagen? Eine ambivalente Angelegenheit. Klar: Wir haben den Fortbestand unserer Uni auch ihr zu verdanken. Eine Leistung, die nicht jeder gebracht hätte. Wenn ihre Promotion weg ist, schmälert das ihre Leistung als Politikerin nicht. Schwer zu sagen, ob sie nach all dem als Ministerin zurücktreten sollte. Ich denke: Der Job ist weg. Aber für uns bleibt sie die Retterin der Uni.“ 

Elena Vasyuchenko (23)

Elena Vasyuchenko (23), 7. Semester Informatik, Uni: „Es ist doch die Frage: Was hat sie wissenschaftlich nach ihrer Promotion geleistet? Ich sehe das bei Kommilitonen, dass sie mogeln. Vielleicht haben sie dann ein gutes Zeugnis, aber im Beruf versagen sie, weil sie keine Ahnung haben. Trotzdem werden sie ehrlichen Studenten mit schlechteren Noten vielleicht vorgezogen. Solche Leute sind schuld, wenn man sich später bei der Einstellung erniedrigende Nachprüfungen gefallen lassen muss.“       

Fotos: Lutz Roessler, Text: Marcus Stöcklin