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18:24 21.03.2015
Lübeck

Die Lübecker Bucht, so heißt es oft, sei die „Badewanne der Hamburger“. Für Frank Schärffe, Geschäftsführer der Travemünder Woche, zählt aber noch etwas anderes: „Wir sind das Segelrevier der Hamburger.“ Hauptveranstalter der Travemünder Woche ist der Lübecker Yachtclub (LYC). Als Mitveranstalter firmieren neben der Hansestadt Lübeck zwei Hamburger Segelvereine. Schärffe schätzt, dass von den Segelyachten, die in Travemünde liegen, etwa ein Drittel Leuten aus Hamburg und dem unmittelbaren Umland gehört. „Alternative ist nur die Nordsee, wo das Segeln sehr viel schwieriger ist.“

Das Trinkwasser vereint Hamburg und Lübeck. Vor einigen Jahren wurde klar, dass das Wasserwerk Kleinensee in Lübeck-Kücknitz nicht mehr genug hergab. Stadtwerke-Sprecher Lars Hertrampf: „Wir standen vor der Wahl: Entweder wir erschließen für mehrere Millionen Euro einen neuen Grundwasserleiter in Geschendorf, oder wir nehmen mit Hamburg Kontakt auf.“ So entstand eine ungewöhnliche, länderübergreifende Kooperation: Im Januar 2009 ging eine Pipeline in Betrieb, durch die jährlich vier Millionen Kubikmeter aus dem Hamburger Wasserwerk Großhansdorf (Kreis Stormarn) nach Lübeck fließen — etwa ein Drittel des Lübecker Bedarfs. Und es mischt sich gut mit dem Lübecker Wasser. „Es ist im Prinzip das gleiche Wasser“, sagt Hertrampf. „Das ist der gleiche Grundwasserleiter.“

Der Bevölkerungsaustausch zwischen Hamburg und Lübeck erbrachte 2014 zum ersten Mal seit mindestens 29 Jahren ein Plus für Lübeck: 880 Hamburger zogen nach Lübeck, 854 Lübecker nach Hamburg.

Hamburger, die in Lübeck Häuser und Wohnungen kaufen, um selber darin zu wohnen, seien zwar die Ausnahme, sagt Dietrich Marks, Vorsitzender der Lübecker Maklerbörse. Aber ein gesteigertes Interesse an Lübecker Immobilien stellt er dennoch fest: „Speziell bei der Kapitalanlage ist festzustellen, dass der eine oder andere Hamburger Investor Lübeck mit im Blick hat.“ Da würden Preise gezahlt, die seien „auch für uns Makler erstaunlich“.

Die Lübecker Hafengesellschaft (LHG) erschien Hamburg im Jahr 2007 als höchst attraktive Investition. Die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) scheiterte aber mit ihrer Bewerbung um LHG-Anteile. Den Zuschlag erhielt die Deutsche-Bank-Tochter Rreef. Zwei Jahre und eine Krise später legte die HHLA den Rückwärtsgang ein: Im August 2009 legte sie den Container-Terminal Lübeck (CTL) still, den sie Anfang 2003 mit den rosigsten Vorhersagen eröffnet hatte. 850000 Container im Jahr hätten dort umgeschlagen werden können; es gab eine direkte Schienenanbindung an Hamburg-Altenwerder. Zuletzt waren es aber nur 8000 Container in fünf Monaten.

Lübecker Hafenarbeiter, denen die Arbeitslosigkeit droht, bekommen in Hamburg eine Chance. Etwa 70 Beschäftigte sind nach Einschätzung von Gerhard Mette, Fachbereichsleiter Verkehr der Gewerkschaft Verdi, vom Rückzug des finnischen Papierherstellers UPM vom Lübecker Hafen betroffen. Ein Teil von ihnen soll in Hamburg untergebracht werden. Dort werden Arbeitskräfte gebraucht. Es habe dazu auf mehreren Ebenen Gespräche zwischen LHG und Hamburger Gesamthafenbetriebs- Gesellschaft gegeben — mit dem Ergebnis, dass die Bewerbungen Lübecker Arbeiter in Hamburg „wohlwollend geprüft“ würden.

Hier leben, dort arbeiten: Etwas über 4400 Lübecker arbeiten in Hamburg (und knapp 2000 Hamburger in Lübeck). Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Lübeck ist mit täglich 12300 Passagieren allein zwischen Lübeck und Bad Oldesloe die meistgenutzte in Schleswig-Holstein außerhalb des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV). Was nicht vorankommt, ist die Ausweitung des HVV. Die Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Segeberg gehören dazu — aber an der Lübecker Stadtgrenze ist Schluss. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) brachte die Ausweitung im LN-Interview im vergangenen Juli wieder einmal ins Gespräch — nach Auskunft des HVV ist sie aber zurzeit kein Thema.

Die HSV-Fußballfans zählen an Heimspiel-Wochenenden zu den regelmäßigen Nutzern der Bahnstrecke Lübeck-Hamburg. Und wer bei HSV-Spielen ganz genau hinsieht, der wird im Fanblock eine Gruppe von Männern sehen, auf deren T-Shirts und Jacken das Holstentor prangt. Michael Martens (45), Mitgründer des HSV Fanclubs Holstentor (einer von mindestens sechs in Lübeck), macht sich keine Illusionen: Neuzugänge sind bei der derzeitigen Lage des HSV eher nicht zu erwarten. Aber er bleibt dabei. „Mein Vater ist immer gefahren, und meine Söhne jetzt auch.“

Hamburg

1,75 Millionen Menschen leben in Hamburg — Tendenz steigend.
Wirtschaft: Hamburg hat den mit Abstand größten deutschen Seehafen und ist ein Zentrum für Industrie, Handel und Dienstleistungen. Bei der Kaufkraft liegt es ebenso an erster Stelle der deutschen Länder wie beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.
Politik: Nach der Wahl zur Bürgerschaft (die einem Landtag entspricht) am 15. Februar verhandeln SPD und Grüne zurzeit über eine rot-grüne Koalition unter dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).
Lübeck

216 000 Einwohner hatte Lübeck Ende 2014 — fast 2000 mehr als ein Jahr zuvor.
Wirtschaft: Lübeck ist der größte deutsche Ostseehafen. Die Lübecker Hafengesellschaft (LHG) ist jüngst in die roten Zahlen gerutscht. Schwerpunkte der Industrie sind Medizintechnik und Lebensmittelverarbeitung.
Politik: In der Bürgerschaft (entspricht einer Stadtvertretung) gibt es zurzeit keine feste Mehrheit. Direkt gewählter Bürgermeister ist seit 2000 Bernd Saxe (SPD).

Hanno Kabel

Seite Drei Kopenhagen/Ostholstein Dänische Ziele und Visionen

Beltquerung: Während auf deutscher Seite der bürokratische Apparat auf Hochtouren läuft und die Finanzierung noch nicht bewilligt ist, sind die Dänen am anderen Ende des Belts in Vorkasse getreten und fast startklar. Autobahnen und Schienennetz werden ausgebaut.

29.11.2014

Immer wieder wird die Belastbarkeit des Bauwerks in Frage gestellt. Erst gestern war genau das auf der Insel wieder Thema.

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In Ostholsteins Norden ist man nach dem Raumordnungsbeschluss gespalten. Großenbrode und Lensahn könnten die großen Gewinner sein. Anders ist die Lage in Sierksdorf und vor allem Göhl.

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