Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Seite Drei Endlich: Käffchen, Burger, Sprit...
Nachrichten Seite Drei Endlich: Käffchen, Burger, Sprit...
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 12.12.2013
Die Tank- und Rastanlage „Schönberger Land“ zwischen Lübeck und Wismar hat seit gestern geöffnet. Quelle: Fotos: Frank Söllner
Anzeige
Schönberg

Sie dachten, es würde wieder so eine lange Fahrt werden, im Nebel die Autobahn 20 entlang. Und vor Wismar keine Raststätte. Wie immer. Karl-Heinz und Renate Lück (64 und 62) waren zu Besuch bei den Kindern in Kiel gewesen und nun auf dem Rückweg nach Pasewalk. „Da hörten wir es im Radio“, strahlt der Rentner. Die neue Tank- und Rastanlage „Schönberger Land“ sei eröffnet, gleich hinter Lübeck. „Wir dachten: Die probieren wir jetzt aus.“

Sie sind die Ersten. Just, als Raststättenpächter Heiko Schulz, Sönke Kleymann von Shell und Franchisenehmer Joachim Fietz von McDonalds gemeinsam um 14 Uhr das weiß-rote Band durchschneiden, fährt das Ehepaar vor. Karl-Heinz Lück steigt aus dem hellblauen VW Golf und tankt 31 Liter Super. Dafür gibt es prompt einen Blumenstrauß. „Das ist ja nett“, freut sich Renate Lück.

Anzeige

Drinnen, bei McDonalds, stehen schon die ersten Kunden Schlange. Pendlerin Jeanette Jankowski (35) aus Wotenitz sitzt vor ihrem Menü und lässt es sich schmecken. „Ich arbeite in Lübeck, war auf dem Heimweg nach Wotenitz bei Grevesmühlen und habe mir überlegt, dass ich hier doch gleich einen Happen essen könnte.“ Den vor einem halben Jahr begonnenen Bau des Rasthofs mit zehn Zapfsäulen verfolgte sie von Anfang an gespannt. „Ist doch super, dass auf der Strecke hier jetzt endlich was ist.“

Marianne Bentin (70, CDU), Bürgermeisterin des 325-Einwohner-Ortes Niendorf, gleich neben der Autobahn, findet das auch. „Für die Region ist das prima.“ Seit dem Sommer kam sie einmal im Monat und brachte den Bauarbeitern Kaffee und Kuchen. „Die haben sich jedesmal total gefreut.“

Allerdings fehlt ihr eine eigene Zufahrt zur Rastanlage vom Ort aus. Aber auch so werde so mancher den neuen Burger-Imbiss gerne nutzen. Auch ihr Mann Hans-Jürgen, der ein großer Fan von McCafé sei.

„Dann müssen wir eben jedes Mal auf die Autobahn, wenn wir da hinwollen.“

Sie freut sich zudem über die 21 Arbeitsplätze, die Betreiber Schulz im Tankstellen- und Shopbereich geschaffen hat und über weitere 18 im Schnellrestaurant. „Auch wenn keiner aus Niendorf dabei ist.“

Aber alle Angestellten sind aus der Region, versichert Schulz. Astrid Gramschow (52) etwa steht an der Kasse, verkauft Benzin, Haribo, Chips und Kaffee. Außerdem gibt es Hotdogs (2,80 Euro), Frikadellen (2,40 Euro), Pizzazungen (3 Euro), Bratkartoffeln und belegte Brötchen (ab 2,50 Euro).

Im Bistro bedient Henriette Herz (24), die ebenfalls aus Wismar kommt. Vorher war sie Reinigungskraft. „Das ist hier ein super Team“, freut sie sich. Filial-Inhaber Kleymann hat Erfahrung, ihm gehören schon die McDonalds-Filialen in Wismar, Schwerin und Parchim. Noch stehe nicht alles auf der Karte, räumt er ein, als ein Kunde den Hamburger Royal TS vermisst. „Wir sind noch in der Startphase. Aber wir werden das Angebot den Wünschen der Kunden entsprechend nach und nach ausbauen.“

Götz Sch. (43), von Beruf Architekt, war eben mit Tochter Nele (acht Monate) im Wickelraum. „Das ist natürlich praktisch.“ Wenn auch der Wickeltisch „definitiv zu klein“ sei. Dafür projiziere eine Art Disko-Kugel Bilder an die Wand. „Davon war die Kleine ganz fasziniert und hat sich entsprechend ruhig verhalten.“

Ulrik Sandholm (48) und seine Frau Connie (46) aus Dänemark wollen nach Polen, um Wildschweine zu jagen. Auf ihrer Karte sei der neue Rastplatz nicht verzeichnet, umso besser, dass er trotzdem da war. Sie haben getankt, essen eine Kleinigkeit. Connie haben besonders die sauberen, mit Fototapeten geschmückten Toiletten gefallen.

Einmal reingehen kostet 70 Cent, dafür gibt‘s einen 50-Cent-Gutschein für den Shop. „So, wie man das ja inzwischen von überall her kennt“, meint Shell-Sprecherin Cornelia Wolber.

Shell habe sich im vorigen Jahr, gleich nach der Ausschreibung, um den Bau des Rasthofs beworben, sagt Kleymann, der District-Manager des Ölkonzerns für Norddeutschland ist. Das Fahrzeug- und Kundenaufkommen sei ausreichend. „Wir hätten uns auch schon früher um diese Raststätte beworben, aber sie war vorher nicht ausgeschrieben.“ Warum sei auch ihm schleierhaft. Über Zahlen, etwa das Investitionsvolumen, mag er nicht reden.

Dafür hebt er die maritime Gestaltung der Anlage hervor. Er zeigt das Tankstellendach in Wellenform, das Kletter-Schiff auf dem Spielplatz. „Und gucken Sie mal: Wir haben unsere eigene Energieversorgung. Ein Blockheizkraftwerk und auf dem Dach eine Photovoltaikanlage. In der Lobby können sie ablesen, wie viel Energie aktuell produziert wird.“ Alles läuft. Ab jetzt täglich 24 Stunden.

Zu wenig Verkehr
30 984 Fahrzeuge am Tag werden im Schnitt auf der A 20 zwischen der Anschlussstelle Groß Sarau und der Landesgrenze gezählt. Das aktuelle Verkehrsaufkommen liegt dabei aber deutlich unter den 1992 für die A 20 prognostizierten Verkehrszahlen. So sollten zwischen Lübeck und Wismar nach ursprünglicher Planung 40 000 Pkw und Lkw pro Tag unterwegs sein. Nach Einschätzung des Verkehrsministeriums Schleswig-Holstein dürfte sich das Verkehrsaufkommen mit dem Anschluss an die A 21 aber weiter erhöhen.

Marcus Stöcklin