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Seite Drei „Gegen Satan und die Demokratie“
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20:10 28.04.2015
2013: Wladimir Putin verleiht Alexander Saldostanow einen Orden. Quelle: Imago
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Lübeck

Lübeck — Er nennt sich „Chirurg“, weil er früher als Chirurg gearbeitet hat. In Moskau war das, in einer Unfallklinik und wohl auch in einem anderen Leben. Heute ist Alexander Saldostanow (53) Chef der „Nachtwölfe“, eines russischen Rockerklubs mit einer bemerkenswerten Nähe zur Macht im Kreml, zu Präsident Wladimir Putin.

Etwa 5000 Mitglieder stark sollen die „Nachtwölfe“ sein, und an ihrer Spitze steht ein Mann, der sich in einem schwer zu fassenden Bereich aus Nationalismus, Mystik, Religion, Heldentum und schwarzem Leder bewegt. Seine Leitlinien reichen weit in die russische Geschichte zurück, aber er findet in ihnen Orientierung für die Zukunft und ist damit für Teile der russischen Bevölkerung zu einer zentralen Figur geworden, zu so etwas wie einem Popstar.

Geboren wurde Alexander Saldostanow in der Ukraine. Dorther stammt auch sein Vater, seine Mutter ist Russin. Aufgewachsen ist er in Sewastopol auf der Halbinsel Krim. Er ist Mediziner von Hause aus, hat aber mit Anfang 20 eine Zeit in West-Berlin gelebt und dort als Türsteher gearbeitet. „Sexton“ hieß der 1985 eröffnete Klub in der Winterfeldtstraße, in dem sich Punks wie die Dead Kennedys und Metalbands wie Metallica nach ihren Konzerten sehen ließen. Saldostanow muss sich dort sehr wohl gefühlt haben und war auch in der Stadt, als die Mauer fiel. Berlin, sagte er jüngst in einem Interview mit der „taz“, sei neben Moskau und Sewastopol der Ort, an dem er gerne leben würde. Außerdem hat er das „Sexton“ in Moskau fast eins zu eins nachbauen lassen und dort Ende der Achtzigerjahre den Motorradklub gegründet. Der hieß damals noch „Night Wolves“, heute hat er längst die russische Bezeichnung „Nocnie Volki“.

Überhaupt ist die Begeisterung des „Chirurgen“ für den Westen weitgehend erkaltet. Er hasse Amerika nicht, sagte er der „taz“, aber er verachte dessen Politiker. Er habe immer für die Freiheit gekämpft, der Teufel führe den Freiheitssuchenden jedoch manchmal auf Abwege. Er verteidige sich daher heute „gegen den Satan, die Weltregierung und das demokratische System“.

Ist der Untergang der Sowjetunion für Putin die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts, so sieht Saldostanow darin einen „Rechtsbruch“, und mitverantwortlich sei der „aufgezwungene Atheismus“. Neben den großen militärischen Siegen sei der orthodoxe Glaube daher eine Säule, an der sich die einstige Großmacht aufrichten müsse. Und an Stalin, für den die Väter im Zweiten Weltkrieg in den Tod gegangen seien „wie für Jesus Christus“, und der eine Ikone sei, ein strahlender Führer. Er sieht im Verhältnis zu dem Diktator einen „übermenschlichen Mystizismus“ am Werk und sagt:

„Alles, was wir besitzen, verdanken wir ihm.“

Putin und Saldostanow kennen sich seit mehreren Jahren. 2011 fuhr der Kremlherrscher mit den „Nachtwölfen“ auf Motorrädern und mit russischen Fahnen durch die russische Hafenstadt Noworossijsk, 2013 verlieh er dem Rockerboss einen Orden für Verdienste um die „patriotische Erziehung der russischen Jugend“. „Ich verehre ihn“, sagt Saldostanow. Er habe zwar keine Standleitung zu Putin, aber „manchmal will er uns sehen“. Und dann kann Wichtiges besprochen werden. Im Januar jedenfalls hat er die Bewegung „Anti Maidan“ mitgegründet und 40000 Menschen in Moskau für den Anschluss der Ukraine an Russland demonstrieren lassen.

Und auch sonst zeigen die „Nachtwölfe“ Flagge. Sie postierten sich vor orthodoxen Kirchen, nachdem die zornigen Frauen von „Pussy Riot“ die Moskauer Erlöserkirche heimgesucht hatten. Sie standen vor wichtigen Gebäuden auf der Krim, als über die Zukunft der Halbinsel abgestimmt wurde. Sie fuhren durch die Kriegsgebiete in der Ostukraine, um klarzumachen, dass die zu Russland gehören. Einige sollen sogar mitgekämpft haben. Und wie eine Lösung in diesem Konflikt aussehen könnte, hat Saldostanow auch schon angedeutet. Manchmal helfe keine Medizin, sagte der einstige Chirurg der „Berliner Zeitung“. „Dann muss man die Wunde aus dem Fleisch schneiden.“ int

LN

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