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Seite Drei Gorleben-Kompromiss: Mehr Atommüll nach Brunsbüttel?
Nachrichten Seite Drei Gorleben-Kompromiss: Mehr Atommüll nach Brunsbüttel?
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20:17 25.03.2013
Castor-Behälter werden in Dannenberg (Kreis Lüchow-Dannenberg) von einem Verladekran vom Zug auf Tieflader umgeladen. Quelle: dpa
Berlin/Kiel

Die Castor-Transporte nach Gorleben sind gestoppt. Dafür könnten die Riesen-Container mit radioaktivem Müll schon bald nach Schleswig-Holstein rollen – zur jahrzehntelangen Zwischenlagerung ins Atomkraftwerk Brunsbüttel, vielleicht auch ins AKW Krümmel bei Geesthacht.

Das Gorleben-Moratorium haben der Bund und die rotgrüne Regierung in Hannover beschlossen, dafür startet jetzt die bundesweite Suche nach einem geeigneten Endlager-Standort. Aus der englischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield müssen aber noch 21 Castoren mit Abfall aus deutschen Kernkraftwerken zurückgenommen werden.

„Dabei muss es einen fairen Lastenausgleich geben“, betont Kiels grüner Umweltminister Robert Habeck, „und das kann bedeuten, dass auch Schleswig-Holstein einen Teil der Last trägt“. Kapazitäten wären an den AKW im Land vorhanden, die Lagerung des Mülls dort bis 2046 erlaubt. Eine Notlösung – nur zu akzeptieren, wenn im Gegenzug endlich eine wirklich bundesweite Endlagersuche beginne. 2046 müsse aber spätestens Schluss sein. Eine Lieferung von Castoren nach Brunsbüttel, das von Sellafield aus direkt mit dem Schiff zu erreichen ist, hatte letztes Jahr schon Schwarz-Gelb in Hannover ins Gespräch gebracht. Damals wies Habeck das zurück.

Die Landtags-SPD unterstützt den Grünen-Minister jetzt. Wer es ernst meine mit dem Konsens für die Endlagersuche, könne nun mal nicht nach dem St.-Florians-Prinzip handeln, sagt deren Energieexperte Olaf Schulze. An der Basis kommt das aber gar nicht gut an. „Das kann ich überhaupt nicht gutheißen“, sagt Geesthachts SPD- Fraktionschef Samuel Bauer. Mehr Atommüll brauche man nicht, „das soll der Robert Habeck dann mal hier vor Ort erklären“. „Die Politik wird sich nie auf ein Endlager einigen, stattdessen werden wir an den Kraftwerks-Standorten zum Abfalleimer der Nation“, sagt sein CDU- Kollege Karsten Steffen. Ja, der Müll müsse nach Deutschland zurück, betont die Anti-AKW-Aktivistin Bettina Boll, aber dann müsse er auch „demokratisch verteilt“ und nicht immer nur nach Norddeutschland gebracht werden.

Hier sei man genug belastet, beim Rückbau der Kraftwerke würde weiterer Atommüll anfallen. Christopher Vogt (FDP) wirft Habeck vor, der Zwischenlagerung jetzt nur zuzustimmen, weil Niedersachsen mittlerweile eine rot-grüne Landesregierung habe. „Im Vergleich zu Habeck leidet ein Wendehals an Nackenstarre“, schimpft Jens-Christian Magnussen (CDU).

Im Berliner Büro der Lübecker Nachrichten trafen sich Habeck und CDU-Bundesumweltminister Peter Altmaier derweil zum großen Energie-Streitgespräch.
Wolfram Hammer

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