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Seite Drei Mit Albig bleibt der SPD nur die Opposition
Nachrichten Seite Drei Mit Albig bleibt der SPD nur die Opposition
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22:12 08.05.2017
Von Gerald Goetsch

Hochmut kommt vor dem Fall: Was hatten sie sich in der SPD-Spitze lustig gemacht über den jungen Mann aus Eckernförde. Noch vor vier Wochen, als der Herausforderer der CDU seine Regierungsmannschaft vorstellte. „Wo viel Schatten ist, da ist kein Licht“, lästerte Ralf Stegner.

Schleswig-Holstein hat am Sonntag für einen Politikwechsel gestimmt. Deshalb ist das Jamaika-Bündnis

die naheliegende Variante.

Ein Selbstgänger ist es mitnichten.

Das war vor der Wahl. Das Lachen ist den Kieler Genossen gründlich vergangen. Seit Sonntag, 18 Uhr, gehört der Platz an der Sonne dem Wahlsieger Daniel Günther. Er steht im Blitzlichtgewitter der Fotografen, Ralf Stegner und Torsten Albig in der Kritik. Selten hat man den SPD-Landeschef so angefressen gesehen. Der Ministerpräsident steht vor dem vorläufigen Ende seiner politischen Karriere.

Die letzte theoretische Machtoption der SPD ist die rot-grün-gelbe Ampel, sie ist nur ohne Albig denkbar. Was für ein Absturz!

Leise Kritik am selbstgefälligen Wahlkampf des Kieler Regierungschefs hatte es schon vor dem Urnengang gegeben. Laut wurde sie erst nach Auszählung der Stimmen. Mittlerweile hält man sich nicht einmal mehr in der eigenen Partei zurück. Das Interview in der „Bunten“, was für eine Dummheit! Gespenstisch, die gestrige Inszenierung im Berliner Willy-Brandt-Haus. Martin Schulz überreicht einen Blumenstrauß, es wird etwas von Solidarität gesprochen, ein paar dürre Worte, keine Fragen – ein eiskalter Abgang.

Wie es in der Kieler Staatskanzlei weitergeht, entscheiden nun andere. Allen voran Daniel Günther. Er hat einen statisch wirkenden Amtsinhaber im Schlussspurt förmlich stehen lassen. Der Wahlsieger mit dem jugendlichen Charme hat volle Handlungsfreiheit. Die Partei liegt ihm zu Füßen. Sie wird Günther auch in dessen Wunschkoalition folgen, und die ist jetzt schwarz-gelb-grün. Inhaltlich ist sie für die Grünen schwer verdaulich. Der Preis im Koalitionspapier wird hoch sein. Denkbar ist sie überhaupt nur, weil die Chemie zwischen Habeck, Kubicki und Günther intakt ist. Weil Daniel Günther zur Mitte der CDU gehört und es vermieden hat, mit erzkonservativen Positionen identifiziert zu werden. Jamaika würde durchaus zu seinen Vorstellungen einer modernen CDU passen.

Schleswig-Holstein hat am Sonntag für einen Politikwechsel gestimmt. Deshalb ist das Jamaika-Bündnis die naheliegende Variante. Ein Selbstgänger ist es mitnichten. Insbesondere bei der Asylpolitik sind hohe Hürden abzuräumen. Grüne und Liberale gehen nach ihren guten Ergebnissen mit viel Selbstvertrauen in die Verhandlungen. Es könnte ein langes Ringen um die Macht in Kiel werden.

Ob es jenseits von Jamaika noch realistische Optionen gibt, hängt auch davon ab, wie schnell sich die Sozialdemokraten aus der Schockstarre lösen. Will die Partei ernsthaft in Verhandlungen über eine Große Koalition oder eine Ampel einsteigen, muss sie zunächst Personalfragen in eigener Sache beantworten.

Gut möglich, dass Schleswig-Holsteins SPD diese Entscheidung auf die Zeit nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen vertagt. Diesen einen Gefallen können die Kieler den Berliner Genossen noch tun.

LN

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