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Seite Drei Umfragen, Wahrheit und Rechtspopulisten
Nachrichten Seite Drei Umfragen, Wahrheit und Rechtspopulisten
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20:18 25.02.2017
Von Michael Wittler

Laut dem Politologen Jan-Werner Müller ist eine Aussage dann populistisch, wenn sie für sich eine Wahrheit beansprucht, die weder demokratisch noch wissenschaftlich begründet ist, sondern die sich aus einem Volkswillen ableitet, der weder überprüft noch bewiesen werden kann. In einer Zeit, der man den Begriff „postfaktisch“ verpasst hat und in der es „alternative Fakten“ gibt, muss man sich folglich nicht wundern, dass diejenigen punkten, die kein Problem damit haben, ihre Pläne aus gefühlten Wahrheiten abzuleiten und aus dem Bauch heraus zu begründen, heute so und morgen anders. Wer das Land als Hort von Kriminalität und Gewalt sehen will wie die AfD, wird sich durch fundierte Gegenbeweise nicht beirren lassen, im Zweifel sind alle Einwände eben „Lüge“. „Mundus vult decipi“, die Welt will betrogen werden, lautet ein lateinisches Sprichwort, „ergo decipiatur“, also wird sie betrogen.

„Wer das Land als Hort von

Kriminalität und Gewalt sehen will

wie die AfD, wird sich

durch fundierte Gegenbeweise

nicht beirren lassen.

Vom trügenden „völkischen“ Narrativ leben die sogenannten Rechtspopulisten, heute wie damals. Sie fantasieren dabei eine glorreiche Vergangenheit herbei, die es so nicht gab, in der es aber dem „populus“, dem Volk, so viel besser gegangen sei. Wenn man aber die für die Beseitigung der von vielen erlebten Benachteiligung weder die herrschende Wirtschaftsordnung noch die Besitzverhältnisse ändern will – und das hat man von der AfD bislang nicht gehört –, muss es andere Schuldige geben, zum Beispiel „Wucherungen am deutschen Volkskörper“, wie es AfD-Mann André Poggenburg zu formulieren beliebte.

Die AfD-Elite war begeistert, als mit Donald Trump ihr Bruder im Geiste ins Weiße Haus einzog – und dort in nur vier Wochen das größtmögliche Chaos anrichtete. Der die Presse „Volksfeinde“

nennt, was den „Volksverräter“-Brüllern in Deutschland gefallen dürfte. Der auch den „anständigen AfD-Sympathisanten“, auf die AfD-Mitgründer Hans-Olaf Henkel immer noch und hoffentlich zu Recht hofft, vor Augen führt, was uns blüht, wenn diese Neu-Völkischen das Sagen hätten. Vielleicht kommt Martin Schulz als neue und demokratische Alternative für Deutschland da gerade recht und ist deshalb der neue Umfrage-Darling, weil mit ihm plötzlich eine Merkel-Abwahl ohne braunen Schmutzrand möglich scheint. Allerdings wird die AfD, und womöglich nicht nur sie, eine solche Alternative mit aller Macht bekämpfen. Es dürfte ein heftiger Wahlkampf werden, Umfragen sieben Monate vor der Wahl sind bestenfalls Momentaufnahmen.

LN

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