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Nachrichten Seite Drei Wohnungsnot – die Einheimischen verlassen ihre Insel
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21:39 03.01.2015
Stephan Beck, Ortsvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, denkt, dass die goldenen Zeiten Sylts vorbei sind. Quelle: dpa
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Sylt

Sylt ist nach Rügen, Usedom und Fehmarn die viertgrößte deutsche Insel. An der breitesten Stelle misst sie zwölfeinhalb Kilometer, von Nord nach Süd sind es knapp 40 Kilometer. Sie hat etwa 20 000 Einwohner und lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Im Jahr 2013 aber ging die Zahl der Gäste leicht auf knapp 836 000 zurück. Auch die Zahl der Übernachtungen sank auf etwa 6,4 Millionen – ein Trend, der schon seit einigen Jahren anhält. Dafür ist zuletzt die Zahl der Betten auf etwa 60 000 stetig gestiegen.

„Die goldenen Jahre sind vorbei“, klagte Stephan Beck, Ortsvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, in der „Sylter Rundschau“. Er führte das unter anderem darauf zurück, dass sich die fünf Inselgemeinden nicht einig seien und auch der Ruf Sylts gelitten habe: „Wohnungsnot, fehlende Geburtenstation: Das Image der Insel ist nicht mehr stimmig.“

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Sylt besteht aus fünf Gemeinden: Hörnum, Kampen, List und Wenningstedt-Braderup bilden das Amt Landschaft Sylt, daneben gibt es die Gemeinde Sylt mit den sieben Ortsteilen Archsum, Keitum, Morsum, Munkmarsch, Rantum, Tinnum und Westerland sowie insgesamt etwa 15 000 Einwohnern. Am 11. Januar wird der Bürgermeister der Gemeinde Sylt gewählt. Die Verwaltung im Rathaus von Westerland ist aber auch für die übrigen Gemeinden zuständig, die zwar jeweils eigene Bürgermeister und Gemeindevertretungen, aber keine Verwaltungen haben. Bei der ersten Wahl im Dezember mit sechs Kandidaten lag die Beteiligung bei 53,5 Prozent.

Eines der größten Probleme auf der Insel ist die Wohnungssituation. Immer mehr Sylter sind aufs Festland gezogen und pendeln jeden Tag mit dem Zug, weil sie die Mieten nicht mehr zahlen konnten. „Das müsste dringend angepackt werden“, sagt Janine Hinck (28), die 2008 aus Heide gekommen ist und in einem Kiosk in der Westerländer Fußgängerzone arbeitet. Beide Stichwahl-Kandidaten hätten gute Dinge in ihren Programmen stehen, „aber es ist ja eben immer noch die Sache mit der Umsetzung“. „Wohnungen sind das Wichtigste“, sagt auch Yvonne Kreyß (20), die aus der Nähe von Hannover nach Keitum gekommen ist, Buchhändlerin lernt und selbst eine neue Bleibe sucht. Es gebe lange Wartelisten, sagt sie, aber aufs Festland ziehen wolle sie nicht. Da gehe zu viel Zeit verloren, „und Keitum ist schon schön“.

„Die Kommunikation zwischen Verwaltung und Selbstverwaltung passt nicht, da muss vor allem was getan werden“, sagt ein Mann, der in Hamburg wohnt, aber von Sylt stammt, hier für den SSW auch politisch aktiv war, aber seinen Namen lieber für sich behalten möchte. Von der Wohnungsnot rede man schon seit 20 Jahren, passiert sei nichts. Vor allem aber müssten junge Leute auf der Insel eine Perspektive haben. Sonst brauche man auch keine neuen Wohnungen. <QM>int

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