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Wirtschaft Gewerbeflächen heiß begehrt
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15:35 04.09.2018
Der Fährhafen von Puttgarden von oben: Durch die Tunnelpläne sind entlang der Autobahn 1 Gewerbeflächen derzeit stark nachgefragt. Quelle: Louis Gäbler
Lübeck/Kopenhagen

Zehn Jahre nach Unterzeichnung des deutsch-dänischen Staatsvertrags zum Bau einer festen Fehmarnbeltquerung reißen sich Unternehmer um Gewerbeflächen entlang der künftigen Verkehrsachse. Der Fehmarnbelttunnel werde nicht nur zu einem Zugpferd für die dänischen Inseln Lolland und Falster. Auch in Lübeck seien Gewerbeflächen heiß begehrt. „Unternehmen und Kommunen haben das Potenzial längst erkannt“, teilt die dänische Projektgesellschaft Femern A/S mit.

Die Hansestadt Lübeck bestätigt das. Man bereite sich gezielt auf die Entwicklungen vor, die durch den Ausbau der Achse Hamburg-Kopenhagen erwartet werden. In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage nach Gewerbeflächen im Stadtgebiet überproportional stark gestiegen, erklärt die Wirtschaftsförderung Lübeck. Zudem seien zwischen 2015 und 2017 pro Jahr mehr als doppelt so viele Gewerbeflächen verkauft worden wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich diese Entwicklung mit dem Bau des Tunnels umkehren wird. Eher im Gegenteil“, sagt Christoph Bergob-Jachens, bei der Wirtschaftsförderung zuständig für Unternehmensansiedlung. „Derzeit planen wir südlich der A 20 neue Gewerbeflächen – in einem ersten Abschnitt.“ Auf Sicht sollen noch mehr Flächen dazukommen. Problem der Lübecker Wirtschaftsförderer: Die aktuellen Reserven sind nahezu aufgezehrt. Was an Restflächen noch im Angebot ist, ist zu klein. Viele Firmen, darunter auch bereits ortsansässige, wollten große Flächen zwischen drei und acht Hektar. Erste zuzugswillige Unternehmen mussten mangels Masse abgewiesen werden.

Region profitiert von der Anbindung

Bernd Jorkisch, Vorstandschef des Vereins Hansebelt, ist überzeugt davon, dass die Region von der schnellen Anbindung nach Skandinavien profitiert. Dieser Tunnel schaffe es, den Südosten des Landes zu einer besonders zukunftsträchtigen Wirtschaftsregion heranwachsen zu lassen, sagt er. Eine Arbeitsgruppe in seinem Verein, in der neben der Hansestadt Vertreter aller benachbarten Kreise sowie der IHK Lübeck sitzen, ist dabei, die Planungen zu koordinieren. „Die Prognose soll als Argumentationsgrundlage zur Ausweisung künftiger Gewerbeflächen dienen“, sagt Hendrik Juhnke, Regionalmanager bei der IHK.

Auf den dänischen Inseln kann Mikkel Wesselhoff, Direktor der Wirtschaftsvereinigung Business Lolland-Falster, auf 700 Arbeitsplätze und 45 Unternehmen verweisen, die sich schon jetzt dort niedergelassen haben. „Die Fehmarnbeltquerung ist unser Ass“, sagt er. Ein Teil der Firmen, die sich niederlassen, verspricht sich, am Tunnelbau beteiligt zu werden. Darunter seien zwei deutsche Unternehmen aus der Tiefbaubranche. Auf dänischer Seite haben inzwischen umfangreiche Vorarbeiten begonnen, zu denen neben archäologischen Ausgrabungen insbesondere die Erschließung der künftigen Tunnelbaustelle in Rødbyhavn gehört.

Baureife im Dezember?

Mit der deutschen Planfeststellung für den Tunnel – das ist die Baureife – wird für Dezember gerechnet. „Dass dieses Planfeststellungsverfahren nicht schnell geht, war allen Beteiligten klar“, sagt Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). Danach kann das Vorhaben vor Gericht beklagt werden. Bis zum ersten Spatenstich könnte das zweite weitere Jahre schlucken.

Am 3. September 2008 hatten der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und seine dänische Amtskollegin Carina Christensen (Konservative) den Staatsvertrag für eine feste Querung zwischen Puttgarden (Ostholstein) und Rødbyhavn (Lolland) in Gegenwart des Kieler Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) unterzeichnet. Eine 25-köpfige Delegation vom Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung hatte vor dem Tagungsort im Kopenhagener Hafen lautstark demonstriert. Zu einem Interview mit Carstensen skandierten die angereisten Fehmaraner vor laufenden TV-Kameras „Ostseekiller, Ostseekiller“. Der Widerstand, insbesondere auf Fehmarn, ist bis heute ungebrochen. Im ostholsteinischen Hinterland konzentriert sich der Kampf von Anliegern und Tunnelgegnern heute im Wesentlichen darauf, den bestmöglichen Lärmschutz an einer geplanten Neubaustrecke der Bahn zu erstreiten.

Curd Tönnemann

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