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Wirtschaft Händler müssen digitale Strategien entwickeln
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19:18 04.09.2018
Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt (l.) und Verbandspräsident Andreas Bartmann beim Tag des Norddeutschen Handels.
Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt (l.) und Verbandspräsident Andreas Bartmann beim Tag des Norddeutschen Handels. Quelle: Rüdiger Jacob
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„Der Einzelhandel befindet sich in einem Umbruch von epochalem Ausmaß. Dabei sind die Auswirkungen der digitalen Transformation heute noch nicht absehbar“, lautet eine der Kernbotschaften von Andreas Bartmann, Präsident des Handelsverbandes Nord. 200 Vertreter aus Einzelhandel, Wirtschaft und Politik haben sich am Dienstag zum Tag des Norddeutschen Handels getroffen. Im Fokus: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Branche. In diesem Jahr erwartet der Einzelhandel im Norden einen Jahresumsatz von etwa 42,5 Milliarden Euro, zwei Prozent mehr als 2017.

„Um den künftigen Entwicklungen zu begegnen, müssen Händler digitale Strategien entwickeln, umsetzen und in der Konsequenz tiefgreifende Veränderungen der Geschäftsmodelle vorantreiben“, sagte Bartmann vor 200 Tagungsteilnehmern in den Media Docks. Durch veränderte Kundenbedürfnisse und eine geänderte Erwartungshaltung sei die Verschmelzung klassischer und digitaler Vertriebskanäle unabdingbare Voraussetzung für den erfolgreichen Händler. „Er braucht nicht nur Mut zur Innovation, sondern Ideen und praktisches Wissen“, sagte Bartmann. Der Online-Handel habe im Vorjahresvergleich um zehn Prozent zugelegt und inzwischen einen nennenswerten Anteil am Gesamtumsatz im Einzelhandel erreicht. „Damit muss sich jedes Geschäft im Handel beschäftigen“, so Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nord. „Aber es geht auch in den Unternehmen darum, Entscheidungen zu treffen, wie man es in punkto Digitalisierung weiterentwickelt. Das ist eine große Herausforderung insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, die in den letzten Jahren ohnehin schon sehr stark unter Druck geraten sind.“ Ein in den vergangenen Jahren deutlicher Verkaufsflächenzuwachs stagniere momentan. „Gleichzeitig hat sich aber der Anteil des Einzelhandels am privaten Konsum reduziert – eine ungünstige Situation für die Unternehmen“, so Böckenholt. Es komme hinzu, dass der Online-Handel „wie ein Brandbeschleuniger“ wirke und Umsatz in einer bisher unbekannten Größenordnung verloren gehe.

Aber der Schuh drückt auch an anderer Stelle: Zwar sei die Zahl der Ladendiebstähle im Vergleich zum Vorjahr „leicht rückläufig, aber die Delikte durch organisierte Bandenkriminalität nehmen nach wie vor zu“, sagt Böckenholt. „Der Bandendiebstahl macht uns enorm zu schaffen“, so der Verbandsgeschäftsführer. Nach wie vor gebe es organisierte Täter, die in anderen Ländern angeworben und in Deutschland auf ganz spezielle Waren angesetzt werden, um ganze Chargen von Waren auf den Schwarzmarkt zu bringen.

Nach wie vor fordert der Verband eine „gerechtere Besteuerung der Händler“, sagte Böckenholt. Die Hinzurechnung der Kosten für Mieten und Pachten bei der Gewerbesteuer müsse entschärft werden. Gerade im mietintensiven Einzelhandel zählten die Finanzbehörden Mieten und Pachten bei der Gewerbesteuer zum Gewerbeertrag hinzu, und zwar unabhängig vom Umsatzerlös. Außerdem müsse der Soli abgeschafft werden.

In Workshops widmeten sich die Tagungsteilnehmer den Themen Cyberkriminalität, der Datenschutzgrundverordnung, Kommunikation über Facebook und innovativen Zahlungsmöglichkeiten. In Fachvorträgen ging es unter anderem darum, wie eine „Smartifizierung“ das Kaufverhalten verändert.

Der Verband vertritt 33000 Einzelhandelsbetriebe in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt 261779 Beschäftigten.

Der Norddeutsche Handelspreis ging an die BIKE Market GmbH aus Rostock. Verbandspräsident Bartmann überreichte den Preis an den Inhaber Jörg Bänder. Vor 25 Jahren hatte er den ersten BIKE Market in Rostock eröffnet. Mit unternehmerischer Kompetenz, Sachverstand und dem Gefühl für den Markt habe Bänder Bike Market zum heute größten Fahrradfachmarkt in ganz Mecklenburg-Vorpommern gemacht, sagte Bartmann.

Rüdiger Jacob

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