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Wirtschaft Heizölpreise im Norden sinken – Gas wird vielerorts teurer
Nachrichten Wirtschaft Heizölpreise im Norden sinken – Gas wird vielerorts teurer
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12:47 25.08.2019
Die Verbraucher profitieren gerade von einem relativ günstigen Heizölpreis. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Lübeck

100 Liter Heizöl haben diese Woche im bundesweiten Schnitt 64 Euro gekostet, das sind zehn Prozent unter dem Vorjahreswert – das berichtet der Pressesprecher des Internetportals „Heizoel24.de“, Oliver Klapschus. Also gute Aussichten für den Verbraucher. „Eigentlich empfehlen wir nicht, sich in der Hauptbevorratungswelle mit Heizöl einzudecken, aber bei den aktuell sehr guten Preisen kann man das durchaus machen“, sagt Klapschus.

Im Norden liegen die Preise sogar meist unter dem bundesweiten Durchschnitt. Klapschus macht für den Preisverfall die schwächelnde Wirtschaft verantwortlich: „Bei Konjunkturschwächen wird weniger Öl nachgefragt, dadurch sinken die Preise.“ Das bestätigt auch der Sprecher des Mineralöl-Wirtschaftsverbandes, Alexander von Gersdorff: „Der Ölpreis folgt der Konjunktursorge.“ An den Börsen sehe man den US-Handelskrieg mit China mit großen Bedenken, die deutsche Konjunktur stagniere, in China schwächele das Wirtschaftswachstum, nennt von Gersdorff einige Gründe.

Der Norden profitiert von der Nähe zu Raffinerien

Einen eindeutigen Kauftipp möchte der Sprecher des Mineralöl-Wirtschaftsverbandes zwar nicht geben, aber: „Jetzt ist eigentlich schon ein guter Zeitpunkt.“ Nach Informationen seines Verbandes liege der 100-Liter-Preis für Heizöl im bundesweiten Schnitt momentan bei 68 Euro, also etwas höher als von „Heizoel24.de“ angegeben.

Ende Oktober vergangenen Jahres sei der 100-Liter-Preis noch um fast 20 Euro höher gewesen. „Dieses Jahr haben wir generell geringe Preis-Schwankungen, der Höchstwert lag bisher bei 74,65 Euro pro 100 Liter. Das ist gut für den Verbraucher“, sagt von Gersdorff. Der Norden profitiere bei den Preisen von der Nähe zu den Raffinerien, die dadurch niedrigeren Transportkosten wirken sich positiv aus.

Verbraucher müssen Lieferfristen beachten

Oliver Klapschus von „Heizoel24.de“ rät sogar, dass man mit dem Nachkauf von Heizöl noch etwas warten könne, wenn man noch genügend Brennstoff bei sich zu Hause im Tank habe. „Wir befinden uns in einem Abwärtstrend. Die Preise könnten weiter fallen. Von daher könnte sich ein Abwarten lohnen“, sagt der Experte.

Allerdings müssten Lieferfristen beachtet werden: Neubestellungen treffen gerade auf volle Auftragsbücher – mehrere Wochen Wartezeit seien die Regel, sagt Klapschus. Zwar lasse kein Heizöllieferant seinen Kunden auf dem Trockenen sitzen, aber für Expresslieferungen müssten entsprechend hohe Preise bezahlt werden. „Also nur mit ausreichend Öl im Tank spekulieren. Aber ansonsten kann man jetzt ganz beruhigt kaufen. Es sieht sehr gut aus“, sagt Experte Klapschus.

Heizöl- und Gaspreise im Europa-Vergleich

Deutsche zahlen günstigere Gaspreise als die meisten anderen Europäer. Nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) lag der deutsche Gaspreis ohne Steuern in der zweiten Hälfte von 2018 bei 4,51 Cent pro Kilowattstunde. Der europäische Durchschnittspreis betrug dagegen 4,9 Cent pro Kilowattstunde.

Laut der Energieexperten von Verivox verursacht Deutschlands zentrale Lage in Europa, sowie die gute Anbindung an Gasströme den Preisvorteil. Auch der Steueranteil von rund 25 Prozent sei vergleichsweise gering. Mehr zahlen müssten vor allem Länder wie Schweden, Dänemark oder Frankreich, die eine stärkere CO2-Steuer haben.

Im Vergleich der Heizölpreise gehört Deutschland ebenfalls zu den günstigeren EU-Ländern. Nach einer Auswertung des Statistikportals Statista lag der Bund im Juli 2019 mit einem Preis von 0,7 Euro pro Liter noch vor Spanien, Frankreich und Italien.

Preiserhöhung für Gas-Verbraucher

Während sich Heizöl-Verbraucher über sinkende Preise freuen, müssen viele Gas-Kunden tiefer in den Geldbeutel greifen, berichtet das Vergleichsportal Verivox. In der ersten Hälfte des Jahres hätten demnach bereits 390 örtliche Grundversorger ihre Gaspreise um durchschnittlich neun Prozent erhöht, 34 weitere kündigten eine Erhöhung für September und Oktober an.

„Die Versorger begründen das mit höheren Beschaffungskosten“, erklärt Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer. „Wenn das Gas im Einkauf teurer wird, geben die Versorger das an ihre Endverbraucher weiter.“ Der Einkaufspreis sei vor allem in den Jahren 2017 und 2018 gestiegen, was erst jetzt spürbare Auswirkungen habe. Grund dafür seien zum Beispiel Lieferverträge, die auf mehrere Jahre befristet sind.

Nicht alle Versorger erhöhen den Gaspreis

Von den steigenden Gaspreisen sind indes nicht alle Privatkunden betroffen. Marius Lembicz, Geschäftsführer der Vereinigten Stadtwerke mit Sitz in Ratzeburg, betont: „Wir haben das Gas für 2020 schon fast vollständig einkauft und müssen unsere Preise nicht erhöhen.“ Das Versorgungsunternehmen beginne bereits mehrere Jahre im Voraus mit dem Einkauf.

Die Vereinigten Stadtwerke bezahlen monatlich kleinere Anteile der bestellten Rohstoffmenge. „So entsteht ein gleichmäßiger Durchschnittspreis“, sagt Lembicz. Einige andere Versorger würden mit dem Einkauf jedoch bis zum Liefertermin warten. So bestünde ein hohes Risiko, da man meist nicht absehen könne, wie hoch die Preise zu diesem Zeitpunkt sein werden.

Experten raten Endverbrauchern zum Tarifwechsel

Langfristig können sich Gas-Kunden aber wieder auf günstigere Preise freuen. Nach Angaben von Verivox ist der Gaspreis an der deutschen Grenze, den das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhebt, seit Januar 2019 um rund ein Drittel gesunken. Valerian Vogel, Energieexperte von Verivox, erklärt: „Sinkende Erdgaspreise für private Verbraucher erwarten wir daher in der übernächsten Heizperiode – falls die Großhandelspreise weiter so günstig bleiben.“

Um sich vor der aktuellen Gaspreiserhöhung zu schützen, rät Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer vor allem Endverbrauchern mit Grundversorgung in einen günstigen Tarif zu wechseln. Das betreffe etwa 19 Prozent aller Haushalte. „Wer jetzt wechselt, kann viel Geld sparen“, sagt Neubauer. Für einen Musterhaushalt wären das etwa 400 Euro im Jahr.

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