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Wirtschaft im Norden Adieu: Ex-„Traumschiff“ startet in seine letzte Saison
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Adieu: Ex-„Traumschiff“ startet in seine letzte Saison
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09:54 10.06.2015
Quelle: Markus Scholz/dpa
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Kiel/Neustadt

Die Kommandobrücke sieht aus, als ob Sascha Hehn sie gerade verlassen hat. Der Kaisersaal wirkt, als ob Heide Keller jetzt die Show ansagen will. An Bord des KreuzfahrtschiffesDeutschland“ hat sich kaum etwas verändert. Auf der Kommandobrücke des legendären Schiffes hat jetzt George Coirtian das Sagen und im Kaisersaal Hoteldirektor Lutz Stemme aus Bremen. „Ich bin sehr stolz, dieses Schiff mit diesem Namen fahren zu dürfen“, sagt der rumänische Kapitän. Er fährt seit 20 Jahren zur See und steht in Diensten der in Monaco ansässigen Managementfirma V-Ships. Sie regelt den Schiffsbetrieb seit der Übernahme des Schiffes durch die neuen Eigner Absolute Nevada aus den USA.

Das aus der Fernsehserie "Traumschiff" bekannte Schiff startet heute zu seiner letzten Kreuzfahrt unter deutscher Leitung.

Von der alten Besatzung aus Deilmann-Zeiten ist niemand mehr an Bord. „Wir haben unsere Leute von der ,Hamburg’ mitgebracht“, sagt Oliver Steuber, Geschäftsführer des Bremer Veranstalters Plantours & Partner. Das Unternehmen wollte gestern eigentlich mit dem KreuzfahrtschiffHamburg“ von Kiel aus zu einer Norwegen-Reise starten. Die „Hamburg“ ist nach einer Grundberührung aber ausgefallen und wartet in Bremerhaven auf einen Platz im Dock. „Es war für uns ein Glücksfall, dass dieses Schiff zur Verfügung stand“, so Steuber.

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Seit einer Woche wird das ehemalige Fernsehtraumschiff für den Einsatz unter Plantours-Flagge umgerüstet. „Die IT war das größte Problem“, so Steuber. So mussten alle Buchungs- und Abrechnungssysteme neu programmiert, die Küche und die Wasserleitungen wieder hochgefahren werden. Als gestern die 370 Gäste einer vom ADAC organisierten Reise in Kiel einstiegen, stand an den Rettungsbooten noch der alte Heimathafen Neustadt. Am Heck prangt bereits Nassau. Der Hafen der Bahamas hat Neustadt in Holstein abgelöst.

Und auch ein anderes Problem wurde in Kiel gelöst. Der Schlüssel für den Schiffstresor war nach dem Abmustern der alten Besatzung abhanden gekommen. „Den Safe haben wir aber mit vereinten Kräften schließlich wieder aufbekommen“, sagte Steuber.

Und auch die Sicherheit ist geprüft worden. Am Montag gab es eine Inspektion der Seeberufsgenossenschaft im Rahmen der Port State Control. Mängel gab es keine. Nur eines ließ sich nicht mehr ändern. Die Logos der Reederei Deilmann stehen weiter auf Tassen und Tellern. „Es war schon ein Kraftakt, alles andere so zu organisieren, dass der Betrieb anlaufen kann“, sagt Kreuzfahrtdirektor Lutz Stemme. Er war Ende Mai einer der ersten, die in Gibraltar an Bord gingen.

Vier Reisen wird das Schiff für Plantours machen. Am 29. Juli soll die „Deutschland“ dann wieder durch die „Hamburg“ ersetzt werden. „Die Nachfrage nach den Reisen ist sehr hoch“, sagt Steuber. Es gibt viele Passagiere, die noch mal mit dem im deutschen Markt sehr beliebten Schiff fahren wollen. „Platz haben wir auch genug. Im Gegensatz zur ,Hamburg’ haben wir für die Reisen jetzt 80 zusätzliche Kabinen“, so Steuber.

Ob die „Deutschland“ auch im nächsten Sommer in Kiel zu sehen sein wird? „Mal sehen. Jetzt wollen wir erstmal diese Saison fahren. Danach sehen wir weiter“, sagt Steuber mit einem Lächeln. Gestern waren auch Vertreter der US-Hochschule aus Virginia an Bord. Sie wollen das Schiff von September bis April als fahrenden Hörsaal nutzen. Vorher soll die „Deutschland“ aber noch in einer Werft zum Hochschulschiff „World Odyssey“ umgerüstet werden.

Von Frank Behling