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Wirtschaft im Norden Australier kaufen Scandlines
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20:10 26.03.2018
Die Fähre „Prinsesse Benedikte“ im Fährhafen von Puttgarden auf Fehmarn.
Die Fähre „Prinsesse Benedikte“ im Fährhafen von Puttgarden auf Fehmarn. Quelle: Foto: Gerd-J. Schwennsen
Lübeck/Puttgarden

Scandlines betreibt die Fährlinie zwischen Puttgarden und Rødbyhavn auf der Vogelfluglinie und die Verbindung Rostock–Gedser mit insgesamt rund 42 000 Überfahrten pro Jahr. Der britische Finanzinvestor 3i habe das Unternehmen jetzt an ein Konsortium aus den Vermögensverwaltern First State Investments und Hermes Investment Management ver

kauft, teilte Scandlines gestern mit. 3i habe aber im Anschluss wieder Anteile von 35 Prozent neu erworben. Die australische First State Investments halte nun 50,1 Prozent und die britische Hermes Investment Management 14,9 Prozent am Unternehmen. Der Nettoerlös für 3i betrug demnach 347

Millionen Euro. 3i war 2007 in die Reederei eingestiegen und hatte seinen Anteil von zunächst 40 Prozent bis 2013 auf 100 Prozent ausgebaut.

Der neue Hauptanteilseigner, First State Investments, ist die Vermögensverwaltungssparte der Commonwealth Bank of Australia und managt nach eigenen Angaben Vermögen in Höhe von insgesamt 142 Milliarden Euro für institutionelle Anleger, Pensionsfonds, Anlageplattformen, Finanzberater und deren Kunden weltweit.

Das Konsortium wolle das „Wachstum bei Scandlines fortführen, weitere Investitionen in grüne Technologien inklusive“, teilten die Eigentümer mit. Marcus Aure von First State Investments sagte: „Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit Scandlines’ Geschäftsführung und den Mitarbeitern.“ Als langfristiger Infrastrukturinvestor sei man vor allem vom integrierten Transportmodell bei Scandlines beeindruckt.

Die rund 750 deutschen Mitarbeiter von Scandlines – davon 580 in Puttgarden – erfuhren gestern Vormittag vom Verkauf. Auch der Betriebsrat war vorher nicht informiert. „Erschreckt hat uns das aber nicht. Damit haben wir alle gerechnet, dass ein Verkauf ansteht. Nur mit welchem Ergebnis und zu welchen Zeitpunkt, war noch offen“, kommentierte Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Friedrichs (Puttgarden).

Er hofft, dass sich dadurch aber nichts an den Arbeitsbedingungen und Strukturen in der Reederei verändere – zumal 3i weiterhin, wenn auch künftig als Minderheitsgesellschafter, im Boot bleibe.

Friedrichs: „Natürlich haben viele Arbeitnehmer Angst vor möglichen Veränderungen. Aber wir im Betriebsrat gehen da erst einmal positiv ran.“ Persönlich ergänzte Friedrichs: „Ich bin seit 40 Jahren im Unternehmen. Es ist wahrlich nicht der erste Verkauf auf der Vogelfluglinie.“

„Ich gehe davon aus, dass sich im normalen Geschäft erstmal nichts ändern wird“, sagte auch Dirk Himmelmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Lübeck.

Man werde jetzt das Gespräch mit der Scandlines-Geschäftsführung suchen.

Schleswig-Holstein Wirtschafts- minister Bernd Buchholz (FDP) sprach von einem überaus positiven Zeichen. „Die Entscheidung zeigt ja sehr deutlich, dass die Investoren sich – ebenso wie die Landesregierung – sehr gut vorstellen können, dass neben dem Fehmarnbelttunnel auch eine Fährlinie auf dieser Route wirtschaftlich zu betreiben ist. Das ist gut für den Tourismus und gut für den Wirtschaftsstandort insgesamt“, so Buchholz.

Einen Kommentar zum Thema gibt es von Redakteur Christian Risch. 

 Von Christian Risch und Gerd-J. Schwennsen