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Wirtschaft im Norden Apotheker im Norden setzen auf Beratung statt Bonbons
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19:42 06.06.2019
Kleine Geschenke in Apotheken sind in Zukunft nicht mehr erlaubt. Quelle: Ole Spata/dpa
Lübeck

 Wer ein Rezept einlöst, soll in Zukunft keine kleinen Geschenke mehr bekommen. Denn in Deutschland müssen rezeptpflichtige Medikamente überall gleich viel kosten – niemand, der krank ist, soll Preise vergleichen oder sein Medikament überteuert kaufen. Apotheken, die ihren Kunden beim Rezepteinlösen ein Päckchen Taschentücher mitgeben, unterlaufen die Preisbindung indirekt.

Gute Beratung statt Geschenke

Einige Lübecker halten Werbegeschenke grundsätzlich für überflüssig. Wolf Menken, Leiter der Moltke-Apotheke, verteilt aus Prinzip keine kleinen Geschenke an seine Kunden. Für ihn ist diese Art der Kundenbindung eine Unsitte: „Es wird vieles versucht, aber Kunden und Patienten hält man durch Beratung statt Bonbons.“ Da müsse man nichts zugeben. Für Marcus Niendorf von der Löwen-Apotheke geht es um eine Grundsatzfrage: „Kommt der Kunde zu mir, weil ich gute Arbeit mache? Oder wegen der Geschenke?“ Primär gehe es doch um Vertrauen und Arzneimittelsicherheit.

Für Menken sorgt die BGH-Entscheidung für Klarheit. Denn Werbegeschenke bei rezeptpflichtigen Medikamenten sind eigentlich seit 2013 verboten. Ausgenommen waren Zeitschriften wie die „Apotheken Umschau“ und Kleinigkeiten, die weniger als einen Euro kosten. Mit der Entscheidung von Donnerstag bekräftigt das BGH das Verbot – und stuft auch kleine Geschenke als wettbewerbswidrig ein. Damit gibt es auch keine Taschentücher mehr.

Taschentücher als nette Geste

Trotzdem sollte es möglich sein, bei Bedarf Taschentücher mitzugeben, meint Niendorf: „Das ist eine wohlmeinende Geste, wie einer älteren Dame über die Straße zu helfen.“ Menken sieht das ähnlich: „Wenn jemand mit einer triefenden Nase vor mir steht, lege ich natürlich ein Päckchen oben drauf.“

Die Entscheidung des BGH betrifft nur Medikamente, die ein Arzt verschreiben muss. Für alle anderen Arzneimittel ändert sich nichts. Hier ist der Wettbewerb sogar gewünscht – beim Einkauf von Nasenspray oder Sonnencreme gibt es also auch weiterhin Bonbons und Rabatttaler.

Wettbewerb mit Online-Apotheken

Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein und der Apothekerverband begrüßen die Entscheidung des BGH. Beide betonen, dass man das Verbot in einem größeren Kontext sehen muss: den Wettbewerb mit ausländischen Versandhandelsapotheken. Letztere unterliegen nämlich nicht der deutschen Preisbindung. Online-Apotheken können rezeptpflichtige Medikamente also günstiger anbieten und auch mit Rabattaktionen bewerben.

Die Entscheidung, Werbegeschenke bei Medikamenten auf Rezept zu verbieten, stärke symbolisch den Wert von guter Beratung in lokalen Apotheken, sagt Kai Christensen, Präsident der Apothekerkammer. Der Vorsitzende des Apothekerverbandes, Peter Froese, sieht in der Entscheidung einen deutlichen Appell: „Wir haben einen Heilberuf. Wir müssen die Verantwortung ernst nehmen und unseren Job machen.“ Apotheker sollen mit guter Beratung locken statt mit Werbegeschenken.

Einen Kommentar zu dem Thema lesen Sie hier.

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