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Wirtschaft im Norden Wer wird das schönste Kalb des Nordens?
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07:15 18.02.2019
Landwirtin Miriam Bandholz mit Kalb „Wanis“. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Kalb „Wanis“ ist erst zweieinhalb Monate alt, rotbunt und gehört zur Rasse Red Holstein. Milch gibt das Tier natürlich noch nicht, aber es ist alt genug, ein Star zu werden. Auf dem Hof Bandholz in Lübeck-Vorrade wird jedenfalls schon fleißig geübt: für die Kreis-Jungzüchterschau in Rausdorf bei Trittau am 14. April. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus den Kreisen Segeberg, Stormarn, Lauenburg und Ostholstein. „Wir hoffen natürlich, dass eines unserer Kälber gekürt wird“, sagt Landwirtin Miriam Bandholz (28), die mit vier Kälbern teilnehmen will.

„Das schönste Kalb bekommt eine Schärpe“, erklärt Milchbauer Phillip Ellerbrock (28) aus Westerau (Kreis Stormarn), der die Schau veranstaltet. Bewertet wird das äußere Erscheinungsbild des Jungtiers. „Wie ist es entwickelt, macht es was her?“, formuliert Ellerbrock entscheidende Fragen. Es werde darauf geachtet, ob der Körperbau „lang und elegant, das Fell fein“ sei. Auch bei Kühen gebe es den feingliedrigeren und den grober gebauten Typ. Und: „Wie bewegt sich das Kalb, wie sind die Beine gestellt? Sind Fell und Klauen sauber?“

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Schön machen mit der Bürste

An Letzterem soll es bei den Bandholz-Kälbern nicht fehlen. Mit der Bürste werden die Nachwuchs-Milchkühe schön gemacht, dann an einem Strick im Kreis geführt. Auch das Vorführen wird bewertet. „Das machen immer Kinder, Jugendliche und Jungbauern bis 25 Jahre“, erklärt Miriam Bandholz. Bei ihr seien es vier Mädchen aus dem Ort im Alter zwischen acht und 15 Jahren. Der Spaß stehe im Vordergrund, jeder bekomme einen Preis. Laut Ellerbrock war der bislang jüngste Teilnehmer nur drei Jahre alt.

Immerhin: Nur ein Kalb kann die Schärpe der Schönsten erringen. „Das Tier hat dann unter Umständen auf der norddeutschen Landwirtschaftsmesse Norla in Rendsburg im September die Chance, das schönste Kalb des Nordens zu werden. „Auch dort richten wir die Jungzüchterschau aus“, informiert Phillip Ellerbrock. „Und wir hoffen natürlich, unsere Jungzüchter aus Rausdorf dann wiederzusehen.“ Derzeit wohnt das schönste Kalb des Landes weiter nördlich, in Wanderup im Kreis Schleswig-Flensburg.

Milchvieh mit Zukunft

Miriam Bandholz, ihr Mann Stefan (35) und Sohn Owe (2) sind bereit, das zu ändern. Sie sind stolz auf ihre Kälber, die alle Namen bekommen und liebevoll aufgezogen werden. „Die wollen wir später ja melken“, begründet die Landwirtin. Insgesamt stehen 285 Rinder in den Ställen, mit Milchkühen und Kälbern. Während die Kleinen noch bis zu zwölf Liter Milch am Tag bekommen, geben die ausgewachsenen Kühe im Schnitt mindestens 35 Liter täglich. „Wir haben rund 10 000 Liter im Jahr“, stellt Miriam Bandholz fest. Erwachsen sind die Kühe mit 24 Monaten, dann können sie schon ihr erstes Kalb bekommen.

Sein Milchviehbetrieb mit 268 Hektar Grün- und Ackerland funktioniere, meint Stefan Bandholz, der mit der Genossenschaftsmolkerei Arla in Upahl (Nordwestmecklenburg) zusammenarbeitet und das Futter für seine Tiere überwiegend selbst produziert. Die Milchkrise scheine für ihn erstmal überwunden. „Im Moment geht’s.“ Seine Kälber dürfen also positiv in die Zukunft blicken – auch die weniger schönen.

Marcus Stöcklin