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Wirtschaft im Norden Wird die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal teurer?
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18:15 20.02.2019
Der Bund überlegt, die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal deutlich teurer zu machen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin/Kiel

Dunkle Wolken über dem Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Nach LN-Informationen plant das Bundesverkehrsministerium, bereits ab dem kommenden Jahr die so genannten „Befahrensabgaben“ für die rund 100 Kilometer lange Wasserstraße kräftig anzuheben. Demnach könnten für die Passage zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau schon bald 35 Prozent höhere Gebühren fällig werden. Der Druck, die Preise zu erhöhen, komme vor allem vom Bundesrechnungshof, der auf höhere Einnahmen des Bundes setze, meinte ein Insider. Allerdings kann der Bundestag in dieser Woche den Plan für höhere Kanalabgaben noch stoppen.

Rechnungsprüfer übt Kritik

Der SPD-Abgeordnete Michael Groß, Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss des Parlaments, äußerte großes Unverständnis. Vor der Fertigstellung der umfangreichen Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen am NOK – etwa im Jahr 2028, aber wahrscheinlich sogar noch später – seien höhere Gebühren kontraproduktiv, sagte er den LN. Allerdings lässt der Koalitionsvertrag von Union und SPD eine Hintertür offen. Zwar sollen bis dahin die „Befahrensabgaben“ für alle Binnenwasserstraßen abgeschafft werden, doch der NOK ist davon ausdrücklich ausgenommen. Am Freitag wollen die Rechnungsprüfer des Bundestages über höhere Abgaben für den Kanal entscheiden.

Nehmen Schiffe Route über Skagen?

In der Kieler Landesregierung und bei Reedern kommen die Pläne aus dem Haus von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) äußerst schlecht an. „Ausgerechnet jetzt, da Sanierungsmaßnahmen am NOK Beeinträchtigungen für die Schifffahrt mit sich bringen, die ,Befahrensabgaben’ erhöhen zu wollen, halte ich für eine Schnapsidee“, kritisierte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP).

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Quelle: dpa

Der Bund solle vielmehr darüber nachdenken, wie die Attraktivität dieser wichtigen Wasserstraße gesteigert werden könne. Andernfalls überlegten sich Reeder, die längere Strecke durch Nordsee, Kattegat und Skagerrak in die Ostsee zu benutzen. Das Befahren der rund 460 Kilometer längeren Route würde allerdings auch die Umwelt stärker in Mitleidenschaft ziehen als der Weg durch den NOK, sagte Buchholz den LN.

Verband: Schifffahrt steht unter Kostendruck

Der Verband Deutscher Reeder führte ebenfalls wirtschaftliche und ökologische Erwägungen an. „Eine Gebührenerhöhung um 35 Prozent passt überhaupt nicht in die Landschaft. Die Handelsschifffahrt steht unter erheblichem Kostendruck.“ Auch er rechnet damit, dass dann viele Schiffe die Route über Skagen nehmen. „Die Verlader vergleichen auch immer die Kosten für den Transport per Schiff mit denen per Lkw. Beides kann das Bundesverkehrsministerium nicht wollen“, sagte Christian Denso vom Verband Deutscher Reeder (VDR) den LN.

Zwei Milliarden Euro für den Ausbau

Zwei Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren in Ausbau, Sanierung und Modernisierung der Wasserstraße im Norden fließen, etwa in den Bau einer 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel, den Ausbau der Oststrecke, in neue Schleusenkammern in Kiel sowie ebenfalls in den Neubau der Levensauer Hochbrücke. Der NOK ist damit das mit Abstand größte wasserbauliche Projekt Deutschlands.

Reinhard Zweigler

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