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Wirtschaft im Norden Der Biermarkt im Norden: Konzern- oder Privat-Pils?
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18:24 01.11.2015
Seit der angekündigten Mega-Fusion der Brauerei-Riesen Anheuser-Busch und SABMiller könnte bald jedes dritte Bier aus demselben Haus kommen.  Quelle: dpa
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Lübeck

Seit der angekündigten Mega-Fusion der Brauerei-Riesen Anheuser-Busch und SABMiller könnte bald jedes dritte Bier aus demselben Haus kommen. Steht Liebhabern des Hopfengetränks also demnächst das Einheitsbier ins Haus, das wie der BigMac von McDonalds überall gleich schmeckt? So schlimm ist es noch nicht. Vor allem Biertrinker im Norden können auf ein Angebot von prominenter Biermarken zurückgreifen, die sich auch von der Konzernzugehörigkeit deutlich voneinander unterscheiden.

So behaupten sich beiden größten Brauerein Schleswig-Holsteins, die Flensburger GmbH & Co. und die Dithmarscher Privatbrauerei Karl Hintz in Marne, noch immer wacker als eigenständige Familienunternehmen. Die Flensburger gehören dabei noch zu den ganz wenigen bundesweit operierenden Brauereien, die nicht einem Großkonzerne angehören.

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Doch nicht alle Privaten konnten sich auf dem in den letzten Jahrzehnten immer härter umkämpften Biermarkt behaupten. So füllte die Brauerei zur Walkmühle H. Lück AG in Lübeck 1988 ihre letzte Flasche ab, bevor sie von der Bavaria-St. Pauli-Brauerei in Hamburg, die sie zwischenzeitlich übernommen hatte, geschlossen wurde. Letzterer ging es nicht besser: Nur zehn Jahre später, 1998, wurde die Hamburger Bavaria mit ihrer Traditionsmarke „Astra“ ihrerseits von der Holsten-Brauerei AG, die 2004 wiederum an die dänische Carlsberg-Gruppe ging und 2014 aufgelöst wurde. „Astra“ und „Holsten“ werden zwar weiterhin in Hamburg gebraut, sind aber fest in dänischer Hand. 

Gleiches gilt für „Lübzer“ in Mecklenburg Vorpommern. Nach der Übernahme durch die Holsten-Brauerei AG gehört die Marke jetzt ebenfalls zum Carlsberg-Imperium, dem inzwischen viertgrößten Brauerei-Konzern der Welt.

Die Dänen, wenn auch andere, haben ebenfalls das Sagen bei der Darguner Brauerei GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Harboes Bryggeri A/S im dänischen Skælskør. Die dritte große Biermarke Mecklenburg-Vorpommerns, das „Rostocker“-Bier, musste die Eigenständigkeit ebenfalls schon lange aufgeben. Nach der Wende stieg 1991 zunächst die damals noch eigenständige Brauerei Beck‘s in Bremen bei der Hanseatischen Brauerei Rostock ein, 2003 wechselte das Unternehmen unter das Dach der inzwischen nicht mehr existenten Brau und Brunnen AG in Dortmund. Mittlerweile gehören die Rostocker zur Radeberger Gruppe und sind damit Teil des Lebensmittelkonzerns Oetker.

Gleiches gilt für das friesische „Jever“, das mit einer fast 170-jährigen Tradition wohl zu den ältesten Bieren des Nordens gehört. Das nur wenige Jahrzehnte jüngere „Beck‘s“ wurde 2002 von der belgischen Firma Inbrew übernommen, aus der inzwischen die Anheuser-Busch InBev hervorgegangen ist, die derzeit größte Brauereigruppe der Welt.

Die Verlierer der Bier-Fusionitis kommen kommen manchmal aber auch wieder: So bringt eine kleine Privatbrauerei seit 2011 wieder die Lübecker Traditionsmarke „Lück“ auf den Markt.

<div class='KASTEN'><div class='KASTEN_HZ'>Ordentlich Bierdurst</div> <div class='KASTEN_TEXT'><b>26,6 Millionen Hektoliter</b> Bier tranken die Deutschen von Juli bis September 2015. Das ist ein Plus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt mit. Grund für den Absatzanstieg sei der „ausgesprochen warme Sommer mit seinem Biergartenwetter“ gewesen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele.</div></div>

Oliver Vogt