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Wirtschaft im Norden Der Mann, der die Warburg-Brücke öffnet
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12:00 17.03.2019
Wolfgang Weidinger ist einer der Brückenwärter der Eric-Warburg-Brücke. Er hat eine Rundumsicht. Quelle: Rüdiger Jacob
Lübeck

Bevor Wolfgang Weidinger seinen Traumjob gefunden hat, war er Fischer und Matrose. In Hamburg-Finkenwerder hat er die Lehre zum Hochsee- und Küstenfischer gemacht, von Bremerhaven aus den Eurotrawler gefahren.

Zur Hansestadt Lübeck ist Weidinger im Jahre 2000 gekommen. Er hat als Matrose auf einer Schlepperbarkasse angefangen. Danach hat Weidinger die Schulbank gedrückt und das Kapitänspatent gemacht.

Seit einem Unfall ist Weidinger schwerbehindert. Trotz des Handicaps ist er immer noch an jener Stelle, für die sein Herz schlägt – dicht am Wasser. „Das war mir immer wichtig. Und deshalb freue ich mich riesig darüber, dass mich die Stadt an dieser Stelle beschäftigt“, bekennt der Brückenwärter, der seit 2008 einen traumhaften Rundumblick im sogenannten Steuerhaus der Eric-Warburg-Brücke hat. Von hier aus kann Weidinger Teile des Holstentores, Kirchtürme, die Altstadt und St. Lorenz erblicken, wenn er die wuchtige Klappe per Knopfdruck öffnet.

26 Höhenmeter ohne Aufzug

Zwei Mann machen in Schichten hier ihren Dienst. Sieben Mann schieben dann von 23 Uhr abends bis morgens um sechs Uhr den Bereitschaftsdienst. Denn wenn sich kein Schiff zur Durchfahrt anmeldet, muss die Brücke auch nicht geöffnet werden. „Per Weiterschaltung erreicht uns der Anruf zu Hause“, erklärt Weidinger.

„Es ist hier ein sehr selbstständiges Arbeiten“, sagt der Mann auf der Brücke. Kleine Wartungs- und Unterhaltungsarbeiten wie etwa das Abschmieren von Technikteilen an dem Riesenbauwerk zählen auch zu den Aufgaben des Lübeckers, der immerhin 26 Höhenmeter – zu Fuß, ohne Aufzug – zu überwinden hat.

Das Brückenbauwerk

Die 2008 in Betrieb genommene Eric-Warburg-Brücke, eine der größten Klappbrücken Europas, verfügt über Schifffahrtssignal- und Kameraüberwachungsanlagen, Außenlautsprecher für Land- und Schifffahrtsverkehr und eine Windmesseinrichtung. Die Gesamtlänge der Klappbrücke und der beiden Vorlandbrücken beträgt 182 Meter. Für das Brückenbauwerk wurden 15 000 Kubikmeter Beton und 1250 Tonnen Betonstahl verbaut. Der Öffnungswinkel der Klappe beträgt 85 Grad.

Denn unter einem der gewaltigen Brückenpfeiler befindet sich tief unten noch ein gewaltiger Keller mit der gesamten XXL-Hydrauliktechnik. Das rundum verglaste Steuerhaus befindet sich auf dem Pfeiler 2. Aber es gibt noch drei weitere Brückenpfeiler, um die sich Weidinger kümmern muss. Das technische Verständnis hat Wolfgang Weidinger seiner Fischerlehre zu verdanken. Hydraulik und Elektrik, das sind keine Fremdworte für ihn. Aber auch die Arbeit am PC muss Weidinger, der auch das Seefunkzeugnis besitzt, beherrschen.

Schiffe haben langen Bremsweg

Übrigens bekommt der Brückenmann auf der etwa 37 Meter breiten Durchfahrtsbreite der Seeschifffahrtsstraße (so heißt hier die Trave im Fachjargon) einiges zu sehen: „Imposante Schwimmkräne, Luxusjachten und die Fregatte ,Lübeck’ aus der Vogelperspektive“, sagt Weidinger.

„Immer, wenn ein Schiff sich vorher anmeldet, informiere ich Polizei und Feuerwehr“, erklärt Weidinger. Die Einsatzkräfte werden informiert, damit sie einen anderen Weg nehmen können. Bereits die Travemünder Lotsenstation kündigt die Pötte an, für die die Brücke aufgemacht werden muss. „Dann dauert es noch etwa zwei Stunden. 15 Minuten vor der Passage muss die Klappe auf sein“, sagt Weidinger. „Größere Schiffe haben einen langen Bremsweg.“ Der Brückenwärter hofft darauf, dass alle wartenden Autofahrer genügend Verständnis aufbringen, wenn die Brücke mal offen ist, obwohl noch gar kein Schiff zu sehen ist.

Rüdiger Jacob

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