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Wirtschaft im Norden Der digitale Kaufmann
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20:10 10.02.2018
Lübeck

„Ein Online-Geschäft hat viele Besonderheiten, wer es betreibt, braucht auch viele Fähigkeiten“, sagt Peter Steck, der mit seiner Frau den Online-Handel strickmich-shop.de rund ums Thema Stricken betreibt. Klassische Azubis im Büromanagement oder Einzelhandel waren für ihn keine Option. „Wir sind kein Laden, wo Kunden etwas anfassen können.“ So sei die große Herausforderung beim Online-Handel, die Kunden – ohne persönlichen Kontakt – und nur mit Produktbeschreibungen und Fotos zum Kauf zu animieren. „Und um das gut zu machen, braucht man besondere Kenntnisse“, sagt Steck.

Mit großem Interesse schaut er deswegen auf die neue Ausbildung zum E-Kaufmann und überlegt einen „strickbegeisterten“ Azubi für seinen Online-Shop in Damsdorf (Kreis Segeberg) zu gewinnen.

Es ist der erste neue kaufmännische Ausbildungsberuf seit zehn Jahren. Katharina Weinert hat den Prozess von Anfang an als Sachverständige begleitet. Sie ist die Abteilungsleiterin für Bildungspolitik und Berufsbildung des Handelsverbands Deutschland (HDE) und weiß, worum es bei der dreijährigen Ausbildung gehen soll: „Der Kaufmann für E-Commerce muss das Kauferlebnis für den Kunden ins Wohnzimmer bringen.“ In der Praxis bedeutet das, den kompletten Online-Vertrieb abzudecken. „Das geht von der Kommunikation mit dem Kunden über Apps oder E-Mails bis zur Abwicklung der Bestellung.“

Bisher haben sich Unternehmen an dieser Stelle mit Quereinsteigern, die sich auf dem Gebiet weitergebildet haben, oder Hochschulabsolventen geholfen, sagt die HDE-Vertreterin. Mit der Ausbildung zum E-Kaufmann soll aber ein Schwerpunkt speziell im Online-Vertrieb gesetzt werden.

2015 haben Weinert und der HDE begonnen, die neue Ausbildung gemeinsam mit den Betrieben zu entwickeln. Im Mai 2016 wurde das Konzept den Bundesministerien für Wirtschaft und Bildung präsentiert.

Anschließend wurden die Ausbildungsinhalte mit Sachverständigen von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Verbänden gestaltet.

Die Ausbildung ist eine Reaktion auf die Digitalisierung und damit auch der erste 4.0-Beruf, erklärt Weinert. „Die neuen Aufgaben umfassen so viele Tätigkeitsfelder, dass ein neuer Beruf geschaffen werden musste.“ Zwar konnten sich die klassischen Einzelhandelskaufleute im dritten Lehrjahr mit einer Wahlqualifikation „Online-Handel“ spezialisieren. Mit den steigenden Herausforderungen im E-Commerce hätte das aber nicht mehr ausgereicht.

Das weiß auch Udo Brechtel, Ausbildungsleiter bei der IHK Lübeck. Der Online-Handel spiele zukünftig eine immer größere Rolle: „Die Nachfrage bei den Unternehmen ist groß. Wir müssen in diesem Bereich Fachkräfte ausbilden.“ Bisher hätten sich sechs Firmen für die neue Ausbildung interessiert. „Da kommen noch mehr“, ist sich Brechtel sicher.

 sha