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Wirtschaft im Norden Der letzte Schrei: Strafzinsen
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12:00 24.11.2019
n-tv-Experte Frank Meyer kommentiert poiniert die Börsenwoche. Quelle: privat
Frankfurt/Main

Es ist kein Geheimnis mehr, dass immer mehr Konten und Gelder von Strafzinsen wie Mehltau befallen werden. Das ist in etwa so wie Krätze. Am Anfang juckt es nur wenig, dafür später umso mehr. Da dieses Zinstabu gebrochen ist, wird der Frevel keine Gnade kennen. Banken nennen die Strafzinsen zynischerweise „Verwahrentgelt“, wobei sie nichts „verwahren“. Die Sache ist so verrückt, wie wenn in der Hölle das Brennmaterial ausginge und der Teufel nach Eiswürfeln fragte.

Ein Viertel der privaten Gelder verzehren sich von selbst. Unternehmen sind schlimmer dran. Die „Gebühren“ auf Guthaben sind nicht Teufels Werk, sondern Draghis Beitrag, den Markt auszuschalten. Daran wird sich unter Christine Lagarde nichts ändern. Sie setzt hörbar auf eine stärkere Fiskalpolitik, also mehr Staat. Wer aber finanziert den mehr oder weniger indirekt? Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel findet es übrigens bemerkenswert, dass eine Juristin EZB-Chefin werden kann, während niemand auf die Idee käme, dass eine Ökonomin ein oberstes Gericht leiten könnte.

Bei der EZB wird es anders, nicht besser

Lagarde wird die EZB-Strategie überprüfen. War die von Draghi etwa falsch? „Wir werden die Nebenwirkungen unserer Politik ständig beobachten“ sagte Lagarde. Wird es besser? Nein. Nur anders. Inzwischen warnt die EZB vor Problemen, die sie mit ihrer Zinspolitik selbst geschaffen hat. Als fährt sie auf eine Wand zu und versucht diese wegzuhupen. Das ist Realsatire.

Die Rettung kommt... aus Bayern. Markus Söder fordert einen staatlichen Ausgleich für Negativzinsen, als die EZB-Politik eine Naturgewalt sei. Das klingt charmant, wenn nicht gar populistisch. Käme es so, würden die Banken erst recht höhere Strafzinsen durchdrücken. Ob man später auch die Inflation und andere Vermögensschäden aufgrund dieser Gelddrucker steuerlich geltend machen kann?

Von Frank Meyer

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