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Wirtschaft im Norden Deutschlands TV-Hersteller Loewe kämpft gegen die Pleite
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22:16 16.07.2013
Ein Flachbildschirm im Showroom der Loewe-Zentrale in Kronach. Die Zukunft der Firma ist ungewiss. Quelle: Foto: dpa
Kronach

Der schwer angeschlagene TV-Gerätehersteller Loewe hat sich eine Verschnaufpause bis zum Herbst verschafft. Das Unternehmen aus dem fränkischen Kronach beantragte beim Amtsgericht Coburg gestern ein sogenanntes Schutzschirmverfahren für die Loewe AG und die Tochter Loewe Opta GmbH. Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang der Anträge. Das Gericht werde im Laufe der nächsten Tage entscheiden, ob es das Verfahren genehmigt. Die Besonderheit dieser relativ neuen Möglichkeit im deutschen Insolvenzrecht: Das Unternehmen kann versuchen, sich unter gerichtlichem Schutz zu sanieren — und wird weiter von seinem Management geführt. Das Verfahren gewährt angeschlagenen Unternehmen drei Monate Zeit für ein neues Sanierungskonzept.

Ausdrücklich betonte das Unternehmen: „Die Loewe AG und die Loewe Opta GmbH sind nicht zahlungsunfähig, so dass damit die wichtigsten Voraussetzungen für ein Schutzschirmverfahren, so wie es die Gesetzgebung vorsieht, gegeben sind.“ Alle Kundenaufträge würden erfüllt, und auch Lieferantenverbindlichkeiten würden beglichen. Das Schutzschirmverfahren soll betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger schützen, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. „Alle anderen in- und ausländischen Tochtergesellschaften arbeiten weiter wie bisher und nehmen nicht am Verfahren teil“, heißt es. Der Geschäftsbetrieb am Stammsitz im fränkischen Kronach mit seinen 800 Beschäftigten werde „uneingeschränkt fortgeführt“.

Die Krise von Loewe hatte sich schon länger abgezeichnet und Anfang Juni dramatisch zugespitzt: Weil massive Verluste mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt hatten, sah sich Loewe gesetzlich gezwungen, für Ende Juli die Aktionäre zu einer Hauptversammlung zu laden — um für eine Kapitalerhöhung zu werben. Frisches Geld soll von bestehenden und neuen Investoren kommen. Wichtigster Anteilseigner ist der japanische Elektronikriese Sharp mit knapp 29 Prozent (Ende 2012).

Loewe, 1923 von den Brüdern Siegmund und David Ludwig Loewe in Berlin gegründet, ist eine der letzten deutschen Traditionsmarken im Fernsehgeschäft, bei denen die Geräte noch in Deutschland produziert werden. Am Standort Kronach fertigt Loewe seit 1948. Allerdings muss das Unternehmen seit Jahren kämpfen. Der Markt ist von rasantem technologischen Wandel und den mächtigen Konkurrenten im Fernen Osten geprägt, wie zum Beispiel Samsung und Panasonic.

Loewe schreibt seit 2010 rote Zahlen. Der Umsatz ist seit 2008 rückläufig, von damals 374 auf 250 Millionen Euro 2012. Allein in den ersten drei Monaten 2013 brach der Umsatz um weitere 35 Prozent auf 43,5 Millionen Euro ein, unter dem Strich standen 11,6 Millionen Euro Verlust zu Buche. Ende März beschäftigte Loewe 988 Mitarbeiter. Im Rahmen der Restrukturierung „wurden zum 1. April 2013 180 Arbeitsplätze über alle Bereiche des Unternehmens abgebaut“.

Verschwundene Marken
Andere deutsche Elektronikfirmen sind längst vom Markt verschwunden. Grundig ging im April 2003 nach rund 60-jähriger Firmengeschichte pleite. Zwar werden unter dem Namen Grundig noch immer Geräte verkauft, doch hat nun die türkische Koç-Gruppe das Sagen. 1947 gründete Martin Mende die Norddeutsche Mende Rundfunk GmbH in Bremen. 1977 führt der verschärfte Wettbewerb zum Verkauf der Mehrheit an den französischen Konzern Thomson-Brandt, der auch die Marken Saba und Telefunken übernimmt. 2002 wird die insolvente Firma Schneider aus Bayern vom TCL-Konzern aus Hongkong übernommen.

LN

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