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Wirtschaft im Norden Die letzten Tage der LMG
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19:40 07.06.2019
Die beiden blauen Kräne sind weithin sichtbar: das Betriebsgelände der LMG Anlagenbau GmbH auf der nördlichen Wallhalbinsel. Quelle: 54°/Felix König
Lübeck

Die großen Gehäuse für Windanlagen, die an der Kaianlage auf Schiffe verladen werden, sind weithin sichtbar: Mehr als 30 Beschäftigte arbeiten bei der LMG Anlagenbau GmbH in der Lübecker Einsiedelstraße. Das Firmengelände bietet reichlich Platz: 38 000 Quadratmeter Hallen- und Montagefläche, 25 000 Quadratmeter Lagerfläche und 14 500 Quadratmeter Kaianlagen mit zwei Kränen gibt es. Zuletzt wurden hier noch Gehäuse und Türme für Windräder in Kroatien produziert. Doch die Windkraft-Branche hat seit längerem Probleme, der Ausbau stockt, Aufträge bleiben aus.

Kurzfristige Kündigungen

Ende Juni soll jetzt Schluss sein mit der Produktion in Lübeck. Die Beschäftigten seien am 24. Mai von einer Mitarbeiterin der KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau GmbH, der Muttergesellschaft, über die Schließung unterrichtet worden, am Tag darauf hätten sie bereits die Kündigungen im Briefkasten gehabt, heißt es aus den Reihen der Belegschaft. Dabei habe man noch vor Kurzem sogar sonnabends und sonntags gearbeitet, um die Aufträge abarbeiten zu können. Die Mitarbeiter wussten um die Flaute der Windkraft, hatten aber zumindest auf Kurzarbeit gehofft. Die kurzfristigen Kündigungen kamen für sie jetzt doch überraschend.

Kein Sozialplan

„Nach unseren Informationen soll der Betrieb geschlossen und die Arbeit an andere Standorte verlagert werden“, sagt Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG Metall Lübeck/Wismar. Die Mitarbeiter sind fast alle lange dabei, manche sind schon über 30 Jahre bei der LMG in Lübeck. Sie hätten Kündigungsklagen eingereicht. Einen Betriebsrat gebe es aber leider nicht und damit auch keinen Anspruch auf einen Sozialplan, betont Friedrich.

Die Lübecker Maschinenbau Gesellschaft (LMG) wurde im Jahr 1873 gegründet. An der Trave wurden zahlreiche Schiffe sowie Schwimmbagger und Schwimmkräne produziert.

Seit Oktober 2010 gehört die LMG Anlagenbau GmbH zur KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau GmbH, die wiederum seit 2006 Teil der Wilms-Unternehmensgruppe mit Sitz in Menden (Nordrhein-Westfalen) ist. „Wir machen dazu keine Angaben“, sagte eine Mitarbeiterin der Wilms-Gruppe auf die LN-Anfrage zur Schließung der LMG. Bei der KGW in Schwerin hieß es, die zuständige Mitarbeiterin sei in Urlaub.

Entwicklung zeichnete sich ab

„Eine Ära geht mit der Schließung der LMG Anlagenbau zu Ende. Eine Entwicklung, die sich über die letzten Jahrzehnte leider abgezeichnet hat“, sagt Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau. In den 60er Jahren hatte das Unternehmen noch gut 4000 Beschäftigte. Bereits im vergangenen habe es eine Ankündigung des Unternehmens gegeben, die LMG Anlagenbau im Laufe des Jahres 2019 schließen zu wollen, erklärt Lindenau. Als Grund seien unter anderem rückläufige Aufträge aus der Windenergieanlagen-Wirtschaft genannt worden.

Euphorie nach Übernahme

Vor neun Jahren war das noch ganz anders. Windkraft galt als lukratives Zukunftsgeschäft. Als die Schweriner Firma die LMG 2010 übernahm, war das eine Rettung in letzter Sekunde, der Endpunkt einer langen und für alle Beteiligten nervenaufreibenden Zeit der Ungewissheit. Die LMG-Mitarbeiter hatten harte Kompromisse geschlossen, um ihren Betrieb zu retten. Insolvenzverwalter Dr. Klaus Pannen dankte damals auch der Lübecker Verwaltung, die in erheblichem Maße zur Rettung des Unternehmens beigetragen habe. Mehrere Millionen Euro wurden in den Erhalt der LMG gesteckt, Geldgeber waren die Sparkasse zu Lübeck und Förderinstitute des Landes.

Wertvolles Gelände

Doch nun steht bald der letzte Arbeitstag bei der LMG an. „Es tut um jeden Arbeitsplatz weh, der verloren geht“, sagte Dirk Gerdes, Geschäftsführer der KWL Lübeck. Aber die Facharbeiter hätten bestimmt Chancen, neue Arbeitsplätze zu finden, hofft er. Was mit dem großen Gelände der LMG Anlagenbau GmbH passiert, ist noch unklar. „Das ist ein wertvolles Grundstück für die Stadtentwicklung“, sagt Gerdes. „Wir sind offen für Gespräche und würden uns freuen, wenn die Besitzer Kontakt aufnehmen.“

Lange Tradition

LMG, das ist in Lübeck ein klingender Name mit langer Tradition. Bereits 1873 gegründet, baute die Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft viele Spezialschiffe und vor allem Schwimmbagger. 1950 fusionierte die LMG mit Orenstein & Koppel. Ende der 50er Jahre arbeiteten 4200 Beschäftigte in dem Unternehmen an der Trave. 1987 stellte die LMG den Schiffbau ein, bis dahin waren hier 770 Schiffe, Schwimmkräne oder -bagger produziert worden. Nach einem Verkauf an Krupp in den 90er Jahren wurde das Unternehmen in Krupp Fördertechnik umbenannt. 2002 übernahm die Vosta B.V. aus den Niederlanden die Abteilung für Schwimmbagger. 2007 wurde das Unternehmen in LMG Anlagenbau GmbH umfirmiert, es hatte damals noch 110 Mitarbeiter. Im April 2010 stellte LMG Anlagenbau einen Insolvenzantrag, später wurde die Schließung zu Ende Juli 2010 angekündigt. Im Oktober 2010 übernahm die KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau die LMG.

Christian Risch

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