Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Digitalisierung: Verwaltungen müssen viel tun
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Digitalisierung: Verwaltungen müssen viel tun
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:26 11.11.2019
Das Hauptgebäude der Mach AG in der Lübecker Wielandstraße. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Wie gelingt die Digitalisierung von 575 Verwaltungsleistungen nach dem Onlinezugangsgesetz? Wie lässt sich der Verkehrsfluss in Städten optimieren? Wie sieht die Zukunft der Verwaltung im Zeitalter von Qantencomputing aus? Diese und viele andere Praxisfragen diskutierten die Teilnehmer des Kongresses – darunter namhafte Wirtschaftsvertreter wie Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk AG, und Jens Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck. Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Gastgeber Rolf Sahre, dem Vorstandsvorsitzenden der Mach AG, und gab einen Einblick in aktuelle Digitalisierungsprojekte in Lübeck.

Faxen nicht mehr zeitgemäß

Deutlich wurde, dass die Antworten auf aktuelle Herausforderungen in der klugen Umsetzung von digitalen Prozessen zu finden sind. Digitalisierung sei dabei der Motor, der Takt und Tempo in Gesellschaft und Verwaltung vorgibt. In deutschen Verwaltungen lässt jedoch insbesondere die Geschwindigkeit der Digitalisierung noch „viel Luft nach oben“. Dies belegten Statistiken, die Wolfgang Kubicki, Vizepräsident des Deutschen Bundestags und stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender, in seinem Vortrag zitierte. Dass die Kommunikation im Bundestag zum Großteil immer noch papierbasiert oder per Fax erfolge, sei für ihn „nicht mehr zeitgemäß und mit Blick auf die Umwelt auch nicht akzeptabel“.

Staat muss Vorbild sein

Kubicki sieht eine „große Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“ in der Tatsache, dass die deutsche Verwaltung nicht zu den „digitalen Vorreitern“ zählt. Unternehmen und Bürger erwarten heutzutage unkomplizierte Verwaltungsservices, die rund um die Uhr ortsunabhängig genutzt werden können. Die Digitalisierung biete hier große Chancen, um durch nutzerfreundliche Angebote ein Höchstmaß an Ansprechbarkeit zu gewährleisten. Hier müssten Staat und Verwaltung mit gutem Vorbild vorangehen, mahnte Kubicki. Für Ina-Maria Ulbrich, Staatssekretärin im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern, steht fest: „Die Digitalisierung wird die Kultur in den Verwaltungen massiv verändern.“ Der notwendige Wandel erfolge jedoch zu langsam, da Verwaltungen noch zu stark in Zuständigkeiten und Abhängigkeiten denken. Ulbrich forderte daher auf, die Sicht der Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen einzunehmen, um das Vertrauen in den Staat wiederherzustellen.

Sahre: Enger kooperieren

Mach-Vorstandschef Rolf Sahre ist, inspiriert von seinen Reisen ins Silicon Valley, fest davon überzeugt: „Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung gelingt besser und schneller, wenn Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung eng zusammenarbeiten und miteinander kooperieren.“ Daher gründete er gemeinsam mit der Universität zu Lübeck und mit Unterstützung der Landesregierung das Joint Innovation Lab(JIL). Prof. Dr. Moreen Heine, Leiterin des JIL, sagte: Die Zusammenarbeit in Netzwerken, wie sie im Joint Innovation Lab praktiziert werde, sei sehr aussichtsreich, da „die heutigen Herausforderungen in der öffentlichen Verwaltung keiner mehr allein lösen kann“. Für Bürgermeister Lindenau entstehen durch Kooperationen „völlig neue Lösungsansätze und Produkte“. Begeistert beschrieb er die derzeitige Zusammenarbeit von Technischer Hochschule, Universität, Wirtschaft und Stadtwerken in Lübeck, um Fragen der Mobilität und Echtzeitdatennutzung gemeinsam anzugehen.

Lesen Sie auch:

Von cri

Forscher warnen im 6. Ozeanreport eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung für Schleswig-Holsteins Küsten. Das Land plant mit einem Klimazuschlag mehr Hochwasserschutz. Doch: Helfen höhere Deiche?

10.11.2019

Mit einer neuen Abteilung will die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg (KSK) ihre wohlhabenden Kunden betreuen. Zunächst sind es 500, doch es sollen möglichst viele hinzukommen, erklärt die KSK.

10.11.2019

Die Nord-Länder setzen auf grünen Wasserstoff: Bis zum Jahr 2025 könnten 151.000 Autos mit dem Öko-Antrieb fahren. Dabei hoffen die Länder auf Unterstützung vom Bund. Er soll die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

07.11.2019