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Wirtschaft im Norden Bei Dräger geht’s im Bergbau weiter
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12:48 25.12.2018
Im eigenen Garten testet Bernhard Dräger ein Atemschutzgerät Quelle: Dräger
Lübeck

Wie gut funktionieren unsere Atemschutzmasken? Das fragte sich Bernhard Dräger, der Sohn des Firmengründers, und testete die ersten Masken höchstpersönlich im Garten, eine Schubkarre schiebend. Das große Grubenunglück von Courrières in Nordfrankreich im Jahr 1906, bei dem fast 1100 Menschen getötet wurden, hatte den Firmenchef tief betroffen gemacht. Er reiste nach Frankreich, um sich vor Ort ein Bild von den Arbeitsbedingungen im Bergbau zu machen. In der Folge entwickelte Dräger dann mit dem Modell 1904/09 die erste Atemschutzmaske, die weltweit Erfolg hatte.

Lange Tradition bei Dräger

Dräger und der deutsche Steinkohlebergbau – das gehört seit über hundert Jahren zusammen. Und so war es dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Dräger wichtig, am Freitag beim Festakt in Bottrop dabeizusein. „Der Steinkohle-Bergbau hat das Ruhrgebiet mehr als 100 Jahre geprägt“, sagte er. „Über all die Jahre haben wir gut und vertrauensvoll mit unseren Kunden zusammen gearbeitet. Dank des kontinuierlichen Dialogs mit ihnen konnten wir immer wieder innovative und zuverlässige Schutzausrüstung entwickeln. Dafür möchte ich ihnen von Herzen danken!“, sagte Dräger.

Nun ende eine Epoche, „und das macht einen schon betroffen. Wir sollten die Erinnerung bewahren und pflegen und nach vorne schauen“, sagte der Lübecker Unternehmenschef.

Seit über 100 Jahren unterstützt Dräger Bergbau-Firmen

Bergbau hat für das Unternehmen eine große Bedeutung, das Geschäftsfeld war so etwas wie die Initialzündung für Dräger in Deutschland“, sagt Axel Bahr, der seit 28 Jahren beim Unternehmen arbeitet und seit 2005 für die Sektion Bergbau verantwortlich ist. „Seit über hundert Jahren haben wir die Grubenretter in deutschen Zechen ausgestattet. Wir hatten über all die Jahre immer einen sehr guten und engen Draht zum deutschen Steinkohlebergbau, alle Generationen der Drägers haben sich mit dem Bergbau identifiziert.“

Lange Partnerschaft mit RAG

Dräger und die RAG sind seit langem Partner, die Maschinen des Lübecker Unternehmens waren jahrzehntelang unter Tage und in den Zechen im Einsatz. Und von diesen engen Kontakten profitiert das Lübecker Unternehmen jetzt. „2014 kam die RAG auf uns zu , wir haben dadurch gut ausgebildete Mitarbeiter bekommen. Wir haben den Bedarf, sie haben die Spezialisten.“, sagt Bahr. Acht Grubenwehrmitglieder, die bisher bei RAG gearbeitet haben, hat Dräger zu Jahresbeginn in sein Dräger Safety AG in Krefeld (Nordrhein-Westfalen) übernommen. 

Dort planen sie das Sicherheitsmanagement bei Revisionen und unvorhergesehenen Stillständen von Anlagen. „Auf unsere Grubenwehren war und bin ich stolz“, erklärte Peter Schrimpf, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RAG, im RAG-Mitarbeitermagazin „Steinkohle“. „Deswegen freut es mich umso mehr, dass Dräger den engagierten jungen Männern die Chance auf eine sichere berufliche Zukunft bietet.“ Das zurückliegende Jahr haben sie zur Einarbeitung genutzt.

Geschäfte im Ausland

Das Grubenrettungswesen in Deutschland wurde bereits 1910 gegründet. Sehr früh hatte Dräger auch eine Dependance in den USA. Noch heute heißen die Grubenretter „Draegermen“, „das ist dort ein stehender Begriff“, sag Axel Bahr. In Lübeck arbeitet er in einem Team von acht Kollegen, die sich mit dem Thema Bergbau beschäftigen.

„Auch wenn die Förderung jetzt beendet wird, bedeutet das für uns nicht das Ende des Geschäfts. Bergbau ist immer noch ein stark wachsendes Geschäftsfeld“, erklärt Axel Bahr. „Wir investieren weiter in den Bereich, immer in enger Abstimmung mit unseren Kunden.“ Die Hauptregionen für Bergbau sind jetzt die USA und Kanada, Australien, China und Indien, aber auch Skandinavien. Grubenretter werden weltweit gebraucht, und damit auch die Ausrüstung des Lübecker Unternehmens.

Christian Risch