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Wirtschaft im Norden Dräger kündigt Personalabbau an
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Dräger kündigt Personalabbau an
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17:24 27.08.2019
Dräger – hier das Werk in der Revalstraße – ist eines von zwei börsennotierten Unternehmen aus Lübeck. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Die Lübecker Dräger AG hat einen „gezielten Personalabbau“ angekündigt. Die Firma mit Sitz in Lübeck, einer der führenden Hersteller im Bereich der Medizintechnik und von Personenschutzausrüstungen, beschäftigt weltweit über 14 000 Mitarbeiter, davon rund 5000 in Lübeck. Die Maßnahmen, mit denen vor allem Personalkosten eingespart werden sollen, seien notwendig, um der „anhaltend schwachen Ergebnisentwicklung“ entgegenzuwirken und das Unternehmen wieder zukunftsfähig zu machen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Konzern will Zukunftsfähigkeit sichern

„Unser oberstes Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern“, erklärte Konzernchef Stefan Dräger. „Und damit letztlich auch die Arbeitsplätze in Lübeck.“ Mit Betriebsrat und IG Metall wird nun intensiv über das weitere Vorgehen beraten.

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Noch lasse sich das Wort „Personalabbau“ nicht wirklich konkretisieren, sagte Unternehmenssprecherin Melanie Kamann den LN. „Entlassungen im klassischen Sinn planen wir nicht.“

Belegschaft soll auf Einkommen verzichten

Betriebsrat und IG Metall teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass der Dräger-Konzern von der Belegschaft einen Einkommensverzicht für die nächsten drei Jahre fordere. Der Arbeitsplatzabbau solle im Rahmen der bereits angekurbelten Restrukturierung erfolgen. „Möglichst über sozialverträgliche Lösungen“, hofft Daniel Friedrich von der IG Metall Lübeck-Wismar. Wie hoch der Gehaltsverzicht sein solle und ob es wirklich ohne Entlassungen abgehen könne, sei unklar. „Das sind genau die Fragen, die wir auch gestellt haben.“ Beides sei Thema der Verhandlungen in den nächsten Tagen und Wochen. „Über die Aufnahme müssen unsere Mitglieder bei Dräger entscheiden.“

Er persönlich halte Gehaltsverzicht und Stellenabbau für das falsche Instrument. Es müsse nun darum gehen, die Mitarbeiter zu motivieren und ein Arbeitsklima „weg von Befehl und Gehorsam“ aufzubauen. Entsprechende Strukturmaßnahmen seien insofern richtig und notwendig. „Es ist eine sehr ernste Situation“, betonte Friedrich.

Betriebsrat: „Angriff auf Existenz Beschäftigter“

Auch Betriebsratsvorsitzender Siegfried Kasang forderte eine „zukunftsorientierte Veränderung“. Diese werde es „nur mit den Beschäftigten, nicht gegen sie“ geben. „Der jetzige Angriff auf die Existenz und die finanzielle Situation der Beschäftigten bedeutet das genaue Gegenteil.“

Probleme mit Medizintechnik und Logistik

Bereits Anfang des Jahres hatte Konzernchef Stefan Dräger in seinem Geschäftsbericht einen Gewinnrückgang um 60 Prozent im Jahr 2018 beklagt, Umstrukturierungen angekündigt und einen Personalabbau nicht ausgeschlossen. Während der Bereich Sicherheitstechnik zulegte, bereite insbesondere die Medizintechnik Probleme. „Die Profitabilität ist sehr schlecht“, führte Melanie Kamann aus. Neue Produkte kämen nicht schnell genug auf den Markt, die Funktionskosten seien zu hoch.

Starke Gewinneinbrüche

Dräger erzielte 2018 weltweit einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro. Das Lübecker Unternehmen ist in 190 Ländern vertreten. Der Bruttogewinn (Ebit) lag 2018 bei 62,6 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 155,7 Millionen Euro. Die Ebit-Marge, also das Verhältnis von Gewinn zum Umsatz, betrug 2,4 Prozent (2017: 6,1 Prozent). Der Jahresüberschuss lag bei 34,9 Millionen Euro (2017: 98,5 Millionen).

Ungeplante Logistikkosten aus dem Vorjahr schlugen auch 2019 noch zu Buche. Am Verteilzentrum am Frankfurter Flughafen gab es LN-Informationen zufolge monatelang Probleme mit der Auslieferung, so mussten Ersatzteile über hunderte Kilometer mit dem Taxi transportiert werden. Viele Bestellungen konnten nicht ausgeliefert werden.

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Von Marcus Stöcklin