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Wirtschaft im Norden Der E-Highway ist endlich betriebsbereit
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15:56 05.12.2019
Die Probefahrt auf dem E-Highway klappte problemlos – noch mit einem geliehenen Fahrzeug. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck/Kiel

Nach knapp zweistündiger Probefahrt war alles klar. Der Anlage und ihrer „Oberleitungsinfrastruktur“ wurde jetzt die „ordnungsgemäße Funktion“ bescheinigt. Geprüft hatten das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel, das auch für die Umsetzung und den Betrieb zuständig ist, sowie der für den Autobahnabschnitt zuständige Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV).

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) zeigte sich nach der technischen Abnahme erleichtert: „Die Fertigstellung dieser Versuchsanlage hat nun zwar etwas länger gedauert als ursprünglich geplant, aber entscheidend ist, dass demnächst ein reibungsloser Betrieb beginnen kann.“

Start mit monatelanger Verspätung

Eigentlich hatte die Anlage, die ein Konsortium von Siemens und SPL Powerlines gebaut hat, schon im Sommer in Betrieb gehen sollen. Schwierigkeiten bei der Herstellung der ersten Hybrid-Lkw hatten die Inbetriebnahme verzögert. Im September hatte ein Gutachter Verstärkungen an den Auslegern empfohlen. Das Land, das rechtlich für die Anlage verantwortlich ist, wollte auf Nummer sicher gehen – und besserte nach. Alle 250 Masten der Oberleitungsanlage entlang der A 1 zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck wurden noch einmal geprüft und teilweise verstärkt.

Erkenntnisse zur klimafreundlichen Mobilität

Buchholz und sein Kabinettskollege, Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), erwarten aus dem Forschungsprojekt Erkenntnisse über die praktische Umsetzbarkeit der Elektromobilität auch für schwere Lastwagen. „Wir wollen den emissionsfreien Güterverkehr erreichen, und dafür ist die Erprobung der Oberleitungstechnologie ein wichtiger Baustein. Ich bin zuversichtlich, dass uns dieses Pilotprojekt wichtige Erkenntnisse auf dem Weg zur klimafreundlichen Mobilität und Logistik liefern wird“, sagte Albrecht.

Erster Hybrid-Lkw soll noch im Dezember kommen

Der Regelbetrieb soll nach jetzigem Planungsstand in der ersten Jahreshälfte 2020 starten. Die Spedition Bode aus Reinfeld (Kreis Stormarn) will die Strecke im täglichen Pendelbetrieb nutzen. Nach Planungen des LKW-Herstellers Scania soll der erste oberleitungstaugliche Hybrid-Lkw in der zweiten Dezemberhälfte geliefert werden. Nach Justierungsarbeiten und Funktionstests stehen erneut Testfahrten an – mit und ohne Lasten. „Zudem müssen die Fahrer geschult werden, bevor es in den Realbetrieb geht“, erklärt Kai Bode, geschäftsführender Gesellschafter.

Vier Touren pro Tag geplant

Sein Unternehmen transportiert Waren von Reinfeld zum Lübecker Hafen, unter anderem für den Discounter Lidl. Vom Skandinavienkai und vom Seelandkai geht es per Schiff weiter, vom Lehmannkai mit dem Zug. „Und der fährt schon ausnahmslos elektrisch bis Stockholm“, sagt Bode. Nach seinen Angaben wird ein Hybrid-Lkw etwa vier Touren pro Tag machen, also täglich acht Mal die Strecke benutzen. Im Laufe des Jahres soll die Zahl der Lkw auf fünf aufgestockt werden.

Modellversuch kostet 26 Millionen

Das Bundesumweltministerium investiert rund 26 Millionen Euro in den Modellversuch, der neben dem Bau und Betrieb der Teststrecke in Schleswig-Holstein auch die wissenschaftliche Begleitforschung umfasst. Ziel ist eine technische, ökonomische und ökologische Bewertung des Oberleitungssystems nach wissenschaftlichen Kriterien und unter realen Bedingungen. Dazu soll drei Jahre lang erprobt werden, ob die Oberleitungstechnik für den deutschen Straßenverkehr tauglich ist und ob Güter auf diese Weise künftig klimaschonend auf der Straße transportiert werden können.

Schleswig-Holstein ist nach Hessen das zweite Bundesland, das eine solche Teststrecke für Elektro-Lastwagen erhält.Eine dritte Teststrecke wird derzeit in Baden-Württemberg geplant. Insgesamt investiert das Bundesumweltministerium rund 50 Millionen Euro in den Feldversuch.

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