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Wirtschaft im Norden EU gibt grünes Licht: Bayer darf Monsanto übernehmen
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20:10 21.03.2018
„Viele Bürger haben uns ihre Sorgen mitgeteilt“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.
„Viele Bürger haben uns ihre Sorgen mitgeteilt“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Quelle: Foto: Virginia Mayo/ap/dpa
Brüssel

Die EU-Wettbewerbshüter haben unter strengen Auflagen grünes Licht für die milliardenschwere Übernahme des US-Saatgutproduzenten Monsanto durch den Bayer-Konzern gegeben. Der Agrarchemiekonzern Bayer habe weitreichende Zusagen gemacht und müsse noch Teile seines Geschäfts abgeben, sagte gestern die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Die Bedenken der Wettbewerbshüter seien damit ausgeräumt. Bayer kommt damit der Branchenführerschaft einen entscheidenden Schritt näher.

Der Leverkusener Konzern will den US-Konkurrenten für umgerechnet 51 Milliarden Euro übernehmen. Bayer würde damit zum größten Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern der Welt aufsteigen. Staaten wie China, Südafrika und Brasilien haben bereits zugestimmt, das Okay der US-Behörden steht aber noch aus.

Der Schwerpunkt von Bayers bisherigem Agrargeschäft liegt auf Pflanzenschutzmitteln, Saatgut macht nur einen kleinen Teil aus. Bei Monsanto ist es anders herum.

Es war früh klar, dass Bayer Abstriche machen und Geschäftsteile verkaufen muss. Nun müssen die Leverkusener mehr abgeben als ursprünglich geplant. Die EU-Wettbewerbshüter verpflichten Bayer dazu, Geschäfte mit einem Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Euro abzugeben. Das spült dem Konzern mehrere Milliarden Euro in die Kassen: Vertraglich ist bereits vereinbart, dass BASF 5,9 Milliarden Euro für bestimmte Pflanzenschutzmittel und verschiedene Saatgut-Arten zahlt, zum Beispiel für Raps und Soja. Zudem soll das Gemüsesaatgut-Geschäft komplett an die Ludwigshafener verkauft werden, hier ist der Kaufpreis noch unklar.

Überschneidungen zwischen Bayer und Monsanto in den Bereichen Saatgut und Pflanzenschutzmittel müssten beseitigt werden, hieß es aus Brüssel. Bayer macht gut ein Viertel seines Umsatzes in seiner Agrarsparte, in der 20 000 Mitarbeiter tätig sind. 2017 kam der Konzern hier auf Erlöse von 9,6 Milliarden Euro. Der US-Konzern Monsanto aus Saint Louis brachte es mit seinen ebenfalls 20 000 Mitarbeitern zuletzt auf einen Jahresumsatz von 14,6 Milliarden Dollar (11,8 Milliarden Euro).

Dem Verkauf an BASF müsste die EU-Kommission noch zustimmen, die Frist dafür laufe bis zum 16. April, sagte Vestager. Erst dann könne es das endgültige Okay für den Bayer-Monsanto-Deal geben.

Gegen die Übernahme habe es erhebliche Bedenken gegeben, sagte Vestager. Die EU-Kommission habe eine Million Schreiben, Mails und Twitter-Mitteilungen erhalten. Dabei sei es etwa um genmanipulierte Lebensmittel und deren Risiken gegangen.

Bayer zeigte sich erleichtert über das grüne Licht aus Brüssel. Dies sei „ein großer Erfolg und ein bedeutender Meilenstein“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. Umweltschützer und Grünen-Politiker warnen allerdings vor zu großer Marktmacht des Konzerns. „Ich halte die Fusion für falsch“, sagte Parteichef Robert Habeck.

Kritik von Umweltschützern

Das Agrar-Schwergewicht Monsanto ist der weltgrößte Hersteller von Saatgut – die US-Firma setzt dabei oft auf Gentechnik. Zudem verkauft Monsanto Pflanzenschutzmittel, darunter auch den Unkrautvernichter Glyphosat. Wegen seiner Genmanipulationen, Patentklagen und seines starken Lobby-Einflusses wird die Firma immer wieder scharf von Umweltschützern, Grünen und Kleinbauern kritisiert. Monsanto stellt sich hingegen als innovative Firma da, die die Produktivität der Landwirtschaft steigert.

Alkimos Sartoros und Wolf von Dewitz