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Wirtschaft im Norden Ebola: Lübecker Firma arbeitet an Schnelltest
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Ebola: Lübecker Firma arbeitet an Schnelltest
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22:20 22.10.2014
Ein Arbeiter zieht sich in Bietigheim (Baden-Württemberg) einen Ebola-Schutzanzug an. Die Nachfrage nach solchen Schutzanzügen ist in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen. Quelle: Kjaer/dpa
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Berlin

Fortschritt im Kampf gegen Ebola: Das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) will als erstes europäisches Krankenhaus einen Ebola- Impfstoff an Menschen erproben. Zugleich wird weiter an Schnell- Tests für den Nachweis der Viruserkrankung gearbeitet — auch bei dem Lübecker Unternehmen Euroimmun. Das Bundesforschungsministerium stellt fünf Millionen Euro für neue Ebola-Forschungsprojekte bereit.

„Wir brauchen dringend verlässliche Diagnose- und Behandlungsmethoden, diese müssen mit Hochdruck entwickelt werden“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) gestern in Berlin. Dringend sei zum Beispiel ein Ebola-Schnelltest, der in Westafrika einsetzbar sei, wo bereits mehr als 4500 Menschen an dem Virus gestorben sind. Daran werde zusammen mit einer Jenaer Firma geforscht, erklärte sie.

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„Auch wir arbeiten in unseren Forschungslaboren in Lübeck und Dassow an einem Test, mit dem man Ebola nachweisen kann“, bestätigte gestern Daniela Fink von Euroimmun. Das Projekt sei allerdings noch in einem sehr frühen Stadium. Bisher lassen sich Ebola-Viren im Blut nur durch aufwändige Verfahren in speziell gesicherten Labors nachweisen. Das dauert jeweils mehrere Stunden und erfordert einen hohen logistischen Aufwand, etwa für den Transport der Proben. Das Blut von Ebolakranken ist hochansteckend. In Deutschland sind bisher nur zwei Labore der höchsten biologischen Schutzstufe in Hamburg und Marburg in der Lage, diese Testverfahren durchzuführen. Das Hamburger UKE plant Tests mit dem Ebola-Impfstoff an 30 gesunden Probanden, sagte die Infektionsforscherin Marylyn Addo gestern. Sie gehört zu den leitenden Tropenmedizinern am UKE. Dabei solle es um die Sicherheit des Impfstoffs gehen. Das Serum sei in Kanada entwickelt worden. Zuvor müssten das Paul-Ehrlich-Institut und die Ethik-Kommission der Klinik dem Versuch zustimmen.

Mit Hochdruck wird auch bei den Herstellern von Schutzkleidung gearbeitet: So wird beim mittelständischen Unternehmen Dach aus Bietigheim bei Karlsruhe jetzt in drei Schichten produziert. „Alle Mitarbeiter müssen mehr arbeiten“, berichtete Geschäftsführerin Ming Gutsche. Um den Ansturm bewältigen zu können, wurden Zeitarbeiter angeheuert. Es seien schon jetzt so viele Spezialanzüge verkauft worden wie sonst in einem ganzen Jahr nicht.

Weil auch der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Dräger Schutzanzüge herstellt, bekommt das Unternehmen zurzeit enorm viele Anfragen. „Doch leider können wir diese Nachfrage nicht befriedigen“, sagte ein Sprecher. Dräger stelle schwere Schutzanzüge für die Industrie her, nicht die leichte Schutzbekleidung, die Helfer und Ärzte im Umgang mit Ebola-Kranken brauchen. jup

Zu wenig Helfer
In Deutschland haben sich bisher zu wenig Freiwillige für einen Ebola-Einsatz in Westafrika gemeldet. Von den 483 Bewerbern seien 196 grundsätzlich geeignet, darunter 82 Ärzte, teilte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit. Das reicht aber nicht aus, um die zwei geplanten DRK-Behandlungszentren in Sierra Leone und Liberia monatelang zu betreiben. Das Personal soll alle vier Wochen ausgetauscht werden.

 

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