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Wirtschaft im Norden Ex-Lufthansa-Manager Lauer führt den Dräger-Aufsichtsrat
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21:19 04.05.2018
Stefan Lauer wurde am Freitag nach der Dräger-Hauptversammlung in der Lübecker MuK einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Quelle: Neelsen
Lübeck

Der 63-jährige Lauer, der schon seit fünf Jahren Mitglied im Dräger-Aufsichtsrat ist, hat von 1997 bis 2013 in verschiedenen Funktionen im Vorstand der Lufthansa AG gearbeitet. Er wurde gestern einstimmig zum Vorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter ist erneut Siegfrid Kasang, der Betriebsratsvorsitzende. Zugleich sitzen jetzt mit Maria Dietz (56) aus Stuttgart und Astrid Hamker (51) aus Osnabrück erstmals zwei Frauen für die Anteilseignerseite im Gremium. Für die Arbeitnehmerseite sind erneut Nike Benten und Bettina van Almsick vertreten. Mit vier Frauen im zwölfköpfigen Aufsichtsrat erfüllt Dräger damit jetzt die gesetzliche 30-Prozent-Vorgabe.

Zuvor war Nikolaus Schweickart nach zehn Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender verabschiedet worden – mit vielen warmen Worten auch des Konzernchefs. „In allen Fragen waren Sie mir ein wunderbarer Ratgeber. Für diese zehn Jahre kann ich Ihnen gar nicht genug danken“, sagte Stefan Dräger. Auch die Aktionärsvertreter bedankten sich für die jederzeit faire Zusammenarbeit. Schweickart erklärte, er werde das Unternehmen „auch mit einem Stück Wehmut“ verlassen. „In Zukunft werde ich von meinem Lehnstuhl aus die Zukunft von Dräger mit Interesse verfolgen.“

Der Vorstand um Stefan Dräger erläuterte den Aktionären bei der äußerst spärlich besuchten Hauptversammlung in der Musik- und Kongresshalle – zeitweise waren nur 50 bis 60 Aktionäre im großen Saal – das Geschäftsjahr 2017. Es sei ein „gutes Jahr“ gewesen, sagte Dräger, das Unternehmen sei wieder gewachsen. Mit dem Effizienzprogramm habe man auch die Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Aber negative Wechselkurseffekte hätten dem Konzern zu schaffen gemacht. Das Jahr 2018, in das Dräger sehr schwach gestartet ist, berge Risiken und Unsicherheiten in wichtigen Märkten. Nachdem Dräger zwei Jahre in Folge nur die Mindestdividende ausgeschüttet hatte, wolle das Unternehmen jetzt und in den Folgejahren wieder mindestens zehn Prozent des Jahresüberschusses an die Anteilseigner ausgeben.

Konkret bedeute das 46 Cent je Vorzugsaktie und 40 Cent je Stammaktie.

Doch dieser Vorschlag erntete deutliche Kritik. „Aus Sicht der Aktionäre kann man nicht zufrieden sein“, sagte Dirk Unrau von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). „Ich stelle fest, dass die mahnenden Worte der Aktionäre sie nicht erreicht haben.“ Nur zehn Prozent Ausschüttung sei im Vergleich mit anderen Unternehmen viel zu wenig. Und auch die Kursentwicklung der Dräger-Aktie – ein Minus von neun Prozent im vergangenen Jahr – sei enttäuschend. „Das bedeutet einen Unterschied von 50 Prozent zum Durchschnitt im TecDax“, erklärte Unrau. Auch Peter Tschirner von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisierte den Dividendenvorschlag. „Das liegt deutlich unter dem, was möglich wäre. Das ist einfach das falsche Signal und nicht ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Tschirner.

Christoph Schäfers von der Sparta AG, einer Hamburger Beteiligungsgesellschaft, sprach gar von einer „katastrophalen Entwicklung“ und einer „chaotischen Dividendenpolitik“. Dräger habe ein „Management-Problem an der Führungsspitze“, sagte Schäfers und forderte Stefan Dräger auf, „einen Schritt zurückzutreten“ und seine Kompetenzen auf Fachleute zu verlagern.

„Unser Interesse als Vorstand ist die langfristige Sicherung des Unternehmens, auch wenn die Bilanz eine höhere Ausschüttungsquote zulassen würde“, entgegnete Stefan Dräger. „Bis auf weiteres beabsichtigen wir, nicht mehr als 10 Prozent des Überschusses auszuschütten.“ Unterstützung erhielt Dräger dabei erneut von Daniel Friedrich von der IG Metall. „Investitionen in neue Produkte führen uns besser in die Zukunft als eine größere Ausschüttung an die Aktionäre“, sagte Friedrich im Anschluss an die Hauptversammlung. Und die Dividende sei ja schon gestiegen.

Lübeck als Herzstück

Von den weltweit insgesamt 13739 Beschäftigten von Dräger arbeiteten Ende vergangenen Jahres 47 Prozent in Deutschland und davon wiederum drei Viertel in Lübeck, nämlich mehr als 4900. Das bedeute einen Zuwachs gegenüber 2010 um fast 1000 Mitarbeiter. Zuletzt war die Zahl der Stellen in Lübeck wieder gestiegen, vor allem durch Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung und in der IT. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung seien gewachsen, vor allem am Stammsitz.

 Christian Risch

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