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Wirtschaft im Norden Familien-Power: Drei Generationen unter einem Firmendach
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Die Taschenlampe ist ihr Handwerkszeug: Emma Kleinfeldt (88, vorn) arbeitet mit Enkelin Lina (25) und Sohn Lutz (55) zusammen im „Lübecker Wachunternehmen“. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Viele Mitarbeiter des „Lübecker Wachunternehmens“ kennen Lina Kleinfeldt schon, seit sie ein Baby war. Heute, mit 25 Jahren, arbeitet sie selbst in dem Betrieb, den ihr Großvater einst gründete. „Ich habe nie erlebt, dass mich deshalb jemand nicht ernst genommen hat“, sagt sie. Ihr Ziel ist es, die rund 250 Mitarbeiter starke Firma zu übernehmen. Wann das sein wird, steht aber noch nicht fest. „Ich nehme mir viel Zeit, sie einzuführen und den Kunden vorzustellen“, sagt ihr Vater Lutz Kleinfeldt, der aktuelle Chef.

Bei ihm selbst ist es damals anders gelaufen. Er war gerade einmal 15 Jahre alt, als sein Vater starb. „Meine Mutter musste damals ins kalte Wasser springen und den Betrieb weiterführen, während ich die Schule beendet habe, zur Bundeswehr gegangen bin und noch BWL studiert habe“, erinnert er sich. 1986, mit 26 Jahren, übernahm er die Firma. „Dadurch, dass mein Vater nicht da war, kam es mir so vor, als würde ich ein neues Unternehmen aufbauen.“

Seine Mutter Emma Kleinfeldt ist inzwischen 88 Jahre alt, kommt aber immer noch täglich ins Büro. Und seit November 2013 arbeiten am Herrendamm in Lübeck sogar drei Generationen der Familie Kleinfeldt zusammen. Lina Kleinfeldt stieg damals als Assistentin der Geschäftsführung ein. Sie betreut die Auszubildenden, beschäftigt sich mit Vertrieb und Personalplanung und ist in den Umbau der Notrufzentrale involviert. „Als Chef eines mittelständischen Unternehmens muss sie alles kennenlernen und wissen, wie was geht“, sagt ihr Vater.

Generell funktioniere die Zusammenarbeit mit der eigenen Familie sehr gut. „Vielleicht pflaumt man seine Tochter mal etwas mehr an, als man es bei anderen Mitarbeitern machen würde“, gibt Lutz Kleinfeldt zu. „Aber wir kennen uns gut genug, um damit umgehen zu können.“ Privat versuchen alle drei, möglichst wenig über die Arbeit zu reden. „Beim Mittagessen ist es sogar verboten“, sagt Lina Kleinfeldt. „Es ist wichtig, andere Themen zu haben, um sich zu erholen.“

Schon zu Schulzeiten stand für Lina Kleinfeldt fest, dass sie mal in den Familienbetrieb einsteigen will. „Es war nie so, dass mich mein Vater gedrängt hat“, sagt sie. Mit 14 Jahren sammelte sie erste Berufserfahrung, indem sie zum Beispiel die Ablage machte. Später war sie bei Fußballspielen als Ordnerin im Einsatz. Nach dem Abitur begann Lina Kleinfeldt dann, an der Hochschule der Polizei in Hamburg Sicherheitsmanagement zu studieren. Und demnächst will sie im Fernstudium einen Master in Kriminologie dranhängen.

Sie habe einen Job gewollt, bei dem sie nicht acht Stunden am Tag nur vor dem Computer sitze. Und das klappe gut. Zu Weiterbildungen, Tagungen und Seminaren schickt ihr Vater inzwischen sie hin. Und so, wie es derzeit aussieht, wird Lina Kleinfeldt später bei der Unternehmensführung auch noch Unterstützung bekommen. Ihr Bruder Leon, 22, hat ebenfalls vor, in den Betrieb einzusteigen, wenn er sein BWL-Studium beendet hat. „Wir verstehen uns super. Ich denke, dass wir gut zusammenspielen werden“, sagt Lina Kleinfeldt, und ihr Vater ergänzt: „Es ist eine tolle Perspektive, die wir haben.“

Emma Kleinfeldt gehören zurzeit noch rund 49 Prozent des Betriebs, die restlichen Anteile hält ihr Sohn. „Wir müssen mal gucken, wie wir die Anteile weitergeben“, sagt Lutz Kleinfeldt. „Wir machen uns darüber bereits mit Steuerberatern und anderen Experten Gedanken.“ Das Schwierigste bei Firmenübergaben innerhalb der Familie sei aber die Altersvorsorge des Seniors, sagt er. „Die Kinder wissen oft nicht, wie sie das Geld aufbringen sollen.“ Er habe sich deshalb frühzeitig gut abgesichert, um seine Kinder nicht zu belasten.

Aber noch kann sich Lutz Kleinfeldt eh nicht vorstellen, in den Ruhestand zu gehen. „Ich werde sicherlich noch in zehn Jahren arbeiten, aber dann vielleicht schon etwas weniger als heute“, sagt er und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, es nicht so lange zu machen wie meine Mutter.“

In der nächsten Folge: Ein Alten- und Pflegeheim wird übernommen.

Janina Dietrich