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Wirtschaft im Norden Firmen stehen in den Startlöchern
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06:00 15.07.2019
Hier soll auf dänischer Seite bei Rödbyhavn die Tunneleinfahrt entstehen. Quelle: Femern A/S
Lübeck

Noch ist der genaue Baustart nicht absehbar, und das aktuelle Gutachten des Naturschutzbundes (die LN berichteten) ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Doch wenn dann der erste Spatenstich für den Fehmarnbelttunnel bevorsteht, wollen deutsche Firmen aus der Region vorne mit dabeisein. 22 Firmen mit insgesamt mehr als 10 000 Mitarbeitern und über 1,4 Milliarden Euro Umsatz haben sich im Unternehmen Baltic Facility Solutions (Baltic FS) zusammengeschlossen. „Unsere Firmen investieren in die Chance, am Bau der Fehmarnbelt-Querung teilzuhaben“, sagt Geschäftsführer Mirko Schönfeldt.

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Konsortium zu Besuch

Im Juni waren Vertreter des Baukonsortiums Femern Link Contractors (FLC), ein Zusammenschluss großer europäischer Baukonzerne, zu Gesprächen im Kieler Wirtschaftsministerium und trafen sich auch mit Vertretern von Baltic FS. „Es war uns wichtig, bereits zu diesem frühen Zeitpunkt auch die Verbindung zu den Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung herzustellen, um zu zeigen, dass wir die großartigen Veränderungen gemeinsam mit den Menschen aus Holstein vornehmen möchten und nicht über sie hinweg“, sagte Michael Fröhlich vom international tätigen Bauunternehmen Max Bögl nach dem Treffen.

Sieht große Chancen: Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer der Baltic FS. Quelle: IHK zu Lübeck/Grün

Vertrauen erarbeitet

„Dass FLC zu uns gekommen ist, ist ein großartiger Erfolg und eine tolle Anerkennung für uns“, sagt Schönfeldt. Der Bauherr Femern A/S habe großes Interesse daran, Menschen aus der Region am Bau zu beteiligen. „Unser Vorteil: Wir kennen das Projekt sehr gut. Durch unsere permanente Arbeit und Präsenz am Projekt haben wir uns ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und unsere Arbeiter müssen nicht in Container schlafen, sondern fahren nach ihrer Schicht nach Hause zu ihren Familien, damit haben eine faire Chance im Wettbewerb um die Aufträge“, so der Baltic-FS-Geschäftsführer. Ein Vorteil sei auch, dass man sich eine 15-Hektar-Fläche direkt an der Tunnelbaustelle auf Fehmarn gesichert habe.

Gute Startposition

Einer der Gründungsmitglieder von Baltic FS ist Thilo Gollan, der mit seiner Gollan Gruppe mit dem Hauptsitz Beusloe (Kreis Ostholstein) in den Bereichen Recycling, Hochbau, Tiefbau, Immobilien und verschiedenen Handwerken tätig ist und etwa 460 Beschäftigte hat. „Wir wollen, dass auch die Menschen und Unternehmen in unserer holsteinischen Heimat an der Wertschöpfung teilhaben“, sagt Gollan. „Auch wenn nicht wir, sondern Kunden von uns Aufträge bekommen, kommt das am Ende auch uns und allen anderen zugute. Dann stehen wir auch nach Inbetriebnahme des Tunnels in der neuen Fehmarnbeltregion auf einer guten Startposition“.

Auch Menschen und Unternehmen aus der Region sollen an der Wertschöpfung teilhaben, sagt Unternehmer Thilo Gollan. Quelle: Fotograf Lutz Roeßler

Sicherheitskonzept vorgelegt

Die von den regionalen Firmen angebotenen Arbeiten reichen vom Errichten der Baustelleneinrichtung über die Ver- und Entsorgung der Baustelle bis zur Bewachung des gesamten Areals, inklusive eines Sicherheitskonzepts. „Bei diesem größten Absenktunnel der Welt genießt das Thema Sicherheit höchste Priorität“, erklärt Lutz Kleinfeldt vom Lübecker Wachunternehmen. „Bereits in der ersten Angebotsphase konnten wir zusammen mit unseren Partnern auf deutscher und dänischer Seite mit unseren technischen Lösungen überzeugen. Darauf sind wir stolz und das motiviert uns, auch nach Fertigstellung des Tunnels mit unseren dänischen Partnern weiter an gemeinsamen Projekten zu arbeiten“, sagt Kleinfeldt.

Das Thema Sicherheit hat höchste Priorität, sagt Lutz Kleinfeldt vom Lübecker Wachunternehmen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Schnell vor Ort

„Es wäre schon sehr reizvoll und interessant, als regionales Tiefbauunternehmen, spezialisiert auf Abwasserentsorgungs- Kabelleitungs- und Verkehrswegebau, an diesem gewaltigen Infrastrukturprojekt mitwirken zu können“, sagt Joachim Grothe, Chef von Grothe Bau. „Durch unsere regionale Präsenz können wir schnell vor Ort sein, falls es kurzfristige oder überraschende Bedürfnisse tiefbaulicher Art auf der Baustelle zu erledigen gibt. Die großen am Bau beteiligten Unternehmen sind hier oft nicht so flexibel“, so Grothe.

Angebote über 110 Millionen Euro

Es gehe auch um viele andere Tätigkeiten wie Beleuchtung, Catering, und Reinigungsarbeiten, sagt Schönfeldt. Allein 700 Türen würden im Tunnel gebraucht und 230 Hektar Fliesen verbaut. Auf dänischer Seite würden 85 Prozent der 7,1 Milliarden Euro für das Projekt verbaut, auf deutscher Seite 15 Prozent, also eine knappe Milliarde Euro. „Über die Bauzeit von achteinhalb Jahren gibt es hier Geld zu verdienen. Wir haben allein dem Hauptkonsortium FLC bereits Angebote in Höhe von circa 110 Millionen Euro gemacht“, erklärt der Baltic-FS-Geschäftsführer. Sein Fazit: „Es zeigt sich deutlich: Lokale Firmen können globale Leistungen erbringen.“

Christian Risch

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