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Wirtschaft im Norden Experten geben viele Antworten zum Thema Geld
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22:23 04.11.2019
Finanzbildungstag 2019 in der Lübecker MuK: Stefanie Dommasch von der Fondsgesellschaft Union Investment erklärt Schülerinnen und Schülern die Vermehrung von Geld. Quelle: 54°/Felix König
Lübeck

Eine Hoffnung musste Markus Gürne gleich zu Beginn zunichte machen. „Niedrigste Zinsen begleiten uns jetzt schon seit Jahren, und aller Voraussicht nach wird sich das auch auf lange Sicht nicht ändern“, erklärte der ARD-Experte, bekannt aus der Sendung „Börse vor acht“. „Vermögensbildung in unsicheren Zeiten“ lautete sein Kurzvortrag, mit dem er die Podiumsdiskussion auf dem Finanzbildungstag in der Lübecker MuK einleitete. Die Veranstaltung wurde von der Madsack Media Agentur mit den Volksbanken Lübeck und Eutin, der VR-Bank Ostholstein-Nord/Plön, der Fondsgesellschaft Union Investment und den LN organisiert.

Mit Gürne diskutierten Andreas Brandt, Portfoliomanager von Union Investment, und Jan Zummack, Vermögensberater der Volksbank Eutin. LN-Chefredakteur Gerald Goetsch und der Leitende LN-Redakteur Lars Fetköter moderierten die Podiumsdiskussion rund ums Thema Geld.

Keine höheren Zinsen

„Ich bin jetzt 48 und rechne nicht damit, dass es in meinem Berufsleben noch einmal Zinsen gibt“, sagte Gürne. Die Deutschen hätten viel zu viel Geld auf dem Sparbuch. „Wir müssen umlernen und verstehen, dass wir Rendite nicht mehr so wie früher bekommen. Wir müssen an Unternehmen teilhaben“, erklärte der Börsenexperte. „Ich will niemanden in Aktienfonds jagen, ich habe nichts zu verkaufen, aber ich möchte, dass Menschen die Zusammenhänge verstehen“, sagte Gürne.

Die Beratung sei schwieriger als in vergangenen Jahren, erklärte Zummack. „Es gibt nichts mehr ganz ohne Risiko“. Aber natürlich könne man das Risiko mit guter Beratung minimieren. Er rate seinen Kunden dazu, das Vermögen in verschiedene Bausteine zu investieren. Nachhaltigkeit sei bei Investitionen zuletzt immer wichtiger geworden, betonte Brandt. „Wir erwarten, dass das anhält und nachhaltig produzierende Unternehmen bessere Wachstumschancen haben und somit auch ihre Aktien sich besser entwickeln“, erklärte der Fondsmanager. Auf steigende Zinsen zu warten, habe keinen Sinn.

Kaufkraft geht verloren

„Ich möchte das gerne ergänzen.“, hakte Gürne ein. „Das Sparbuch ist keine sichere Geldanlage. Ganz sicher geht da Geld kaputt, es geht Kaufkraft verloren“, warnte er. Und auch zum Thema Gold hatte er eine klare Meinung: Damit gibt es nichts zu gewinnen, es sei eher eine Versicherung. Wer Gold haben möchte, mache es „aus romantischen Gründen“. Lebensversicherungen, Negativzinsen, Immobilienblasen, die Auswirkungen des Brexit – viele Themen an diesem Abend waren hochaktuell. Und auch aus dem Publikum kamen Fragen. „Wie entwickeln sich Betriebsrenten?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Auch die stehen unter Druck“, sagte Gürne. Und natürlich sei das Preisniveau bei Immobilien inzwischen sehr hoch, sagte Brandt.

Scheu vor Aktien

Konkrete Tipps, von welchem Unternehmen man Aktien kaufen sollte, gab keiner der Experten, aber Hinweise schon. Er selbst habe sehr früh angefangen, in erfolgreiche Unternehmen seiner Heimatstadt Stuttgart zu investieren, verriet Gürne. „Ich bin überzeugter Aktionär“, bekannte auch Andreas Brandt. Aber die Scheu vor Aktienkauf spüre er in Gesprächen, sagte Jan Zummack. „Es ist eine Frage der Zeit, bis es sich in richtige Richtung entwickelt.“ Er empfehle Investitionen in Aktienfonds.

Finanzrallye in der MuK

Am Vormittag hatten bereits 600 Schülerinnen und Schüler aus Lübeck und dem Kreis Ostholstein eine Finanzrallye in der MuK absolviert. Was sind Kryptowährungen? Sind Bitcoins eigentlich sicher? Fragen wie diese mussten die Schülerinnen und Schüler aus 25 Klassen beantworten. Mit Fragebogen und Kugelschreiber zogen sie von Station zu Station, berieten sich, diskutierten die richtige Lösung oder suchten Rat bei ihren persönlichen Guides – und machten dann ihr Kreuzchen. An den Litfaßsäulen der Station waren viele Antworten schon im Text zu entdecken, zum Beispiel, dass der Begriff Hausse eine Phase steigender Börsenkurse bezeichnet und Baisse das Gegenteil. Oder dass vor 3000 Jahren Muscheln als Zahlungsmittel dienten, die ersten Münzen um 600 v. Christus aufkamen.

Geld für die Klassenkasse

„Geld ist ein verdammt wichtiges Thema“, hatte LN-Chefredakteur Gerald Goetsch bereits bei seiner Begrüßung gesagt. Wie finanziert man das neue Smartphone? Wo kann man Geld anlegen? „Unser Ziel ist es, einen souveränen Umgang mit Finanzen zu vermitteln“, sagte Goetsch, der gemeinsam mit dem Leitenden LN-Redakteur Lars Fetköter und Patrick Gierlata, Trainee der VR Bank Ostholstein-Nord/Plön, durch den Tag führte. Gierlatas Empfehlung ans junge Publikum: „Nehmt so viel an Wissen mit, wie es geht, aus diesem Tag.“ Die Gewinner der Finanzrallye konnten sich später über Geld für die Klassenkasse freuen.

Zeit ist entscheidender Faktor

Danach standen die Experten auf dem Podium Rede und Antwort. „Die Bankausbildung hat mir viel gebracht, ich habe gelernt, wie wichtig der richtige Umgang mit Geld ist“, sagte Patrick Gierlata. Auf die Frage, welchen Rat er für junge Menschen in Sachen Finanzen habe, sagte der Börsenexperte Markus Gürne: „Am wichtigsten ist es zunächst, ein Grundverständnis dafür zu entwickeln, wie Politik, Wirtschaft und Finanzen zusammenhängen.“ Dazu sollte man sich mit Unternehmen und ihren Produkten beschäftigen. Und was das Thema Geldanlage angehe: „Zeit ist ein entscheidender Faktor, um Vermögen zu bilden. Das geht auch schon mit kleinen Beträgen.“ Das Reden über Geld im Elternhaus und in der Schule helfe sehr weiter.

600 Schülerinnen und Schüler informierten sich gestern in der Lübecker MuK über das Thema Geld und Finanzen – auf dem Finanzbildungstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken und der Lübecker Nachrichten. Am Abend diskutierten Experten über Geldanlage.

Ab wann darf man Aktien kaufen?

„Was würden Sie mir empfehlen, wie ich am besten sparen soll?“, wollte Tim aus Eutin wissen. „Wenn Du nächstes Jahr mit dem Geld einen Führerschein machen willst, dann brauchst Du es nicht anzulegen. Aber wenn du dein Sparziel erst in drei Jahren erreichen willst, dann lohnt sich das schon, in Fonds zu investieren und sich bei der Bank beraten zu lassen.“ Florian aus Eutin hatte eine Frage, wie Börsianer beurteilen, ob Kurse steigen oder fallen. „Das ist immer eine Frage von Angebot und Nachfrage und wie viele Aktien auf dem Markt sind“, sagte Gürne. „Ab welchem Alter kann man Aktien kaufen?“, wollte Sophie aus Lübeck wissen. „Es gibt keine Grenze. Wer nicht volljährig ist, muss aber seine Eltern mit zur Bank nehmen“, erklärte Gierlata.

Eine Lücke geschlossen

„Die Schülerinnen und Schüler lernen hier wichtige Dinge“, sagte Konstantin Erb von Madsack. Einige Schülerinnen und Schüler brächten bereits Vorbildung mit, andere würden die ersten Erkenntnisse gewinnen. „Wir wollen ein gutes Angebot machen und schließen damit eine Lücke, weil Finanzbildung im Unterricht selten eine Rolle spielt. Das ist eine Möglichkeit für Schüler und Lehrer, miteinander über das Thema zu reden“, erklärte Erb.

Prien lobt Organisatoren

Finanzbildung ist eine wichtige Schlüsselkompetenz. Sie ist die Grundlage für kompetente Entscheidungen und eine bessere finanzielle Vorsorge“, hatte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) als Schirmherrin in einem Grußwort geschrieben. Mehr Wissen über Geld und Finanzen bewahre Jugendliche davor, in die Schuldenfalle zu tappen und bereite sie auf die finanzielle Eigenständigkeit vor. „Finanzbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie findet nicht nur in den Schulen statt, sondern auch außerhalb – in der Familie oder auch auf Veranstaltungen wie dem heutigen Finanzbildungstag hier in Lübeck“, schrieb Prien, die den Organisatoren für Ihr Engagement dankte und „allen eine spannende und lehrreiche Veranstaltung und immer ein gutes Händchen für Ihre Finanzen“ wünschte.

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Von Christian Risch

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