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Wirtschaft im Norden Die Schiffs-Ausrüster am Nord-Ostsee-Kanal
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17:00 03.03.2019
Übergabe mit einem Kran: Die Firma HMS in Kiel beliefert Schiffe in der Kanalschleuse mit Lebensmitteln und allem, was an Bord gebraucht wird.
Übergabe mit einem Kran: Die Firma HMS in Kiel beliefert Schiffe in der Kanalschleuse mit Lebensmitteln und allem, was an Bord gebraucht wird. Quelle: HMS
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Kiel

Ob Farbrollen, Handfeger und Arbeitshandschuhe oder Eier, Limonade und Duschgel – im Lager der Firma Hanseatic Marine Services (HMS) in Kiel findet sich alles, was Schiffsbesatzungen auf den Meeren brauchen. HMS liegt direkt an der Holtenauer Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals (NOK). „Die Schiffe liegen maximal eine halbe Stunde hier in der Schleuse, in der Zeit müssen wir beliefern“, erklärt Vertriebsleiter Florian Werwendt (32). „Die Schiffe müssen uns eine Mail schicken oder anrufen, was sie benötigen.“ Hierfür sei es wichtig, dass die Schiffe ihre geschätzte Ankunftszeit in Kiel mitsenden, die Ware werden dann für sie gestellt.

Arbeit rund um die Uhr

„Wir beliefern hier Schiffe rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, auch an Feiertagen. Bestellt wird hier alles, von Tiefkühl-Fleisch über Dosen, Obst, Gemüse, Mehl, Schokolade, Bier, Spirituosen, Zigaretten bis hin zu Duschgel, Putzlappen oder Schrubbern für die Arbeit. Und öfter auch technische Einzelteile, zum Beispiel eine Wasserpumpe, und manchmal auch eine Waschmaschine“, erzählt Werwendt, der seit 2003 im Unternehmen arbeitet.

Florian Werwendt, Vertriebsleiter von HMS. Quelle: 54° / John Garve

Zuerst war er im Bereich für Flusskreuzfahrtschiffe tätig, seit Anfang 2016 ist er HMS-Vertriebsleiter für den Bereich Nord-Ostsee-Kanal und Häfen. Im Gebäude von HMS sind die Büros sowie ein Lager.

Niederlassung in Singapur

Früher gehörte das Gelände der Firma Zerssen & Co, die sich im Jahr 2003 mit Citti zusammenschloss. 2008 haben Zerssen und Citti dann den Schiffsausrüster HMS gekauft. Seitdem ist HMS eine 100-prozentige Tochter der Citti-Gruppe mit ihrer Zentrale in Kiel. Hamburg ist der Hauptsitz von HMS, Niederlassungen gibt es neben der in Kiel auch in Nürnberg für die Flusskreuzfahrtschiffe und in Singapur. In Kiel sind es etwa 70 Mitarbeiter, in Nürnberg 25, in Hamburg 100 und in Singapur 110 Mitarbeiter.

Auch Weihnachtsbäume werden geliefert

An Bord eines Schiffes sei es wie in einer großen Familie. „Wir stellen uns auf die besonderen Wünsche ein. Wir haben zum Beispiel viele Seeleute aus dem asiatischen Raum, aber auch viele Russen oder Seeleute aus den baltischen Ländern. Ihnen bieten wir Produkte aus der Heimat an“, erzählt Werwendt. „Jedes Jahr haben wir auch zahlreiche Bestellungen für echte Weihnachtsbäume. Dazu bieten wir natürlich auch die Kerzen, Christbaumschmuck, Stollen und Dominosteine und was sonst noch gewünscht wird.“

Fahrt über die Schleusentore

Die Bestellung braucht HMS am besten 48 Stunden, spätestens aber 24 Stunden vor der Ankunft des Schiffes, um pünktlich liefern zu können. „Wir haben hier auch ein kleines Lager mit Standardartikeln, um kurzfristig reagieren zu können. Mit kleinen Elektrotransportern fahren wir dann über die Schleusentore und dann direkt an das Schiff und laden die Paletten um“, sagt der Vertriebsleiter.

Mit solchen E-Fahrzeugen werden die Lieferungen über die Schleusentore gefahren. Quelle: 54° / John Garve

Am Wochenende sei das Schifffahrtsaufkommen in der Regel höher als unter der Woche. „Pro Jahr beliefern wir hier in Kiel etwa 6000 Schiffe, wir arbeiten in einem Vier-Schicht-System mit jeweils zwei Personen im Außendienst, sowie zwei Lageristen in Früh- und Spätschicht.“ Neben der Handelsschifffahrt werden Fähren und Ausflugsschiffe im Kieler Hafen und anderen Liegeplätzen versorgt.

Alte Infrastruktur des Kanals

Dass der Nord-Ostsee-Kanal gut funktioniert, sei eine Grundvoraussetzung für das Geschäft hier an den Schleusen des Kanals. „Die veraltete Infrastruktur ist ein großes Problem für die Schifffahrt und somit auch für uns“, sagt HMS-Geschäftsführer Frank Engellandt (55). Er ist seit 1980 in der Schiffsausrüstung tätig – zuerst für die für die Firma Zerssen & Co., später für Zerssen & Citti, jetzt für HMS. 2016 kam es zu einer zeitweisen Vollsperrung des NOK. „Das ist für alle Wirtschaftsbeteiligten ein ganz großes Problem. Wir hoffen alle, dass der Ausbau und die Modernisierung des NOK schnell vorankommt“, erklärt Engellandt.

„Die Großkunden in den Geschäftsbereichen der See- und Flusskreuzfahrt werden über unsere Niederlassungen und großen Lagerstandorte in Hamburg und Nürnberg abgewickelt“, berichtet Engellandt. „Von hier aus werden die Schiffe in deutschen und internationalen Gewässern sowie auf allen Flüssen Europas beliefert.“

Christian Risch