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Wirtschaft im Norden Fünf Korvetten für die Marine: Chance für deutsche Werften
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22:10 17.10.2016
Berlin

Ein Großauftrag für den Bau von fünf weiteren Korvetten für die deutsche Marine könnte den Werften im Norden ein gutes Geschäft bescheren sowie Arbeitsplätze sichern. Bereits 2019 sollen die ersten beiden neuen Schiffe in Dienst gestellt werden, vier Jahre später drei weitere. Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg (CDU), schätzt die Kosten des Rüstungsgeschäfts auf 1,5 Milliarden Euro. Die SPD- Haushälterin Bettina Hagedorn begrüßte zwar grundsätzlich die Anschaffung weiterer Korvetten. Zugleich mahnte sie an, mit der Industrie „wasserdichte Verträge“ abzuschließen. Die langwierigen technischen und finanziellen Probleme mit den derzeit eingesetzten Korvetten dürften sich keinesfalls wiederholen, sagte sie den LN.

„Die Initiative entspricht dem Bedarf vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Entwicklungen.“ Marineinspekteur Andreas Krause

Es wird damit gerechnet, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Rüstungsvorhaben am Donnerstag im Haushaltsausschuss des Bundestages vorstellen wird. Mit sogenannten „Verpflichtungsermächtigungen“ könnte das Vorhaben für die kommenden Jahre haushaltstechnisch verankert werden. Hagedorn erwartet, dass in der entscheidenden Bereinigungssitzung am 11. November bereits die Weichen für das Rüstungsgeschäft gestellt werden.

Die Marine fordert schon lange die Erweiterung des aus fünf Schiffen der Braunschweig-Klasse K 130 bestehen Korvetten-Geschwaders. Vor allem internationale Einsätze beanspruchten die Einheiten und Besatzungen bis über das Limit. Hinzu kommt, dass die letzten Schnellboote, die jahrzehntelang in der Ostsee im Einsatz waren, im kommenden Monat endgültig außer Dienst gestellt werden. Die neuen Korvetten stehen offenbar auch im Zusammenhang mit neuen sicherheitspolitischen Anforderungen im Ostseeraum, vor allem Unsicherheiten in Bezug auf Russland.

Der Marineinspekteur, Vizeadmiral Andreas Krause, begrüßte deshalb die jetzige parlamentarische Initiative für weitere moderne Kampfschiffe. Sie entspreche „dem Bedarf vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Entwicklungen und den damit im Zusammenhang stehenden Einsatzanforderungen an die Deutsche Marine“, sagte er den LN. Kritik am Milliarden-Auftrag kam dagegen von der Opposition. Noch im März sei die Verteidigungsministerin davon ausgegangen, dass die Marine nur die bisherigen fünf Korvetten benötige, monierte der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner. Die Linken-Verteidigungspolitikerin Christine Buchholz lehnte den Milliardendeal grundsätzlich ab.

Die bislang eingesetzten fünf Korvetten wurden in den Werften von Blohm+Voss (Hamburg), der Lürssen-Werft (Bremen) sowie der Nordseewerke GmbH (Emden) gefertigt. Allerdings waren die Schiffe mit einer Reihe von Problemen behaftet. So mussten etwa deren Antriebe aufwendig umgerüstet werden. Bei Tests stürzten Raketen weit entfernt vom Ziel, ab. Inzwischen ist dieses Problem behoben.

Reinhard Zweigler