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Wirtschaft im Norden Für Commerzbank-Kunden wird es teurer
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19:00 27.09.2019
Ein Techniker arbeitet am Commerzbank-Logo. Das Institut will sich mit harten Einschnitten gegen Zinstief und Ertragsschwäche stemmen. Quelle: Marius Becker/dpa
Lübeck/Frankfurt

Die Bank werde „Preisänderungen vornehmen“, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt. Dies sei nötig im andauernden Zinstief. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden halte man aber fest, sagte er. Der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Geldhauses hatte am Donnerstag der neuen Strategie des Vorstands zugestimmt, mit der die Commerzbank unterm Strich 2300 weitere Stellen streichen, die Kosten kräftig drücken und ein Fünftel ihrer rund 1000 Filialen schließen will. Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Widerstand angekündigt.

Großstädte betroffen

In Schleswig-Holstein hat die Commerzbank noch 40 Filialen mit insgesamt etwa 360 Mitarbeitern. Rein rechnerisch würde das bedeuten, dass hier acht Filialen geschlossen werden. Doch Stefan Wittmann, bei der Gewerkschaft Verdi Fachbereichsleiter für Finanzdienstleistungen, rechnet anders. „Ich glaube nicht, dass in Schleswig-Holstein viele Filialen geschlossen werden. Hier wurde das Netz schon früher ausgedünnt, und die Kunden halten der Bank zum Glück die Treue“, sagt er. Bei den Filialschließungen gehe es vor allem um die großen Ballungsgebiete wie das Ruhrgebiet, Berlin und Frankfurt. „Leider wird es auch Hamburg treffen“, sagt der Verdi-Experte.

„Bleiben in der Fläche“

Wo genau Filialen aufgegeben werden, stehe noch nicht fest, sagt Thomas Kleyboldt, Pressesprecher der Commerzbank in der Region Nord. „Das wird jetzt in den Gremien mit den Betriebsräten besprochen“, sagt er. „Klar ist: Wir werden auch weiterhin ein großes Filialnetz in den Städten und im ländlichen Raum anbieten.“ Die persönliche Beratung habe nach wie vor einen großen Stellenwert. Auch im Firmenkundengeschäft setze die Commerzbank weiterhin auf eine „starke Präsenz in der Fläche“, weil die Bank viel Wachstumspotenzial sehe. Verdi-Experte Wittmann rechnet „im ersten Quartal 2020“ mit einer Entscheidung darüber, welche Standorte geschlossen werden,

Investitionen in Digitalisierung

Vorstandschef Zielke erklärte, die Commerzbank investiere 750 Millionen Euro in eine stärkere Digitalisierung ihres Geschäfts, etwa den Ausbau des mobilen Bankings. Mit der Strategie werde die Bank „wetterfest“. Das Institut mit zuletzt 40 700 Vollzeitkräften verabschiedete sich vom Ziel, die bereinigten Erträge in diesem Jahr zu steigern. Erst bis 2023 sollen die gesamten Einnahmen wieder zulegen und die Rendite auf das Eigenkapital schrittweise steigen – auf dann über 4 Prozent. Dabei soll auch das Anwerben von einer Million neuer Privatkunden bis Ende 2023 helfen - womit das bisherige Tempo gedrosselt werde. Einer Million inaktiven Kunden soll gekündigt werden. Die Klienten, die das Institut 2009 von der Dresdner Bank übernommen hatte, kosteten Geld.

Keine Negativ-Zinsen

Welche Gebühren genau steigen sollten, ließ Zielke offen – etwa, ob künftig ein regelmäßiger Geldeingang oder Zahlungsverkehr Voraussetzung für ein kostenloses Konto sein werden. Die Bank hat bereits Gebühren etwa für Papier-Überweisungen eingeführt. Negativzinsen für vermögende Privatkunden erteilte Zielke eine Absage: „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Die Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen beziffert die Commerzbank auf 850 Millionen Euro. Um diese zu stemmen, will das Geldhaus die Mehrheitsbeteiligung an ihrer polnischen Tochter mBank verkaufen.

Was wird aus Comdirect?

Ihre Online-Tochter Comdirect, die ihre Zentrale in Quickborn hat, will die Commerzbank dagegen ganz übernehmen und mit dem Mutterkonzern verschmelzen. Für Comdirect-Kunden soll sich vorerst nichts an den Konditionen ändern, hieß es. „Für uns ist natürlich eine spannende Frage, was aus Comdirect wird“, sagt Frank Schischefsky, Sprecher von Verdi in Schleswig-Holstein.

Beratungen gefragt

Immer weniger Bankkunden gehen regelmäßig in eine Filiale, sagt Michael Herte, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Die sinkende Zahl von Filialen habe aber einen Effekt auf die Arbeit der Verbraucherschützer. „Was wir merken ist, dass mehr Menschen in unsere Beratungen kommen, um sich zu informieren oder etwas erklären zu lassen“, sagt er. „Und wir haben nicht vor, unsere Beratungsstellen zu schließen.“

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