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Wirtschaft im Norden Garnelen aus Grevesmühlen
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09:22 02.11.2014
Betriebsleiter Marcus Thon präsentiert die „White Shrimps“ der Garnelen-Farm. 15 Tonnen Shrimps will die Farm ab kommendem Februar jährlich verkaufen.
Betriebsleiter Marcus Thon präsentiert die „White Shrimps“ der Garnelen-Farm. 15 Tonnen Shrimps will die Farm ab kommendem Februar jährlich verkaufen. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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Grevesmühlen

Sie sind ein echtes Edelprodukt auf dem Fischmarkt und dabei bislang fast ausschließlich aus dem Ausland erhältlich: Frische Shrimps. Doch genau das möchten Gerrit Quantz und York Dyckerhoff jetzt ändern und haben die Garnelen-Farm Grevesmühlen GmbH gegründet. Im Februar 2015 soll erstmals geerntet werden. Dann wird es fangfrische Garnelen auf Eis aus der Region zu kaufen geben. In dieser Form ein einzigartiges Projekt auf dem deutschen Garnelenmarkt.

Es riecht nach Fischfutter und Heizungsluft, es ist brütend heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 100 Prozent. Gerrit Quantz lehnt trotz Hitze und feuchten Klimas gelassen an einem riesigen Wasserbecken. „Ich habe früher in Singapur gearbeitet, mir macht das hier nichts aus“, sagt er und blickt in das Bassin vor ihm. Dort wimmelt es von kleinen bläulichen Tierchen, die wild durcheinander schwimmen. „Unsere Garnelen sind noch klein. Die Letzten sind erst in der vergangenen Woche zu uns gekommen“, erklärt der Geschäftsführer der Farm. 200 000 waren es, um genau zu sein. Diese Anzahl an Larven werde ab sofort in monatlichem Rhythmus in die Becken gesetzt. Am Ende sollen in Grevesmühlen kontinuierlich rund eine halbe Million Shrimps in vier Wassertanks aufwachsen.

Seit September betreibt der Fischerei-Biologe Gerrit Quantz zusammen mit seinem Geschäftspartner York Dyckerhoff die etwas andere Tierzucht am Stadtrand von Grevesmühlen. „Vor zwei Monaten war das Ganze noch ein Acker“, berichtet Quantz. Dass hier nun eine Garnelen-Farm steht, ist gar nicht so abwegig. Denn für die Zucht von Garnelen braucht es kein Meer, sondern vor allem viel Wärme, erklärt Quantz. Und diese bekommt die Garnelenfarm von der örtlichen Kläranlage, die sich direkt nebenan befindet. „Wir heizen mit Abwärme und haben in der Halle ein eigenes, von der Umwelt komplett abgeschottetes Kreislaufsystem geschaffen.“ Und noch etwas sprach ganz klar für den Standort in Mecklenburg-Vorpommern. Die finanzielle Förderung von Aquakulturprojekten durch das Land. „Wir haben einen 40-prozentigen Zuschuss aus Landes- und EU-Mitteln erhalten“, sagt der Geschäftsführer.

Während Gerrit Quantz erzählt, streut Betriebsleiter Marcus Thon eine Art Pulver in das Becken mit den Garnelen. Diese scheinen sich darüber zu freuen: Sie stürzen sich auf die Stelle, an der die Krümel gelandet sind. „Wir füttern unsere Garnelen rund um die Uhr. So vermeiden wir Kannibalismus unter den Tieren“, sagt Thon. Gefüttert wird nur mit nachhaltig gefischtem Fischmehl. „Da unsere Shrimps ohne Medikamente oder andere Zusätze gezüchtet werden, könnte man schon sagen, dass es sich bei diesen Garnelen um Bio-Shrimps handelt“, meint Quantz. Allerdings verbietet die EU die Bio-Zertifizierung von künstlichen Zuchtanlagen, wie der in Grevesmühlen. „Wir arbeiten daher erstmal daran, das sogenannte ASC-Label der Naturschutzorganisation WWF zu erhalten“, erklärt Thon.

Im Februar wollen Gerrit Quantz und seine Mitarbeiter auf der Garnelen-Farm in Grevesmühlen zum ersten Mal ernten. Dann sollen die hier gezüchteten „White Shrimps“, wie sich die Garnelenart der Grevesmühlener nennt, in den Verkauf gehen. 15 Tonnen pro Jahr sollen es im Idealfall werden.

Die Vermarktung der edlen Tierchen wollen Quantz und sein Team in Schleswig-Holstein und Hamburg selber übernehmen. „Dabei wollen wir vor allem an die gehobene Gastronomie und Privatkunden liefern“, sagt Quantz. Für rund 38 bis 40 Euro pro Kilogramm soll es die Shrimps aus der Region Mecklenburg-Vorpommern ab dem kommenden Jahr dann auch über einen geplanten Internetshop zu kaufen geben.

Larven aus Florida
Die Bezeichnungen „Garnele“ und „Shrimp“ sind gleichbedeutend. Garnelen gehören zu den Zehnfußkrebsen. Die Shrimps der Garnelen-Farm wachsen in den Zuchtbecken auf eine Größe von bis zu 15 Zentimeter heran und können 30 Gramm schwer werden. Die Larven werden aus Florida angeliefert. In der Natur können die Tiere bis zu 23 Zentimeter groß werden.

Marieke Stender