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Wirtschaft im Norden Diese Maschinen machen ganz alleine sauber
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06:00 20.05.2019
Informatiker Joscha Stelljes steuert die selbstständig fahrende Reinigungsmaschine über ein Tablet. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Bad Oldesloe

Mit einem leisen Sirren bewegt sich die weiße Maschine über den Boden, zieht langsam ihre Bahnen. HiOne ist ihr Name, sie ist der Prototyp einer autonomen Reinigungsmaschine. Hako-Mitarbeiter Joscha Stelljes (33) steuert die Maschine über ein Tablet. Mit einer 3-D-Kamera kann die Maschine den Raum genau erfassen und später auch ganz allein und automatisch fahren. Steht ein Hindernis im Weg, zum Beispiel ein Mensch oder eine Kiste, stoppt sie und weicht aus – dank ihres Sensors.

Hochkomplexes System

Hinter dem, was so kinderleicht aussieht, steckt harte Arbeit an einem hochkomplexen System. „Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, so etwas zu programmieren“, sagt Stelljes, der vor zwei Jahren von der Uni Lübeck als Informatiker zu Hako kam. „Das ist unser erstes autonomes Gerät“, sagt Marco Peters (51), Produktionsleiter Digitalisierung und Systeme bei Hako. „Ganz wichtig ist, dass die Reinigungskräfte das Gerät leicht bedienen können.“ Man habe schon die Gelegenheit gehabt, HiOne im einem Supermarkt live zu testen. „Unser Ziel ist, die anspruchsvolle Technik auf alle Geräte auszudehnen“, erklärt Peters.

Thema der Zukunft

Die Motorhacke, die Firmengründer Hans Koch einst erfand, war damals eine bahnbrechende Erfindung für die Landbearbeitung. Mit HiOne arbeitet das Unternehmen wieder an einer revolutionären Neuerung. „Hako hat als Unternehmen und Marke einen sehr guten Ruf und 70 Jahre Historie hinter sich. Die Weiterentwicklung von Produkten hat uns schon immer beschäftigt“ , sagt Mario Schreiber (48), geschäftsführender Vorstand von Hako und Mitglied des Vorstands von Possehl, der Muttergesellschaft von Hako. „Das Thema autonome Reinigung ist Teil unserer Zukunft, ebenso wie Elektroantriebe für alle unsere Maschinen. Hier ist die Schwierigkeit, Batterien mit entsprechender Leistungsstärke in der Größe zu finden, die in unsere Maschinen passen.“

Mit Kunden abstimmen

Im Moment arbeiten die Hako-Spezialisten an Maschinen, die teilautonom sind. Die Reinigungsgeräte für den Innenbereich können entweder bedient werden oder selbst fahren. „Entscheidend ist: was will unser Kunde? Gebäudedienstleister und der Handel haben zunehmend Probleme, Fachkräfte für die Reinigung zu gewinnen, deshalb steigt das Interesse an selbstfahrenden Maschinen“, erklärt Schreiber.

Kooperation mit Hochschulen

Hako kooperiere bei diesem Thema auch mit anderen Firmen, etwa aus der Landmaschinentechnik. Außerdem arbeiten wir auch eng mit den Hochschulen in Lübeck und Start-ups zusammen, von der Uni Lübeck kamen bereits einige Informatiker. Weil Hako einen sehr guten Ruf in der Ausbildung habe, gebe es erfreulicherweise auch eine hohe Anzahl von Bewerbern um Lehrstellen. Zurzeit suche man dringend Mitarbeiter im Bereich Software-Engineering. Autonome Reinigungsmaschinen nach dem Vorbild von HiOne seien vorerst in der Innenreinigung denkbar, bei der Außenreinigung in Städten sei das schwieriger. Schreiber: „Hier gibt es die gleichen Probleme wir für selbstfahrende Autos, aber auch damit setzen wir uns intensiv auseinander.

In Bad Oldesloe arbeiten Entwickler daran, alle Reinigungsmaschinen von Hako auch für den autonomen Betrieb auszurüsten. HiOne ist der Prototyp.

Citymaster weltweit erfolgreich

Mit Reinigungsfahrzeugen der Marke Citymaster wachsen Hako gerade stark im Ausland. „Über 1000 Maschinen werden pro Jahr verkauft, in Deutschland haben wir damit einen Marktanteil von über 30 Prozent“, sagt der Vorstand. Auch im Ausland wachse der Markt sehr stark, es gab Großaufträge aus Vietnam und China. „Hier sind wir Weltmarktführer. Citymaster sind derzeit unsere größte Wachstumschance.“ Entwickelt werden die Citymaster in Bad Oldesloe und Glindow in Brandenburg. Der größte einzelne Produktbereich sei die Innenreinigung. „Jedes Jahr bringen wir in den unterschiedlichen Segmenten neue Produkte auf den Markt. Unser Geschäft ist sehr robust, denn in die Sauberkeit der Städte und Umwelt wird immer investiert“, erklärt Schreiber. Berlin, Hamburg und München seien große Kunden von Hako. „Wir wachsen aber insbesondere durch die Internationalisierung.“

Rekorde bei Umsatz und Ergebnis

Hako ist seit 2007 eine 100-prozentige Tochter der Possehl-Gruppe und hat im Geschäftsjahr 2018 eine historische Bestmarke mit 440 Millionen Euro Umsatz aufgestellt, das Wachstum lag währungsbereinigt über neun Prozent, erklärt der geschäftsführende Vorstand Mario Schreiber. „Mit der wirtschaftlichen Entwicklung sind wir sehr zufrieden. Für dieses Jahr haben wir uns 450 Millionen Euro vorgenommen.“ In den vergangenen zehn Jahren habe Hako acht mal Rekordwerte beim Gewinn vermelden können, für das vergangene Jahr habe man eine Erfolgsprämie von 1300 Euro pro Mitarbeiter gezahlt. Hako hat mittlerweile fast 2100 Mitarbeiter, davon 430 in Bad Oldesloe, die anderen sind in Vertriebs-Niederlassungen in 60 Ländern weltweit und vier Werken in Deutschland und je einem in den USA und Polen. Der 70. Firmengeburtstag wird in diesem Jahr gefeiert.

„Wir müssen mutig sein“

Schreiber ist überzeugt, autonome Maschinen sind die Zukunft. „Wir müssen beim Thema autonome Maschinen mehr als mitmachen, müssen Mut haben auch mal unkonventionelle und nicht standardisierte Wege in der Entwicklung zu gehen, das kostet natürlich Geld. Aber wenn wir es nicht investieren, würden wir irgendwann abgehängt.“ Bald könnten die autonomen Reinigungsmaschinen in Serie gehen, um in Firmen, Supermärkten oder öffentlichen Einrichtungen sauberzumachen. Zum Beispiel in Flughäfen: Wenn die Maschine ihre Bahnen zieht, kann der Mitarbeiter gleichzeitig Toiletten reinigen oder Waschbecken putzen. Und in Supermärkten könnte die Maschine die Gänge reinigen, während ein Mitarbeiter Regale auffüllt.

Christian Risch

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