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Wirtschaft im Norden Hamburger Hafen hofft auf mehr Wachstum in China
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Hamburger Hafen hofft auf mehr Wachstum in China
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16:06 15.11.2012
Ein Containerschiff verlässt den Hamburger Hafen. Quelle: Angelika Warmuth/Archiv
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Hamburg

Der Hamburger Hafen dümpelt durch eine Flaute, weil die Einfuhren aus China deutlich zurückgegangen sind. „Wenn der stärkste Partner so schwächelt, dann wird auch das Gesamtergebnis runtergerissen“, sagte Claudia Roller, die Vorstandsvorsitzende der Marketing-Gesellschaft des Hafens, am Mittwoch in Hamburg. Der Verkehr mit China, der fast jeden dritten Container im Hamburger Hafen bewegt, ging in den ersten neun Monaten um knapp zwölf Prozent zurück. Andere Fahrtgebiete entwickelten sich durchaus positiv, konnten diesen Rückgang aber nicht ausgleichen.

Insgesamt war der Hamburger Containerumschlag um 0,6 Prozent auf 6,7 Millionen Standardcontainer (TEU) rückläufig. In den anderen großen Häfen Nordwesteuropas sah es nicht besser aus, mit Ausnahme der bremischen Häfen, die um 6,2 Prozent zulegten. Am Ende des Jahres wird der Hamburger Hafen wie im Vorjahr rund neun Millionen TEU umgeschlagen haben, das ist ungefähr eine Million weniger als zu Rekordzeiten 2007 und 2008. „Das Weihnachtsgeschäft im 3. Quartal ist ausgefallen“, sagte Roller. Gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres ging der Umschlag um 5,2 Prozent zurück und verwandelte das leichte Wachstum des ersten Halbjahres in ein Minus.

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Roller bemühte sich, dem Zahlenwerk positive Aspekte abzugewinnen. „Wir haben ein Wachstum von fast sieben Prozent beim Export“, sagte sie. „Das wird zu wenig beachtet.“ Auch Fahrtgebiete wie Russland (plus 14 Prozent) und die USA (plus 47 Prozent) entwickelten sich gut. Dennoch liegen die Hoffnungen für das kommende Jahr vor allem auf China. Zu dominant ist der Einfluss des wichtigsten Hamburger Handelspartners. Es deute sich an, dass die chinesische Wirtschaft wieder stärker wachsen und auch die europäische Nachfrage nach chinesischen Gütern wieder anziehen werde, meinte Roller. Das käme dem Hamburger Hafen zugute.

Nach dem vorläufigen Stopp für die Elbvertiefung durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mehren sich nachdenkliche Einschätzungen zur Zukunft des Hamburger Hafens. Die einstmals ausgegebene Umschlagprognose von rund 25 Millionen TEU im nächsten Jahrzehnt ist längst heruntergestuft und wird jetzt als das maximal auszuschöpfende Potenzial unter günstigsten Rahmenbedingungen gesehen. Ernsthaft rechnet niemand mehr damit. Auch in Ländern wie China wird die Produktion teurer; das bremst das Wachstum des Welthandels. In vielen Ländern Europas sinken die Konsumausgaben.

Zudem fahren auf den Asien-Routen vermehrt sehr große Schiffe, die weniger Häfen anlaufen. Sei können vorerst nur mit Einschränkungen den Hamburger Hafen erreichen. Und es gibt einen Investitionsstau bei den Verkehrsverbindungen des Hafens ins Hinterland. Der Hafen steht für mehr als 150 000 Arbeitsplätze in der Metropolregion und ist wirtschaftlich immer noch das Herz der Hamburger Wirtschaft.