Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Hier gibt’s noch reichlich Lehrstellen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Hier gibt’s noch reichlich Lehrstellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 05.07.2019
Wie in anderen Branchen werden auch in der Gastronomie im Norden noch zahlreiche Ausbildungsplätze angeboten. Quelle: dpa
Lübeck

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres kommen in Lübeck und dem Kreis Ostholstein statistisch gesehen zwei offene Lehrstellen auf einen Bewerber (2018: 1,7 Stellen). Dieser Wert für Ende Juni sei der höchste der vergangenen sechs Jahre, erklärt Olga Nommensen, Sprecherin der Arbeitsagentur Lübeck. Die Betriebe bieten 3576 Ausbildungsstellen an, das sind 82 Stellen (2,3 Prozent) mehr als im Vorjahr. Davon sind aktuell demnach noch 1575 (minus 3,1 Prozent) offen.

Bezogen auf ganz Schleswig-Holstein gibt es aktuell 8648 unbesetzte Ausbildungsplätze, 78 (plus 0,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber liegt bei 6288, 405 weniger als vor einem Jahr (minus 6,1 Prozent), berichtet die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Im Bundesland kommen jetzt 1,38 freie Ausbildungsplätze auf einen Bewerber (2018: 1,28). Im Kreis Stormarn sind es aktuell 2,08 Lehrstellen je Bewerber (2018: 1,89).

Kaufleute gefragt

„Bereits seit 13 Jahren ist im Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck das Angebot an Ausbildungsstellen höher als die Zahl der bei der Berufsberatung gemeldeten Jugendlichen“, sagt Nommensen. Das liege auch am Wunsch vieler Jugendlicher, weiterführende Schulen zu besuchen oder zu studieren. Ein Drittel aller Ausbildungsstellen, insgesamt 1159, wurden im Raum Lübeck und Ostholstein seit September 2018 für Berufe in den Bereichen kaufmännische Dienstleistungen, Handel/Verkauf, Vertrieb sowie Tourismus/Hotel- und Gastgewerbe angeboten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Berufen der Produktion und Fertigung (824). In den Berufskategorien Buchhaltung, Verwaltung, Unternehmensorganisation werden 542, in Bauberufen 305 und im Bereich Gesundheit/Soziales werden 334 Ausbildungsplätze bereitgestellt.

Viele Angebote online

Bei der Handwerkskammer Lübeck konnten Betriebe etliche freie Lehrstellen bereits besetzen, die Zahl der eingereichten Lehrverträge liege bei 23 734 – das seien 84 mehr als Ende Juni 2018, ein Plus von 3,7 Prozent. Trotzdem seien nach wie vor viele Lehrstellen unbesetzt, sagt Sprecherin Anja Schomakers. Schulabgänger hätten also nach wie vor noch gute Chancen auf eine Lehrstelle, eine Nachfrage lohnt sich also auch noch kurz vor dem offiziellen Ausbildungsstart. In der Online-Lehrstellenbörse der Kammer würden aktuell 952 Ausbildungsplätze angeboten. Allein 115 freie Lehrstellen gebe es im Beruf Elektroniker, weitere 80 bei Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. 55 freie Lehrstellen seien derzeit noch für den Beruf Kfz-Mechatroniker gemeldet.

Top Ten der freien Plätze

Hier die Top Ten der unbesetzten Ausbildungsplätze im Land und in Lübeck/Ostholstein:

Schleswig-Holstein:

Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 840 freie Lehrstellen, Verkäufer/in: 532, Anlagenmechaniker/in: Sanitär-/Heizungs- und Klimatechnik: 282, Elektroniker/in - Energie-/Gebäudetechnik: 254, Koch/Köchin: 248, Handelsfachwirt/in (Ausbildung): 238, Fachverkäufer/in - Fleischerei: 236, Kaufmann/-frau für Büromanagement: 233, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r: 214, Fachverkäufer/in - Bäckerei: 205.

Lübeck und Ostholstein:

Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 284, Verkäufer/in:161, Hotelfachmann/-frau: 161, Koch/Köchin: 154, Kaufmann/-frau Büromanagement: 140, Elektroniker/in Energie-/Gebäudetechnik: 108, Industriekaufmann/-frau: 91, Medizinische/r Fachangestellte/r: 91, Anlagenmechaniker/in - Sanitär-/Heiz.-Klimatechnik: 87, Restaurantfachmann/-frau: 84

Neben bekannten Ausbildungsberufen gibt es laut Arbeitsagentur Lübeck zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten, an die oft gar nicht gedacht werde, wie zum Beispiel Bachelor of Art (BA) – Fitnessökonomie, Dipl. Gesundheitsmanager/in (BA), Fachkraft Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, Fischwirt/in, IT-System-Kaufmann/-frau, Oberflächenbeschichter/in, Orthopädietechnik-Mechaniker/n, Packmitteltechnologe/in, Steinmetz/in, Süßwarentechnologe/in oder Verfahrenstechnologe/in.

Problem für Betriebe

Die genannten Berufe gehören auch zu den drei zahlenstärksten Ausbildungsberufen. „Die Perspektiven sind hervorragend, und engagiertem Fachkräftenachwuchs stehen in unserem Wirtschaftsbereich alle Türen offen“, sagt Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, sieht aber auch die Schattenseiten der Entwicklung. „Für die betroffenen Betriebe ist das ein großes Problem, denn die betriebliche Ausbildung ist für sie ein entscheidender Bestandteil zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs.“

Rückgang bei der IHK

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck wurden bis Ende Juni 2577 Lehrverträge eingetragen, 16 Verträge weniger als im Vorjahr (2018: 2593). „Bis Ende August rechnen wir mit annähernd 4000 neuen Verträgen wie in den Vorjahren“, sagt IHK-Sprecher Can Özren. Ein leichter Rückgang sei zu erwarten. „Wir gehen davon aus, dass etwa 600 bis 700 Plätze von den IHK-Unternehmen nicht besetzt werden können.“ Ausbildungsplätze gebe es noch in allen Branchen.

794 Jugendliche unversorgt

Laut Arbeitsagentur suchen zurzeit noch 794 Jugendliche in Lübeck und Ostholstein eine Stelle. Gute Chancen gebe es noch in den Branchen Bau, Gesundheit/Pflege, Elektronik, Mechatronik, Ernährung, im Hotel- und Gastgewerbe, für Kaufleute im Einzelhandel, im Groß- und Außenhandel, bei Versicherungen sowie für Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen oder in der Lagerlogistik.

Appell der Arbeitsagentur

„Wer sich jetzt erst entschlossen hat, eine Ausbildung zu machen oder noch keinen passenden Ausbildungsbetrieb gefunden hat, sollte sich unbedingt gleich in der Berufsberatung melden“, rät Markus Dusch, Chef der Agentur für Arbeit Lübeck. „Betriebe bitte ich, auch Jugendliche zu berücksichtigen, die nicht 100-prozentig den Vorstellungen entsprechen. Es wäre fatal, gar nicht auszubilden.“ Einige brauchen zusätzliche Betreuung, um gute Fachkräfte zu werden. Hier kann die Arbeitsagentur zum Beispiel mit „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ oder der „Assistierten Ausbildung“ dabei unterstützen, den Ausbildungserfolg zu sichern. Sprechen Sie unseren Arbeitgeber-Service gerne dazu an“, so Dusch.

„Die Nachfrage nach einer Ausbildung im Handwerk ist bei vielen Jugendlichen da“, sagt Kammerpräsident Stamer. „Dafür wirbt das Handwerk intensiv und dadurch konnten etliche Lehrverträge bereits besetzt werden. Darüber freue ich mich. Trotzdem zeichnet sich so kurz vor dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres ab, dass viele Lehrstellen auch in diesem Jahr unbesetzt bleiben werden.“

Zugespitzte Lage

„Die Zahlen belegen, dass sich Situation auf dem Ausbildungsmarkt weiter zuspitzt“, sagt Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck. Gründe dafür seien die demografische Entwicklung sowie der Trend zu einem längeren Schulbesuch und zum Studium. „Der Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften wird in den kommenden Jahren in allen Branchen steigen. Eine duale Ausbildung ist die beste Grundlage für eine sichere berufliche Zukunft“, wirbt Kühn. Verbunden mit einer Weiterbildung in der höheren Beruflichen Bildung, zum Meister oder Fachwirt, sei die Ausbildung die Grundlage für den Aufstieg in den Unternehmen mit mehr Verantwortung und auch mit einem höheren Einkommen, das nicht unter dem von Bachelorabsolventen liege.

Endspurt läuft

„Jetzt läuft der ‚Endspurt‘ am Ausbildungsmarkt. Die Zahlen zeigen, dass kurz vor Ausbildungsgewinn noch immer gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bestehen. So ist aktuell noch einiges in Bewegung“, erklärt Margit Haupt-Koopmann, die Chefin der Regionaldirektion Nord. Besonders der Einzelhandel und das Handwerk böten attraktive Einstiegschancen. Das sei nur eine landesweite Momentaufnahme. Gerade deshalb wolle sie an die jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz appellieren, die kommenden Wochen zu nutzen und sich nicht auf einen Wunschberuf zu fixieren

Auch Abiturienten gefragt

„Wir wissen, dass das Thema Studien- und Berufswahl insbesondere für Abiturienten Fragen aufwirft: Soll ich studieren? Welche Alternativen gibt es? Speziell die Abiturientinnen und Abiturienten des aktuellen und des kommenden Jahres möchte ich ermutigen, sich nicht nur intensiv über Studienangebote, sondern auch über die große Zahl an interessanten und zukunftssicheren Ausbildungsberufen zu informieren“, sagt Haupt Koopmann. Gerade sie seien häufig mit kaum bekannten Entwicklungs- und Karrierechancen verbunden. „So werden allein in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren mehrere Tausend Betriebsinhaber eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen.“

Lesen Sie auch:

Großer Andrang bei 1. LN-Fachkräftemesse

In diesen Jobs werden Azubis gesucht

Christian Risch

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In den südlichen Landesteilen ist die Gerste reif – die Ernte hat begonnen. In Seedorf bei Bauer Reinhard Jahnke sind die ersten Hektar schon eingebracht.

02.07.2019

Die Sommerferien starten! Wer sein Taschengeld in der freien Zeit aufbessern möchte, sucht sich einen Ferienjob. Der Verdienst steht für die meisten Schüler dabei an erster Stelle, aber auch ein paar andere Punkte sollten sie noch beachten.

01.07.2019

Nach Jahren als Übersetzerin für Entwicklungspolitik kam Sybille Frey der Gedanke, die Entwicklung in ärmeren Ländern auf eine andere, ihre eigene Weise zu fördern.

30.06.2019