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Wirtschaft im Norden 200 000 neue Jobs entstanden
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19:34 16.11.2018
Die Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur registriert einen Jobboom im Norden. Quelle: dpa
Kiel/Lübeck.

Auf dem Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein hat sich ein kleines Beschäftigungswunder ereignet. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist seit 2006 um fast 200 000 auf gut 985 000 gestiegen. Nach Angaben der Agentur für Arbeit gab es allein seit 2013 ein Plus von 100 000. Im September dieses Jahres wurde Hochrechnungen zufolge erstmals die Millionengrenze übertroffen. Angesichts der seit langem guten Konjunktur seien deutlich mehr Arbeitsplätze entstanden, sagt der Vizechef der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, Thomas Letixerant.

Unter den Bundesländern rangiert Schleswig-Holstein bei der Beschäftigungsentwicklung im Vorjahresvergleich mit einem Zuwachs von 2,3 Prozent auf Platz fünf. Davor liegen nur Berlin, Bayern, Hessen und Hamburg. Drei Viertel aller Beschäftigten im nördlichsten Bundesland arbeiten im Dienstleistungssektor. Im Bundesschnitt ist die Quote mit knapp 71 Prozent etwas niedriger. Das produzierende Gewerbe hat im Norden (Stand März 2018) einen Anteil von 23,4 Prozent, fast fünf Prozentpunkte weniger als in Deutschland insgesamt. Entgegen weit verbreiteten Vorstellungen stellen die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft nur 1,4 Prozent der Beschäftigten. „Von einem Agrarland kann man da weiß Gott nicht sprechen“, sagt Letixerant. Dienstleistungsbereiche wie Gesundheit, Pflege und Tourismus seien im Norden überdurchschnittlich stark vertreten.

Noch viele offene Stellen

Trotz der kräftigen Beschäftigungszuwächse gibt es immer noch viele offene Stellen. Im Oktober waren es in Schleswig-Holstein 26 000, davon 17 900 für Fachkräfte. Diese werden in der Pflege ebenso gesucht wie Klempner, Klima- und Energietechniker, Softwareentwickler, Bauleute und – besonders im Sommerhalbjahr – Servicepersonal in der Gastronomie.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) freut sich über die Entwicklung. „Etwa drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in mittelständischen Unternehmen. Der Mittelstand ist Motor für Wachstum und Beschäftigung. Deshalb hat die Landesregierung den Mittelstandsbeirat ins Leben gerufen“, sagt er. 2017 habe es in Schleswig-Holstein 12 100 Gründungen gegeben, damit liege man bei den Flächenländern nach Hessen und NRW an dritter Stelle. Auch das trage zum Jobboom bei. Auch der Tourismus sei ein wichtiger Faktor, sagte der Minister. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 2015 auf 2017 um elf Prozent von 151 000 auf 168 000.

IHK sieht stabile Aufwärtsbewegung

Die Masse der Arbeitsplätze sei vermutlich im produzierenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor und in der Gesundheitswirtschaft – hier vor allem in der Pflege und im klinischen Bereich – entstanden. Auch in der Ernährungswirtschaft, der Medizintechnik und im Maschinen- und Anlagenbau habe man eine besondere Dynamik gespürt, sagt Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck. Er spricht von einer „sehr stabilen Aufwärtsbewegung, die mit der anhaltend guten Konjunktur einhergeht“. Gründe für die starke Nachfrage nach Arbeitskräften im Bezirk der IHK zu Lübeck sind die ausgeglichene Wirtschaftsstruktur und die Lagegunst der Kreise und der Hansestadt Lübeck in der Metropolregion Hamburg. Im „Muskelgürtel“ von Hamburg beeinflussten sich dynamische Industrieunternehmen mit hohem Außenhandelsanteil, Logistiker, Handwerksunternehmen und Großhändler gegenseitig. Dort gibt es ein „großes Potenzial für weitere Ausschläge nach oben“.

„Die Qualität der Arbeit im Norden wächst leider nicht so wie die Quantität“, bemängelt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord. „Der Anteil der Befristungen bei Neueinstellung in Schleswig-Holstein liegt bei rund 40 Prozent. In keinem anderen Bundesland im Westen sind die Löhne so niedrig und ist der Anteil der atypischen Beschäftigung so hoch wie hier, mehr als eine über eine Viertel Million Menschen sind hier nur in einem Minijob beschäftigt.“ Vor allem in Einzelhandel, Tourismus und Gastronomie seien Beschäftigte von diesen prekären Beschäftigungsformen betroffen, gerade Frauen. Die Tarifbindung von Arbeitsverhältnissen liege bei nur noch 45 Prozent. „Deshalb bekommen viele auch im Alter Probleme mit ihrer Rente. Gute Arbeit müsste ein Riesenthema für die Landesregierung sein – sie ist es aber leider nicht“, sagt Polkaehn.

Hält der Jobboom an?

„Der Arbeitsmarkt wird auch in den nächsten Wochen und Monaten noch boomen“, erklärt Sebastian Schulze, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes (UV) Nord. Die Dienstleistungsbranche vor allem im Bereich der stationären und ambulanten Pflege sowie Gesundheitsberufe zählten dazu. Auch im Handwerk gibt es noch viele offene Stellen. „Die Schulabgänger von morgen haben beste Aussichten. Auch Schwerbehinderte, Langzeitarbeitslose und Ältere sowie Flüchtlinge können positiv in die Zukunft blicken“, sagt Schulze.

Auch die IHK zu Lübeck glaubt, dass der Jobboom anhält. „Auch zu Jahresbeginn 2019 wollen 24,3 Prozent der befragten Unternehmen weiter mehr Personal einstellen. Nur 12,9 Prozent wollen Personal abbauen. Bei 62,8 Prozent der 655 antwortenden Unternehmen bleibt die Personaldecke konstant“, sagt Schöning.

Die weitere Beschäftigungsentwicklung werde ganz maßgeblich von der künftigen Konjunktur abhängen, sagt Thomas Letixerant von der Arbeitsagentur. Aber auch die Digitalisierung spiele eine wichtige Rolle. „Es wird insgesamt – hier sind sich die Experten weitgehend einig – nicht zu einem Job-Abbau kommen“, sagte Letixerant. „Allerdings werden sich die Branchen- und Berufsstrukturen stark verändern.“ Dieser Wandel müsse daher intensiv durch Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Arbeitslose und für Beschäftigte flankiert werden. Hier seien alle Arbeitsmarktpartner gefordert.

Christian Risch und Wolfgang Schmidt

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