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Wirtschaft im Norden Kommt der Fangstopp für Dorsch und Hering?
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19:07 04.06.2019
Ein Fischkutter ist auf der Ostsee vor Warnemünde unterwegs. Der Streit um die Fangquoten geht weiter. Quelle: dpa
Berlin/Kiel

„Vegane Fischbrötchen ohne Fisch“, pries der Marktschreier Markus Bölling am Dienstag lautstark vor dem Berliner Reichstag an. Auf den Tischen des improvisierten Marktstandes lagen auch tatsächlich nur aufgeschnittene Brötchen mit einem Salatblatt darin. Und in zwei Plastikbehältern mit Eis, in denen sonst frischer Fisch angeboten wird, herrschte gähnende Leere.

Umweltorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Our Fish oder Deepwave wollten mit ihrer Aktion – einige Tage vor dem Tag des Meeres am 8. Juni – auf die verhängnisvolle Überfischung in Nord- und Ostsee aufmerksam machen. Besonders Heringe in der westlichen Ostsee sowie der Dorsch in der östlichen Ostsee, östlich von Bornholm, seien extrem gefährdet. Aber auch der Dorsch im Westen habe sich nicht so gut erholt, wie man das noch im vorigen Jahr annehmen konnte.

Marktschreier Markus Bölling bietet vor dem Reichstag Fischbrötchen ohne Fisch an. Quelle: Reinhard Zweigler

„Unsere wichtigsten Speisefischarten stehen unter Druck. Überdüngung, Verschmutzung, Erwärmung infolge der Klimakrise und die Überfischung machen den Meeres-Ökosystemen zu schaffen“, erklärte Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer. Erstmals hätten deshalb die Wissenschaftler des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) für beide Fischpopulationen eine Null-Fangquote vorgeschlagen. Im Klartext also ein totales Fangverbot ab dem kommenden Jahr.

Bereits niedrigere Quoten beim Hering in 2019

Dabei hatte es für den Heringsfang in diesem Jahr mit rund 4700 Tonnen – gegenüber 9600 Tonnen im Jahr 2018 – bereits eine empfindliche Reduzierung der deutschen Fangquote gegeben. Sollte ein totales Fangverbot für die „Silberlinge“, sozusagen der Brot-und-Butterfisch für die einheimischen Kutterfischer, kommen, wäre das der wirtschaftliche Tiefschlag für viele der rund 500 Fischer.

„Total beschissen“, hatte Lorenz Marckwardt, langjähriger Chef des Landesfischereiverbandes im Norden, dieses verheerende Szenario bereits vor einiger Zeit genannt. Zahlreiche kleine Fischer würden dann wahrscheinlich ihren Beruf auf See an den Nagel hängen.

Ministerium unterstützt Fischer

Unterstützung für den gebeutelten Berufszweig kam aus dem Hause des zuständigen Kieler Ministers Jan Philipp Albrecht. „Ein totales Fangverbot kann Fischer, die von einem mit Fangverbot belegten Bestand wirtschaftlich abhängig sind, ihre Existenz kosten. Es sollte daher immer nur das letzte Mittel darstellen, wenn anderweitig der Wiederaufbau eines Bestandes nicht möglich ist“, sagte Ministeriumssprecher Patrick Tiede den LN. Aus „sozioökonomischen Erwägungen“ könne es „richtig und notwendig“ sein, von den Fangempfehlungen der Wissenschaftler „in gewissen engen Grenzen nach oben und unten abzuweichen“.

Den DUH-Bundesgeschäftsführer Müller-Kraenner überzeugte die Position des grünen Landesministers dagegen nicht. Der Umweltschützer verwies darauf, dass sich die EU-Staaten längst auf darauf geeinigt hätten, Überfischung ab dem Jahr 2020 zu beenden. Das bedeute vor allem, dass sich der Rat der EU-Fischereiminister bei der jährlichen Festlegung der Fangquoten im Oktober strikt an die Empfehlungen der Wissenschaftler des ICES für ein totales Fangverbot halten müssten.

Forderungen an Julia Klöckner (CDU)

An die deutsche Fischereiministerin Julia Klöckner (CDU) gewandt verlangte Müller-Kraenner: „Es ist fünf vor zwölf. Sorgen Sie für den sofortigen Fangstopp bedrohter Populationen und nachhaltige Fangmengen bis 2020.“

2019 müsse das Jahr, in dem die Fanggrenzen endlich den wissenschaftlichen Empfehlungen folgten, meinte auch Rebecca Hubbard, Direktorin der Our Fish Kampagne. Ihre Rechnung war einfach: „Wird zu viel Fisch aus dem Meer geholt, kollabieren die Fischpopulationen und sind dann wirtschaftlich nicht mehr nutzbar.“ Nur eine nachhaltige Fischerei könne die Fischbestände stärken und langfristig zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der Fischerei führen. Leere Tische auf den Fischmärkten, wie gestern vor dem Reichstag, sind eine Horrorvorstellung. Und „vegane“ Fischbrötchen sind keine wirkliche Alternative.

Reinhard Zweigler

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